Elisabeth sucht nicht das Leid, nimmt aber das Kreuz an

Von Bischof Joachim Wanke, Erfurt


Bischof Joachim Wanke
Von Bischof Joachim Wanke...

Elisabeth sucht nicht das Leid. Aber wenn es auf sie unausweichlich zukommt, dann trägt sie es, ohne darunter zu zerbrechen. Sie hätte wohl durchaus Grund dazu gehabt, an dem Unverständnis und der Herzenshärte ihrer christlichen Umwelt zu verzweifeln.


Sie hätte Grund gehabt, über den Verlust ihres geliebten Mannes mit Gott zu hadern. Was sich aber als echtes, das heißt von Gott gesandtes Kreuz erweist, dem weicht sie nicht aus. Sie ergreift es und wird so in der Nachfolge Christi zur Kreuzträgerin.


Es wäre eine Illusion zu meinen, wir kämen in unserem Dienst ohne das Kreuz aus. Wohlgemerkt: Ich meine das echte Kreuz. Es gibt viele Dinge, die vorschnell als Kreuz verbrämt werden können, die es aber in Wirklichkeit nicht sind. Bei diesen sollten wir eher auf Abhilfe sinnen, auf Veränderung. Und dazu gehört auch, dass wir Ungerechtigkeit beim Namen nennen und in hilfreicher Weise Kritik üben.


Aber es gibt darüber hinaus noch Dinge, die sich eben nicht durch unseren und der anderen guten Willen ändern lassen. Es gibt Krankheit, Charakterschwäche, Belastungen aus der Vergangenheit, unglückliche Konstellationen - und es gibt die normale, alltägliche Belastung des Berufes, die für manche schon Kreuz genug ist. Haben wir schon einmal versucht, dem Leid und der Härte bestimmter Erfahrungen im kirchlichen Dienst den Charakter des Kreuzes abzugewinnen? Oder zu fragen, ob wir es in der Bereitschaft der Nachfolge Jesu als solches annehmen wollen?


Elisabeth hat diese Botschaft gelebt. Sie hat es gewagt, mit ihrem Leben, mit allen Kräften ihres Herzens und ihres Leibes sich zu verschenken. Ob sie immer alles richtig gemacht hat? Das ist nicht so entscheidend. Sie hat ein für allemal Ja gesagt: "Hier, Gott, hast du mich ohne Vorbehalte, ohne Rückversicherung. Verfüge über mich in guten und in schweren Stunden. Ich traue dir, dass du es immer und jederzeit, sogar noch im Sterben, mit mir gut meinst. Ich brauche vor dir keine Versicherung abzuschließen!"


Quelle: Auszug aus der Predigt am "Tag der kirchlichen Mitarbeiter" (14.9.1981) innerhalb der Festwoche zum Elisabeth-Jubiläum 1981, jetzt enthalten in: Elisabeth, Mechthild und andere heilige Frauen, Paderborn 2006 (bitte anklicken!)



Ü;ber Elisabeth - Leben und Deutung