Entschieden

Guido Funke aus Bickenriede empfängt am 8. Juni um 9.30 Uhr im Erfurter Dom die Priesterweihe

Foto: Peter Weidemann

Erfurt (BiP). Wer Guido Funke kennt, dürfte kaum widersprechen, wenn man ihn als geerdeten Typ beschreibt. Der 32-Jährige aus Bickenriede ist gelernter Elektroinstallateur, liebt das Leben in Thüringen und besonders im Eichsfeld und hätte auch, gut bürgerlich, eine Familie gründen können. Hat er aber nicht. Stattdessen widmet er sein ganzes Leben „himmlischen Angelegenheiten“. Vom Boden abheben wird Guido Funke dennoch nicht. Pfingstsamstag weiht ihn der Erfurter Bischof im Mariendom zum Priester.

Wie es dazu gekommen ist, sei nicht einfach zu erklären, meint Funke. Dreimal im Leben hatte er das Gefühl, dass das Priesteramt etwas für ihn sein könne: bei den Weltjugendtagen 2005 und 2011 und dazwischen bei der Feier der elterlichen Silberhochzeit im Zisterzienserkloster Himmerod (Eifel). Anfangs hielt er es für Tagträumerei, aber das Gefühl nahm zu, nicht ab. „Im Nachdenken darüber wurde mir dieser Weg zu einem Leben als Priester so sympathisch, dass ich begann, mich darauf vorzubereiten.“ Mit 25 Jahren ging er nach Bamberg, ins sogenannte Propädeutikum, eine Vorbereitungszeit auf das Theologiestudium, während der auch die biblischen Sprachen erlernt werden.

Das eigentliche Studium begann im September 2013. Funke studierte als Priesterkandidat des Bistums Erfurt im Studienhaus St. Lambert in Lantershofen (Rheinland-Pfalz). Diese Einrichtung ermöglicht Männern, die über kein Abitur verfügen, den für die Priesterweihe notwendigen theologischen Abschluss. Funke beendete diese Phase im Juli 2017 mit einer Abschlussarbeit in Philosophie, die während der vier Jahre sein besonderes Interesse geweckt hatte.

Noch als Student absolvierte Funke ein Gemeindepraktikum in Bischofferode. Der Pastoralkurs nach dem Studium führte ihn ebenfalls ins Eichsfeld, in die Pfarrei St. Marien in Heilbad Heiligenstadt. Hier arbeitete er auch nach seiner Weihe zum Diakon im April 2018. Die Diakonenweihe ist die erste Weihestufe auf dem Weg zum Priesteramt.

Nun ist es soweit. Bischof Ulrich Neymeyr wird ihn am 8. Juni durch Handauflegung und Weihegebet im Beisein seiner Eltern, Geschwister und der Bistumsgemeinde zum Priester weihen. Guido Funke freut sich, dass die Familie seine Entscheidung mitträgt und durch das Gebet unterstützt. Sein anfängliches Gefühl hat ihn nicht getrogen. „In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass ich den richtigen Weg gewählt habe“, sagt er rückblickend.

Er macht sich nichts vor. Dieser Weg sei gewiss nicht immer leicht, aber das gelte auch für ein Leben mit Frau und Kindern. „Irgendwann muss man sich im Leben einmal entscheiden. Dies habe ich getan und das aus Überzeugung“. Besondere Erwartungen hat er keine. Das wäre vielleicht nicht gut, „gerade da ich in einer Zeit Priester werden will, wo es innerhalb der Kirche große Umbrüche gibt“, sagt Funke. Aber er freut sich „auf alles was kommt!“ Mit seinem Leben will er Zeugnis für Jesus Christus geben. Dazu spricht er zum Beginn der Weihe sein Adsum: Ich bin bereit. Geerdet, aber mit himmlischer Freude.

Die Priesterweihe von Guido Funke findet am Pfingstsamstag, 8. Juni, um 9.30 Uhr im Erfurter Mariendom im Rahmen einer Heiligen Messe statt. Zum Ende des Gottesdienstes läutet gegen 11 Uhr die große Domglocke „Gloriosa“, während der Neupriester mit den Bischöfen, Bistumspriestern und den Messdienern zu den Bischofsgräbern am Kreuzgang des Domes zieht. Der Weihetag endet um 14 Uhr mit einer Dankandacht im Dom. Erst nach seiner Weihe erfährt Funke, wo seine erste Kaplansstelle sein wird.

Stichwort „Priesterweihe“

Nach römisch-katholischem Kirchenrecht kann nur ein getaufter und gefirmter Mann zum Priester geweiht werden. Er muss unverheiratet sein und das 25. Lebensjahr vollendet haben. Das Zölibatsversprechen legt der Kandidat bereits vor der Weihe ab.
Zwischen dem Eintritt in das Theologiestudium und dem Zeitpunkt der Priesterweihe liegen rund sieben Jahre. In dieser Zeit absolviert der Bewerber ein fünfjähriges Studium der Philosophie und Theologie sowie Praktika in Gemeinden und sozialen Einrichtungen. Die Priesteramtskandidaten der ostdeutschen Diözesen studieren in der Regel in Frankfurt und Erfurt und leben in dortigen Priesterseminaren, wo sie auch eine geistliche Prägung erhalten. Darüber hinaus ist es üblich, dass die Studenten zwei Semester außerhalb des Kollegs leben. Dabei wechseln sie die Stadt und die Universität.
Nach dem Studium geht der Priesterweihe die Weihe zum Diakon voraus, ein eigenständiges Dienstamt, das es schon im Urchristentum gab. Im Laufe der westlichen Kirchengeschichte entwickelte es sich zur Vorstufe des Priestertums. Die Aufgaben des Diakon liegen im gottesdienstlichen und caritativen Bereich. Seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) ist die Eigenständigkeit des Diakonates wieder hergestellt. So können sich heute auch (verheiratete) Männer zum Diakon weihen lassen, ohne Priester werden zu wollen.
Die Priesterweihe erfolgt durch die Handauflegung und das Weihegebet des Bischofs. In seinem Gebet ruft der Bischof die Kraft Gottes auf den Weihekandidaten herab. Nach dem Bischof legen auch die anwesenden Priester des Bistums dem Kandidaten die Hände auf – als Zeichen der Aufnahme in die Gemeinschaft der Priester. Der Handauflegung und dem Gebet geht eine Befragung voraus, bei der der Weihekandidat seine der Bereitschaft zum geistlichen Dienst öffentlich erklärt und dem Bischof und seinen Nachfolgern den Gehorsam verspricht. Da die Priesterweihe nach katholischen Glauben ein Sakrament ist, also ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit Gott, kann sie vom Menschen nicht rückgängig gemacht werden.