Ein Bauernsohn aus Paran

Der Generalsekretär der Brasilianischen Bischofskonferenz besucht das Bistum Erfurt


Dom Odilo Scherer (re.) im Gespräch vor einem Elendsviertel

Erfurt/Niederorschel/Heiligenstadt (BiP/adveniat). Dom Odilo Scherer, Weihbischof in S?o Paulo (Brasilien) besucht vom 2. bis 6. Dezember das Bistum Erfurt. Der Weihbischof reist im Rahmen der Jahresaktion "Lichtblicke", die von Adveniat durchgeführt wird.


"Lichtblicke" will die deutsche Öffentlichkeit auf die schwierige Lebenssituation der brasilianischen Bevölkerungsmehrheit aufmerksam zu machen, die Arbeit der katholischen Kirche und ihren Einsatz für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit veranschaulichen. Adveniat, das Hilfswerk der deutschen Katholiken für die Kirche in Lateinamerika, fördert seit mehr als 40 Jahren jährlich 4.200 Projekte vor Ort mit mehr als 56 Millionen Euro. Die Weihnachtskollekte ist traditionell für Adveniat bestimmt.


Odilo Scherer stammt aus einer Kleinbauernfamilie. Aufgewachsen mit zehn Geschwistern, weiß er, was es heißt, miteinander brüderlich umzugehen, um Entscheidungen zu ringen, sich Aufgaben zu teilen. Erfahrungen, die dem deutschstämmigen Weihbischof in S?o Paulo heute zugute kommen - im Jahr 2003 wurde er für vier Jahre zum Generalsekretär der Brasilianischen Bischofskonferenz CNBB, der weltweit größten Bischofskonferenz in der katholischen Kirche, gewählt. Seitdem pendelt er zwischen S?o Paulo und Brasilia, der Hauptstadt des Landes und Sitz auch der CNBB, hin und her. Bis zum Frühjahr 2005 war Dom Odilo Scherer auch noch Weihbischof in der Megalopolis S?o Paulo und dort verantwortlich für die Region Santana im Nordosten der größten Stadt Brasiliens. 61 Pfarreien, mehr als 150 Kirchen, rund 900.000 Katholiken: Allein dies war Aufgabe genug. Seit Juni 2005 ist er von dieser Aufgabe entpflichtet und kann sich ganz seinem Amt als Generalsekretär der CNBB widmen.


Auch künftig wird er in S?o Paulo wohnen. In der Stadt mit den fast 16 Millionen Einwohnern hat sich Dom Odilo in den vergangenen drei Jahren recht gut eingewöhnt. Von seinem bescheidenen Reihenhäuschen mitten im Viertel Santana aus war er bisher verantwortlich für eine Region, die geprägt ist von Arbeitslosigkeit, sozialen Problemen und schnell wachsenden Elendsvierteln. Auf viele dieser Herausforderungen habe die katholische Kirche derzeit nicht die passenden Antworten, gesteht Dom Odilo ein, sonst hätten die evangelikalen Sekten nicht diesen großen Zulauf. In einigen Favelas, den Armenvierteln der Stadt, bekennen sich inzwischen nur noch rund sechzig Prozent der Einwohner zur katholischen Kirche. "Wenn wir keine missionarischen Anstrengungen unternehmen, werden wir noch mehr Gläubige verlieren", ist sich Dom Odilo sicher.


1949 in Cerro Largo (Bundesstaat Rio Grande do Sul) als Nachkomme deutscher Einwanderer aus dem Saarland geboren, wuchs Odilo Scherer mit zehn Geschwistern im Bundesstaat Paran? auf. Bis heute wird in seiner Familie die deutsche Sprache weitergegeben, und Dom Odilo Scherer konnte die Kenntnisse bei Studienaufenthalten in Europa verfestigen. Im Goetheinstitut in Stauffen absolvierte er Deutschkurse, die ihm später bei Einsätzen als Ferienaushilfe in Deutschland zupass kamen. 1976 war Odilo Scherer zum Priester geweiht worden und kam dann als Dozent für Philosophie an das Kleine Seminar der Diözese Toledo im brasilianischen Bundesstaat Paran? - zwei Jahre später wurde er zum Rektor des Priesterseminars der Diözese ernannt. Es folgte ein Promotionsstudium in Dogmatik an der Gregoriana in Rom, unterbrochen auch durch einen Intensivkurs Französisch in Lyon sowie Englischstudien in London. Der junge Theologe unterrichtete an mehreren Hochschulen und wirkte als Pfarrer der Kathedralgemeinde der Bischofsstadt Toledo, ehe er 1991 mit dem Aufbau eines interdiözesanen Priesterseminars begann. Die Berufung nach Rom als Offizial in die Vatikanische Kongregation für die Bischöfe (der die Vatikanische Kommission für Lateinamerika zugeordnet ist) führte Dom Odilo Scherer 1994 erneut nach Rom. 2002 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in S?o Paulo.


