Das Kleid neu angepasst

Das Bistum Erfurt ordnet seine Dekanate und Pfarreien neu, um für die Zukunft fit zu sein

Erfurt (BiP). Ab dem 1. Januar 2005 greift im Bistum Erfurt die erste Stufe einer Strukturreform, durch die sich die Zahl der Pfarrgemeinden von 120 auf 95 reduziert. Gleiches gilt für die Dekanate, in denen mehrere Pfarreien einer Region zusammengefasst sind, um überpfarrliche Aufgaben in der Seelsorge zu regeln.


Statt bisher 14 wird es künftig nur noch sieben Dekanate mit den Namen Dingelstädt, Erfurt, Heiligenstadt, Leinefelde-Worbis, Meiningen, Nordhausen und Weimar geben. Ihre Grenzen sind nicht mit denen der Städte identisch, nach denen die Dekanate benannt sind. In einem zweiten Reformschritt wird 2008 die Zahl der Pfarrgemeinden auf 74 weiter herabgesenkt.


Die Reduzierung beider Reformstufen betrifft vor allem Pfarreien, die schon jetzt oder in den nächsten Jahren keinen eigenen Pfarrer mehr am Ort haben und weniger als 1000 Gemeindemitglieder zählen. Solche Pfarreien werden allerdings weder 2005 noch 2008 aufgelöst, sondern einer anderen Pfarrei zugeordnet und bleiben so als Filialgemeinden bestehen.


Faktisch kann jede Filialgemeinde so viel von ihrer bisherigen Selbständigkeit behalten, wie sie möchte. Es besteht die Möglichkeit, einen eigenen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat zu wählen sowie die Finanzangelegenheiten selbst zu regeln. Die Filialgemeinde ist aber auch berechtigt, mit der Pfarrei Verwaltung und Gremien weitgehend zusammenzulegen.


Die Gründe für die Strukturreform hat der Erfurter Bischof Joachim Wanke wiederholt benannt. Seit 1990 hat die Katholikenzahl bis heute von rund 215.000 auf unter 170.000 abgenommen. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Gottesdienstbesucher von 71.200 auf rund 44.000 zurückgegangen. Und standen dem Bistum Erfurt 1990 noch etwa 150 Priester unter 68 Jahren zur Verfügung, sind es heute 118. Im Jahr 2012 dürften es zwischen 80 und 85 Priester sein.


Hinzu kommt die schlechter werdende Finanzlage der Kirche durch die Abnahme des Kirchensteueraufkommens und anderer Zuwendungen. "Wir müssen unbedingt gegensteuern, um Schlimmeres abzuwenden", formulierte der Erfurter Bischof Joachim Wanke als Agenda. Und: "Es muss möglich sein, auch mit weniger Geld und weniger Personal den Grundauftrag der Kirche zu erfüllen: Gottesdienst zu feiern, das Evangelium den Menschen nahe zu bringen und tätige Nächstenliebe zu üben", so Bischof Wanke.


Die Strukturreform sollte nicht unvermittelt über die Gläubigen hereinbrechen. In Predigten und Briefen warb der Bischof für die Veränderungen. Mit dem Satz "Manches kann nur bleiben, wenn es sich verändert" leitete Wanke im Januar 2004 seinen Brief Das Kleid anpassen! an die Pfarrgemeinderäte, Kirchenvorstände und alle Gemeindemitglieder ein. "Unsere Erfurter Ortskirche muss ihr Kleid den veränderten Gegebenheiten anpassen. Vorausschauend handeln erspart in der Zukunft Ärger und Ratlosigkeit", heißt es darin.


Erreicht werden soll Zweierlei: Einmal neue Dekanate mit einer hinreichend großen Zahl von lebensfähigen Pfarreien einschließlich hauptamtlicher Mitarbeiter einzurichten. Zum anderen den weniger werdenden Priestern durch die Reduzierung der Pfarreien zu ermöglichen, die Arbeit effektiver zu organisieren.


Im Frühjahr 2003 begannen die Gespräche mit den Dechanten über die Grenzen der zukünftigen Dekanate, ein Austausch von Vorschlägen und Gegenvorschlägen, begleitet durch die Diskussion in den Dekanatskonferenzen. Ebenso ging man bei der Reduzierung der Pfarreien vor. Was sich ändern sollte, wurde als Vorschlag in den zuständigen Gremien eingebracht, diskutiert, angenommen oder verändert. Pfarrgemeinderäte von Pfarreien, die Filialgemeinden werden sollten, erhielten schriftliche Informationen mit der Bitte um Stellungnahme.


Der Ü;bergang zu dem, was so geregelt wurde, dürfte am 1. Januar reibungslos laufen, da bereits im Herbst dieses Jahres die Wahlen für die neuen Dekanatsämter stattgefunden haben. Beweglicher müssen freilich alle werden, ob Hauptamtliche in der Seelsorge oder Gläubige in den Pfarreien und Dekanaten. "Beweglich im doppelten Sinn des Wortes", wie Wanke ausführt, der nicht nur an den Besuch von Gottesdiensten denkt, die nicht mehr an allen Wohnorten stattfinden. Der Bischof meint auch das Hinausdenken über den Raum der eigenen Pfarrei. "Die Gemeinden eines engeren Umfeldes müssen lernen, gemeinsam zu denken, zu planen und zu handeln. Es wird einfach nicht möglich sein, überall das volle kirchliche Angebot präsent zu halten." Aber wer guten Willens sei, so Wanke, müsse dieses Angebot in seiner Nähe finden und wahrnehmen können. Das fordert die Gemeinden natürlich, nicht zuletzt in der Förderung ehrenamtlichen Engagements.



Dekret über die Neuordnung der Dekanate im Bistum Erfurt