Brennendes Herz

Predigt von Weihbischof Reinhard Hauke am Ostermontag in Nordhausen, Dom zum Heiligen Kreuz

Es war für mich eine Überraschung, als ich bei meinem ersten Besuch in Jerusalem im Untergeschoss des Abendmahlssaales das Grab von König David fand. Es war geschmückt mit kostbaren Tüchern und Teppichen, wie es im Judentum üblich ist. Zwar sind sich die Historiker nicht sicher, ob es wirklich das Grab von König David ist, aber die Juden sind froh, einen solchen Ort zu haben. Und darüber wird der Abendmahlssaal gezeigt. Auch hier sind wir Christen froh, einen solchen Ort zu haben, wenn auch hier ebenfalls die Historiker sagen, dass es nicht sicher ist.

Petrus erwähnt in seiner Predigt in Jerusalem am Pfingsttag das Grab des Königs David, das erhalten sei bis auf den heutigen Tag, d.h. in Jerusalem um das Jahr 30 n. Chr. Damals muss es auch schon 1000 Jahre alt gewesen sein, denn man schätzt, dass er bis um das Jahr 1000 als König regiert hat, bevor König Salomo die Herrschaft übernahm. Petrus bezeichnet König David als Prophet, da er im Psalm 132 davon spricht, dass ein Nachkomme aus dem Stamm David einmal auf dem Thron Davids sitzen wird, dessen Herrschaft ewig sein wird. 1000 Jahre später nennt sich Jesus Christus vor Pontius Pilatus einen König, dessen Herrschaft aber nicht von dieser Welt ist. Pilatus stellt Jesus dem Volk aber als ihren König vor und sie fordern seine Hinrichtung, weil sie ihn nicht als König anerkennen wollen, obwohl doch alles dafür sprach, dass er es ist. Denn zumindest war nachweisbar, dass er in der Stadt Davids geboren worden war, die auch die Stadt der Väter Josefs war, der aus dem Haus David stammte.

Eigentlich war alles klar, aber es war so schief gegangen, wie man es sich schlimmer nicht hätte vorstellen können. Seine Predigt, seine Wunder, sein Sterben in Jerusalem wie die Propheten konnte nicht helfen, ihn als König Israels zu identifizieren und ihn zum Heil für die Bürgerinnen und Bürger Israels wirken zu lassen. Es bedurfte einer Tiefensicht, um alles gut zu verstehen. Diese Tiefensicht ist nötig bis heute, um die Bedeutung Jesu zu erschließen.

Tröstlich und erbaulich ist zugleich das heutige Evangelium über die Erfahrung des Auferstandenen in Emmaus. Bei diesem Evangelium denke ich an verschiedene Darstellungen der Emmaus-Geschichte. Im Priesterseminar Neuzelle ist in der Klosterkirche über dem Tabernakel die Szene erkennbar, die Christus am Tisch mit den Emmausjüngern zeigt. Der Tabernakel dient ihnen als Tisch, an dem das Brot gebrochen wird und dabei den Emmausjüngern die Augen aufgehen. Sie haben ihn gesehen, aber nicht erkannt.

Eine solche Darstellung an einem Ort, wo die Eucharistie im Tabernakel verehrt wird, ist schon eine Herausforderung. Glauben die Jünger und letztlich auch wir, dass der Herr hier gegenwärtig ist?

Ein anderes bekanntes Gemälde von Sieger Köder zeigt die beiden Jünger am Tisch und Jesus in der Mitte, aber schon nicht mehr als Mensch erkennbar. Die beiden Emmausjünger haben unterschiedliche Positionen: einer ist ganz in sich versunken und der andere schaut mit Freude und Erstaunen zum Himmel. Vor ihnen liegt das Alte Testament mit einem Text, der auf das Leiden des Messias zum Heil für die Menschen hinweist. Für Petrus ist die Auferstehung Jesu eine Wirklichkeit besonderer Art, die man nicht mit den Händen fassen kann, die jedoch im Herzen brennt und zu neuen Wegen führt. Wann das Brennen bei den Emmausjüngern begonnen hat, ist nicht erkennbar. Vermutlich war es schon auf dem Weg, denn im Nachhinein erzählen die Emmausjünger, dass schon die Schriftauslegung Jesu sie berührt hat. Dann erleben sie Jesus, wie er die Danksagung spricht und das Brot bricht.

