Der graue Fleck

Gedanken an Aschermittwoch

Bild: Peter Weidemann; in: Pfarrbriefservice.de

Der graue Fleck auf meiner Stirn. Er ist nicht größer als der Daumenabdruck des Priesters, der mir dieses Mahnmal aufzeichnete. Im Bemühen, es wie ein Kreuz aussehen zu lassen. Aschekreuz eben. Am Aschermittwoch. Der Tag der Kehrtwende. Oder der Neuausrichtung. Der Beginn einer Entdeckungsreise meiner selbst.

Das Aschekreuz auf meiner Stirn hat mehr und mehr die Schwere der Last verloren: Du bist eine Sünderin. Du hast Schuld auf dich geladen. Du bist nicht würdig...

Mehr und mehr ist dieses Mahnmal für mich zu einem Zeichen der Liebe geworden: Das bin ich. Mit all meinen tollen Eigenschaften, Fähigkeiten  und meinem Können. Mit all meinen Fehlern und Schwächen. Meinen Unvollkommenheiten. Mit all dem, was nicht gut war, auch dem Schuldiggewordensein.

Denn es gibt da Einen, der mich sieht. So wie ich bin. Und sich trotzdem nicht abwendet. Der mich aufrichtet, und nicht niederdrückt. Dem ich nicht egal bin. Der mich immer und immer wieder neu anfangen lässt und keinen Schlussstrich zieht. Um meiner selbst willen.  

Das ist Liebe.

Andrea Wilke