Bischof Wankes Wirken hat dem Bischofsamt vielGlaubwürdigkeit verliehen

Grußwort des

stellvertretenden Vorsitzenden der DBK, Bischof

Norbert Trelle zur Verabschiedung von Bischof  Joachim Wanke

Heute geht ein

Stück Kirchengeschichte im Bistum Erfurt zu Ende: Ein Vierteljahrhundert

hast Du als Bischof dem Bistum Erfurt gedient. Du bist ein Bischof der klaren

Worte, der leisen Töne, bei denen man sehr genau hinhören muss und ein

großartiger Seelsorger. Als Hirte Deiner Herde warst Du immer der Pfarrer, zu

dem man mit seinen Sorgen hingehen konnte, der einem zuhörte und Rat wusste. "Pastor

bonus" - der gute Hirte. Kaum ein Bild trifft besser auf Dich zu als genau

dieses.

Es ist mir eine

Ehre und Freude, als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen

Bischofskonferenz heute einige Worte an Dich richten zu dürfen. Ich mache das

gerne in Vertretung für unseren Vorsitzenden, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch,

von dem ich herzliche Grüße übermittle.

Lieber Joachim,

wer Dich kennt, weiß Deine Art - einfühlsam und zielorientiert - sehr zu

schätzen. Du wolltest nie "klein beigeben", sondern eine Lösung für

das Ganze war Dein Ziel. Mit diesem guten Maß an kontinuierlicher

Beharrlichkeit hast Du das Bistum Erfurt und unsere Bischofskonferenz geprägt.

Dabei bist Du mit Achtung und Respekt den Menschen begegnet: den Katholiken und

den Protestanten, den Christen und  den

Nichtchristen; nie hast Du nachgelassen, auch die Nichtgetauften als Adressaten

eines guten Wortes und der Frohen Botschaft zu verstehen. Dein Leitungsstil war

geprägt vom Vertrauen in die engagierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

Deiner Diözese. Von diesen ist das Wort von Dir überliefert: "Wenn es

keine Lösung gibt, dann finden wir eine." - Das nenne ich

Leitungsverantwortung.

Dankbar schauen

wir heute auf Deinen engagierten und aufopferungsvollen Dienst in unserer Bischofskonferenz.

Als einer der dienstältesten Bischöfe war Dein Rat immer gefragt. 14 Jahre

warst Du Vorsitzender unserer Pastoralkommission. Ich möchte Dich jetzt nicht

als Propheten titulieren, aber doch als visionäre Kraft Deiner theologischen

Erkenntnis bezeichnen, wenn ich daran erinnere, dass auf Deine Initiative hin

im Jahr 2000 das vielbeachtete Wort der deutschen Bischöfe "Zeit zur

Aussaat" entstand. Bereits damals hast Du herausgestellt, mit welcher

missionarischen Dynamik die Kirche erfüllt werden müsse - ein Thema, das jüngst

auf der Bischofssynode in Rom erörtert wurde. Ein Bischof aus Thüringen konnte

uns besonders gut in Erinnerung rufen, dass Mission nur in Demut und Selbstbewusstsein

gelingen kann.

Das Bemühen um

einen missionarischen Impuls ist bleibender Kompass für die Neuorientierung der

Pastoral und die Reform der Pfarrei. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass Dank

Deines Einsatzes die Arbeitsstelle für Missionarische Pastoral, eine

Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz, vor einigen Jahren hierher nach

Erfurt gekommen ist. Die Deutsche Bischofskonferenz ist Dir darüber hinaus für

Deine profunden biblisch-exegetischen Kenntnisse dankbar, auf die wir immer zurückgreifen

konnten. Das gilt insbesondere für die Revision des Neuen Testaments der

Einheitsübersetzung aber auch bei der Erarbeitung des neuen Gebet- und

Gesangbuches.

Lieber Joachim,

Du giltst für viele Gläubige Deines Bistums als Bischof der Einheit. Was Du selbst

in der DDR erlebt hast, hat Dich geprägt. Das Geschenk der Wiedervereinigung

war für Dich Befreiung und Auftrag: Die durch den staatlichen und politischen

Einigungsprozess möglich gewordene Zusammenführung kirchlicher Strukturen

wurden von Dir mit großem Einsatz vorangetrieben. Die Anliegen der ostdeutschen

Ortskirchen hast Du kraftvoll und überzeugend in den Beratungen der

Bischofskonferenz und im Verband der Diözesen Deutschlands eingebracht. Immer

wieder gelang es Dir, Dich für die Ü;berwindung von Blockaden zu verwenden. Oft

hat durch eine humorvolle Wortmeldung aus einem drohenden Gegeneinander ein

fruchtbares Miteinander werden können.

Ein solches

fruchtbares Miteinander haben wir im vergangenen Jahr erlebt, als Du mit der schon

eingangs erwähnten kontinuierlichen Standhaftigkeit den Heiligen Vater

überzeugen konntest, Thüringen zu besuchen. Manche Geschichte und Debatten um

die Programmgestaltung, um die Frage, ob der Heilige Vater in Erfurt

übernachten könne, über die Einbindung der eigentlichen Ortskirche sind

überliefert. Du warst es, der Benedikt XVI. in diese Stadt gebracht hat. Ohne

Dich wäre es nicht zu der bewegenden Marienfeier in Etzelsbach gekommen, an die

ich heute noch in großer Dankbarkeit zurückdenke. Der Aufenthalt des Heiligen

Vaters in Ostdeutschland trägt Deine Handschrift. Und noch einmal zur

kontinuierlichen Standhaftigkeit: Als die Wagenkolonne in Etzelsbach aufbrach

und das Fahrzeug des Heiligen Vaters vor der Kapelle nicht mehr anhielt, bist

Du in aller Seelenruhe aus dem Wagen gestiegen und hast eine Glocke und einen

Stein gesegnet - ungeachtet nervöser Sicherheitsbeamter, eines plötzlichen

Kolonnenstaus und wartender Hubschrauber. Dir war das Zeichen wichtig, das Du

mit dem Segen in diesem Moment setzen konntest.

Wir alle denken

in dieser Stunde auch an den historischen Besuch des Heiligen Vaters hier im Erfurter

Augustinerkloster. Der Besuch war Ausdruck dessen, was Du für die Ökumene geleistet

hast: Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den getrennten Brüdern

und Schwestern im Glauben hat dank Deines Einsatzes weit über die Grenzen

Thüringens hinaus Strahlkraft entwickelt. In diesem Sinne hast Du lange Jahre

in der Ökumenekommission unserer Bischofskonferenz mitgewirkt und hast leitende

Aufgaben in der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen

wahrgenommen.

Lieber Joachim,

ich bin überzeugt, dass viele Deiner zukunftsweisenden Initiativen weiter wirken

werden. Denn Du hast uns immer wieder daran erinnert, dass wir nur dann die

Zukunft gewinnen, wenn wir uns des Ursprungs der Kirche vergewissern. Dieser

Ursprung aber ist Christus selbst, der in seiner Kirche lebt und wirkt. Dies

macht uns Mut, das anzunehmen, was kommt. Dein Wirken hat unserem bischöflichen

Amt viel Glaubwürdigkeit und Ü;berzeugungskraft verliehen. Dein Rücktritt ist

deshalb ein Verlust für die ganze Kirche in Deutschland. Gleichwohl gönnen wir

Dir von Herzen den wohlverdienten Ruhestand.


28.11.2012