Bei Sieger Köder ist es ein Korporale, das auf dem Tisch liegt, wie in der heiligen Messe. Die Feier der Eucharistie ist ein Ort, wo einem das Herz brennen kann und die Nähe zu Jesus Christus bewusst wird. Wort und Sakrament helfen, zu einer äußeren Entscheidung zu kommen, nachdem das innere Brennen zu einer äußeren Entscheidung aufgerufen hat.

Empfehlungen der Seelsorgeämter für die Gestaltung der Kar- und Ostertage raten dazu, die biblischen Texte an diesen Tagen auch zu Hause zu lesen. Wir können damit sicher sein, dass auf diesem Weg eine Christusbeziehung möglich ist. Das ersetzt aber nicht die Möglichkeit der Begegnung im Sakrament der Eucharistie. Wir sind also beschenkt mit verschiedenen Zugangswegen zu Jesus Christus, jedoch müssen wir sie gehen, wenn sich etwas an Ostererfahrung zeigen soll. Ich freue mich, dass auch in diesem 2. Ostertag Sie zum Gottesdienst gekommen sind, um im Wort und Sakrament Christus nahe zu sein.
Wir wünschen uns lebendige Erfahrungen der Gegenwart Jesu Christi, von denen auch der Apostel Paulus berichten konnte und es im Brief an die Gemeinde in Korinth deutlich tut. Paulus fühlt sich zu Unrecht mit einer solchen Begegnung beschenkt. Er nennt sich eine „Missgeburt“, was ja deutlich macht, wie sehr er von der Begegnung mit dem Auferstandenen vor Damaskus überrascht war. Für ihn war diese Begegnung reine Gnade und Liebe.
 
Erfahrungen mit dem Auferstandenen sind bis heute immer Geschenke, die wir uns erbitten, aber nicht machen können. Die regelmäßige Mitfeier der Eucharistie und das regelmäßige Lesen in der „Heiligen Schrift“  sind Zeichen unserer Bereitschaft, mit Christus zu leben. Wir stellen unseren Sender auf Empfang ein – im Bild gesprochen. Wir gehen davon aus, dass ER immer sendet, aber von uns her nicht immer die Bereitschaft zum Empfang besteht. Das können wir ändern und haben es eigentlich schon getan.

Die österliche Freude kommt für mich nicht allein durch das gute Essen und die Kartengrüße zum Osterfest. Sie kommt bei mir besonders dann, wenn ich erleben kann, wie Menschen sich auf diese Begegnung mit Christus einlassen. Das erlebe ich besonders beim Gottesdienst, aber auch im Gespräch mit Gemeindemitgliedern – Jung und Alt. Möge es uns auch an diesem Osterfest wieder geschenkt werden, uns mit und in der Botschaft von der Auferstehung geborgen zu fühlen in der Liebe des guten Gottes, der niemals aufgegeben hat, uns wieder in sein Gottesreich einzufügen. Amen.

Lesungen:


Apg 2, 14.22-33
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!
22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst -
23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
25 David nämlich sagt über ihn:
Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. / Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.
26 Darum freute sich mein Herz / und frohlockte meine Zunge / und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen;
27 denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, / noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
28 Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, / du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.
29 Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
30 Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
31 sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht.
32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

1 Kor 15, 1-8.11

151 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, / gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. / Er ist am dritten Tag auferweckt worden, / gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.
11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

Lk 24, 13-35

13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.