"Ein reiches und verantwortungsvolles Wirken im Weinberg des Herrn"

Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gratuliert Bischof Wanke

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Wanke,

lieber Mitbruder Joachim!


Zum 25-jährigen Jubiläum deiner Bischofsweihe gratuliere ich dir im Namen der Deutschen Bischofskonferenz und besonders auch persönlich sehr herzlich. Wir wünschen dir zu diesem Festtag auch weiterhin Gottes reichen Segen sowie Gesundheit und Wohlergehen für die kommenden Jahre.


Dieser Tag ist ein besonderer Anlass, zurückzublicken auf ein reiches und verantwortungsvolles Wirken im Weinberg des Herrn, aber auch ein Tag des Dankes an Ihn, unseren Herrn, der dich in seine Nachfolge berufen und zum Hirtenamt bestellt hat.


Nach der Priesterweihe am 28. Juni 1966 und kurzer Seelsorgstätigkeit hast du dich zunächst für den Weg des akademischen Lehrers entschieden und wurdest 1972 als Schüler von Heinrich Schürmann mit der Dissertation "Die Emmauserzählung: eine redaktionsgeschichtliche Untersuchung zu Lk 24, 13-35" zum Dr. theol. promoviert. Du wurdest dann akademischer Lehrer am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt, zunächst als Lehrbeauftragter und Dozent und dann als Ordinarius für Exegese des Neuen Testaments. Mit dem dir eigenen Enthusiasmus hast du bei den heranwachsenden Priestern die Bezüge zum Verständnis und zur rechten Interpretation der Schriften des Neuen Testaments grundgelegt. Da berief Papst Johannes Paul II. dich zum Titularbischof von Castellum und Weihbischof des Apostolischen Administrators in Erfurt und Meiningen, Bischof Hugo Aufderbeck. Der damalige Bischof von Berlin und heutige Erzbischof von Köln Joachim Meisner spendete dir die Bischofsweihe. Kurz darauf übernahmst du nach dem Tod von Bischof Hugo als Apostolischer Administrator die Leitung des damaligen Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen. Dies bedeutete nun für dich, die katholische Minderheit in der doppelten Diaspora zwischen Protestanten und Atheisten zusammenzuhalten und nach gangbaren Wegen in der Pastoral zu suchen. Seit 1994 bist du Bischof des neu errichteten Bistums Erfurt.


Im Liturgiereferat und als stellvertretender bzw. kommissarischer Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz trugst du besondere Verantwortung für ein einheitliches kirchliches Handeln in allen Jurisdiktionsbezirken. Du erlebtest dann das Ende der DDR-Diktatur und die so genannte Wende. Von nun an suchst du nach Möglichkeiten, der Kirche auch in der pluralistischen Gesellschaft, in den Problemen des Zusammenwachsens von Ost und West Gehör zu verschaffen. Du ermunterst die Christen, ihren Glauben auch außerhalb der Gemeinden zu zeigen. Du suchst auch uns, deine Mitbrüder im Bischofsamt, zu ermuntern, neue Wege der Pastoral zu erproben, indem wir einen echten Dialog auch mit nicht religiösen Mitmenschen aufnehmen und unsere Priester darauf vorbereiten, sich auch auf Fragen und Erfahrungen junger Menschen wirklich einzulassen. Das große Ereignis des Weltjugendtages hat uns allen wieder das Staunen gelehrt, über soviel Spontaneität, soviele Formen pastoraler Möglichkeiten.


"Auch Menschen, die mit der Institution Kirche nicht viel anfangen können, müssen wir Chancen bieten, vielleicht nur zeitweilig mitzumachen." - aus diesen deinen Ü;berlegungen heraus hast du in Erfurt neue Projekte erproben lassen wie die Feier der Lebenswende für ungetaufte Jugendliche als Alternative zur Jugendfeier, wie dem monatlichen Totengedenken im Dom oder die Segensfeier am Valentinstag.


Lieber Joachim, du hast jede neue Herausforderung auf deinem Lebensweg bis heute mit dem vertrauensvollen "Adsum" - ich bin da und bereit - beantwortet. Seit der Vereinigung beider Bischofskonferenzen bist du auch Mitglied unserer Deutschen Bischofskonferenz geworden und hast hier sofort mit Verantwortung übernommen. Gerne nehme ich heute die Gelegenheit wahr, um dir für deine jahrelange, engagierte und verantwortungsbewusste Mitsorge und Zusammenarbeit in den Gremien unserer Konferenz, hier vor allem auch in den Kommissionen für Fragen der Wissenschaft und Kultur, für Glaubensfragen und für ökumenische Fragen sowie in der Unterkommission Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch, ein herzliches Vergelt?s Gott zu sagen. Mein besonderer Dank gilt dir für deine fachkompetente Leitung der Pastoralkommission. Du hast hier deine besonderen Erfahrungen mit Kirche in der Diaspora in den neuen Bundesländern immer wieder mit eingebracht. Unsere gemeinsame Erklärung "Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein" legt Zeugnis hierfür ab. "Katechese in veränderter Zeit" trägt ebenfalls deine Handschrift. Diese Schrift knüpft an die vorherige Erklärung an und zeigt neue Handlungsfelder auf. Noch vieles wäre zu nennen, besonders auch deine wertvolle Mitarbeit im Verband der Diözesen Deutschland.


"Vestigia Christi sequi" - unter diesem Leitmotiv hast du dein Hirtenamt angetreten. Diese Spuren in der Nachfolge zu suchen und umzusetzen in einem beherzten Mut zum Dialog, wirst du nicht müde, wenn du mutig und entschlossen Stellung beziehst zu aktuellen Fragen wie zum Beispiel zum Embryonenschutz oder zum Verbot der aktiven und direkten Sterbehilfe.


So wünschen wir dir für die kommenden Jahre deines seelsorglichen Wirkens den Segen Gottes. Die Zuversicht aus der Kraft des Glaubens schenke dir die inner Kraft und Freude, damit du auch weiterhin den Menschen in all ihren Nöten nahe sein und ihnen den Segen der Kirche spenden kannst.


In dankbarer und brüderlicher Verbundenheit

dein


Karl Kardinal Lehmann

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz




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