Im Evangelium des 3. Fastensonntags (Johannes 4, 5-42) begegnet Jesus einer Frau am Brunnen. Am Beginn dieser Szene steht kein Wunder und keine Forderung, sondern eine Bitte. Müde und durstig sagt Jesus zu der Frau: „Gib mir zu trinken.“
Damit zeigt sich Gott auf eine unerwartete Weise. Der, der alles schenken kann, macht sich selbst bedürftig. Er verlangt zunächst nichts und stellt keine Bedingungen, sondern sucht das Gespräch und die Beziehung zu einem Menschen.
Wenn der Durst nicht lange bleibt
Im weiteren Verlauf spricht Jesus über das Wasser des Brunnens. Er erklärt: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen.“ Diese Erfahrung kennen viele Menschen aus ihrem eigenen Leben. Vieles stillt nur vorübergehend ein Bedürfnis: Man erreicht, erlebt oder besitzt etwas und kurze Zeit später entsteht erneut ein neues Verlangen.
Gott eröffnet eine Quelle im Innern
Jesus stellt diesem gewöhnlichen Wasser ein anderes gegenüber. Er spricht von einem Wasser, das nicht nur kurzfristig den Durst löscht, sondern zu einer Quelle wird, die im Inneren des Menschen entsteht. Damit beschreibt er den Glauben nicht als etwas, das immer wieder von außen nachgefüllt werden muss, sondern als eine innere Veränderung.
Gerade in der Fastenzeit kann dieser Gedanke eine besondere Bedeutung bekommen. Diese Zeit lädt dazu ein, den eigenen Durst nach Sinn, Erfüllung und Orientierung bewusst wahrzunehmen, anstatt ihn sofort zu überdecken.
So kann der Durst, den Menschen im Leben spüren, nicht nur als Mangel verstanden werden. Er kann auch der Ort sein, an dem Gott eine neue Quelle eröffnen möchte.
Text: Sarah Lamprecht