Im Frühsommer dieses Jahres ging der Fall der sogenannten Wittenberger »Judensau« durch die Presse: Es stand eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes darüber an, ob eine mittelalterliche anti-jüdische Schmähplastik an der Stadtkirche in Wittenberg dort bleiben dürfe, oder ob sie aus der Öffentlichkeit entfernt werden müsse. Der Kläger sah darin einen Aufruf zum Antisemitismus, der auch durch eine vor Ort angebrachte Erläuterung und Distanzierung der Kirche nicht aus dem Weg geräumt sei. Dem schloss sich das Gericht nicht an und entschied, dass die Kontextualisierung es erlaube, dass die Schmähplastik bleiben könne.
Doch wie sieht es andernorts aus? In der kirchlichen Bildsprache des Mittelalters und der Frühen Neuzeit sind Darstellungen des Judentums weit verbreitet und unterliegen auch einem starken historischen Wandel. Nicht immer stechen sie sofort ins Auge und bedürfen heute sachkundiger Erläuterung, um sie überhaupt entdecken zu können. Und nicht immer sind sie eine so scharfe Verächtlichmachung, wie es in Wittenberg der Fall ist. Welche Darstellungen des Judentums gibt es im und am Erfurter Dom? Drücken sie auch eine Herabwürdigung des Judentums aus? Sollten sie Besucherinnen und Besuchern in Zukunft besser erläutert werden?
31.10.2022, 14.00 Uhr · Führung und Podium
14.00 Uhr Führung im Erfurter Dom Treffpunkt: Haupteingang
16.00 Uhr Podiumsdiskussion in der Kleinen Synagoge Erfurt
PD Dr. Birgit Wiedl (Institut für jüdische Geschichte Österreichs, St. Pölten)
Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Bistum Erfurt)
Prof. Dr. Schramm (Jüdische Landesgemeinde Thüringen)
Moderation: Prof. Dr. Susanne Rau (Universität Erfurt)
Dies ist eine Kooperationsveranstaltung zwischen "Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte", "Stadt Erfurt", "Bistum Erfurt" sowie "Jüdisches Leben Erfurt"
Sie findet im Rahmen des 14. Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte, vom 30.-31.10.2022 in Weimar, Jena, Erfurt, Gotha und Heldburg statt.