Nach drei Jahren beginne er, sich an die Stadt zu gewöhnen, gesteht der Bauernsohn Odilo Scherer ein. Besondere Freude bereiten ihm die Besuche in den wenigen (noch) landwirtschaftlich geprägten Bereichen seiner Bischofsregion. Doch S?o Paulo wächst weiter. "Bald werden auch die letzten grünen Bereiche bebaut sein", befürchtet der Weihbischof. Um der wachsenden Bischofsregion ein Zentrum zu geben, lässt Dom Odilo - unter anderem mit der Hilfe von ADVENIAT aus Deutschland - ein Pastoralzentrum für die Region im Stadtviertel Santana bauen. Hier sollen auch die überaus wichtigen Fortbildungskurse für Laien stattfinden, die für die seelsorgliche Arbeit in den Gemeinden S?o Paulos immens wichtig sind. "Sie tragen bisher schon viel Arbeit und Verantwortung, vor allem auch im sozialen Bereich", sagt Weihbischof Odilo Scherer. "Und sie werden künftig noch mehr gebraucht werden, wenn es um die Verkündigung des Glaubens geht." Dies ist ihm auch in seiner Funktion als Generalsekretär der Bischofskonferenz wichtig. Die CNBB hat 2003 ein auf vier Jahre angelegtes nationales Projekt zur Evangelisierung gestartet, das vor allem auch die Laien in die Pflicht und Verantwortung nimmt. Die mit fast 320 Mitgliedern größte Bischofskonferenz der Welt hat sich in den vergangenen Jahren aber auch stets deutlich zu Wort gemeldet, wenn es galt, die Rechte der Armen, Unterdrückten und Ausgegrenzten zu verteidigen.


Dom Odilo leitet das Generalsekretariat in der Hauptstadt Brasilia, das sich sowohl um politische Fragen sorgt als auch um die Vorbereitung und Durchführung der zentralen Veranstaltungen der katholischen Kirche Brasiliens wie der Fastenaktion (Campanha da Fraternidade). Zudem werden von hier aus die Schriften der Bischofskonferenz vertrieben, die Sitzungen der zahlreichen bischöflichen Kommissionen koordiniert und der Kontakt zu den 17 Regionalstellen der CNBB in allen Teilen Brasiliens gehalten. Eine Arbeit, die Dom Odilo bis an den Rand seines Leistungsvermögens fordert. Dennoch bleibt er Mensch, will Hirte sein, der auch erreichbar ist. Die Tür seines Hauses öffnet der groß gewachsene Mann eigenhändig, seinen Volkswagen fährt er selbst. Der Bauernsohn aus Paran? hat seine Wurzeln nicht verloren.



Samstag, 3. Dezember: ERFURT


08.00 Uhr

Hl. Messe in der Pfarrkirche "St. Georg"

(Rubensstraße 49, Tel. 03 61 / 37 35 744)

mit Kurzpredigt von Weihbischof Scherer, anschließend Frühstück und Gesprächsrunde im Gemeindezentrum


18.00 Uhr

Adventsvesper im Dom "St. Marien?

mit Kurzpredigt von Weihbischof Scherer


19.30 Uhr

Hausmusikabend der Theologischen Fakultät Erfurt

(Domstraße 10, Coelicum)



Sonntag, 4.12.2005


10.00 Uhr

Hl. Messe in St. Marin, Niederorschel

(37355 Niederorschel, Bergstraße 52, Tel. 03 60 76 / 5 94 16)

mit Predigt von Weihbischof Scherer, anschließend Begegnung


18.00 Uhr

Adventsvesper in der Kirche des Bergklosters, Heiligenstadt

mit Kurzpredigt von Weihbischof Scherer



Montag, 5. Dezember 2005: HEILIGENSTADT


08.00 Uhr

Hl. Messe in der Pfarrkirche "St. Ägidien"

(Marktplatz 5, Tel. 03 606 / 61 23 19, Fax 03 606 / 60 25 28)

mit Kurzpredigt von Weihbischof Scherer



Dienstag, 6. Dezember 2005

06.00 Uhr

Hl. Messe in der Pfarrkirche "St. Marien"

(Lindenallee 44, Tel. 03 606 / 61 23 19)

mit Kurzpredigt von Weihbischof Scherer

www.adveniat.de