Arme Kinder

Statement von Diözesan-Caritasdirektor Bruno Heller


Caritasdirektor Bruno Heller
Statement von Diözesan-Caritasdirektor Bruno Heller im Thüringer Landtag

Gehalten bei der Ü;bergabe des gemeinsamen sozialen Wortes "Kinderarmut ist ein Skandal" im Thüringer Landtag am 1.10.2008.


Bereits vor 10 Jahren - also 1998 - hatte die Caritas in Deutschland ein Jahresthema mit dem Titel: "Arme Familie - arme Gesellschaft". Im Vorwort stand: "Es gibt viele Methoden, sich dauerhaft zu ruinieren. In Deutschland von 1998 ist eine der erfolgversprechenden, die Gründung einer mehrköpfigen Familie.


Etwas provokant ? Nein, denn die Armuts- und Lebenslagenuntersuchungen der Caritas wie aller anderen Wohlfahrtsverbände hatten klare Zahlen auf den Tisch gelegt und Konsequenzen gefordert. Aber - diese Botschaft, diese Realität wollte damals niemand so recht hören. Erst nach und nach wurde dieses Thema von den politisch Verantwortlichen zur Kenntnis genommen und das Wort von der "Kinderarmut" mit seinen vielen Schattenseiten brach sich Bahn und wurde salonfähig.


Heute kann man vielerorts immer noch lautstark hören: "Kindern steht die Zukunft doch offen!" Dass diese Aussage längst nicht mehr für alle gilt, bestätigt nicht zuletzt der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Ü;ber 2 Millionen Kinder unter 15 Jahren sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Diese Zahl ist alarmierend. Ü;bersetzt bedeutet sie: Immer mehr Eltern können sich - auch heute - ihre Kinder im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr leisten. Im unserem gemeinsamen sozialen Wort heißt es dazu: "Das Leben mit Kindern ist zum Armutsrisiko geworden?. Hauptgrund dafür, ist das zu geringe Einkommen bei gestiegenen Kosten der Lebenshaltung, ohne dass die Zuwendungen und Entlastungen für Kinder ausreichend angepasst wurden."


Es ist auch eine Tatsache, dass sich "Armut versteckt!" Im unserem Papier steht: "Viele Familien, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind oder deren Einkommen in dieser Höhe bzw. darunter liegt, schämen sich ihrer finanziellen Situation. Darüber wird nicht geredet ??und Eltern erkundigen sich nicht über Hilfsmöglichkeiten." Dabei ist Armut heute längst kein Einzelschicksal mehr. Einige gesellschaftliche Gruppen sind besonders betroffen. Dazu zählen vorrangig Alleinerziehende, aber auch immer häufiger - kinderreiche Familien. Ohne staatliche Unterstützung geht bei ihnen nichts mehr. Deshalb besteht in Deutschland zu Recht die Forderung nach einer bedarfsgerechten Erhöhung der Kinderregelsätze.


Im Rahmen einer Bundespressekonferenz stellt am 7. Oktober in Berlin der Präsident des Deutschen Caritasverbandes die Positionen der Caritas zur Bekämpfung der Kinderarmut vor. Hierbei gibt es zweifelsohne viele Parallelen zu unserem Forderungspapier, welches heute - hier in Erfurt - der Öffentlichkeit vorgelegt wird.


Ein weiterer Kernpunkt ist unter anderem die Veränderung des Familienlastenausgleichs, der insbesondere Familien mit geringem Einkommen wie Ein- Elternfamilien, Familien mit drei und mehr Kindern und Familien mit Migratiosnhintergrund unterstützen soll. Im Kontext von Vereinbarkeit von Kindern und Erwerbsarbeit steht in unserem Papier, "dass alle Strukturveränderungen in ihren Auswirkungen in Beziehung zu den Familien bedacht und entschieden werden müssen."


Darüber hinaus gilt es sich starkt zu machen für den Ausbau von Sachleistungen, die armen Kindern den Zugang zu einer schulischen, musischen, sportlichen und kulturellen Bildung ermöglichen. Ich zitiere: ". benachteiligte Familien müssen die Möglichkeit haben, auch kostenintensive kulturelle, Sport- und Freizeitangebote wahrnehmen zu können. Dafür wird die landesweite Einführung einer Freizeitcard zur kostenlosen bzw. ermäßigten Nutzung angeregt.


Abschließend möchte ich festhalten, dass für Familien, die keinen oder nur begrenzten Zugang zur Erwerbsarbeit haben, der Staat das soziokulturelle Existenzminimum sicherstellen muss und sich dabei an dem Kriterium der Bedarfsgerechtigkeit orientiert. Hier wird noch einmal der Zusammenhang von Kinderarmut und Familienarmut deutlich, denn arme Kinder kommen aus armen Familien.


Das "gemeinsame soziale Wort" fordert, erklärt und provoziert uns alle, aber immer zum Vorteil der Kinder und ihrer Familien.

Gemeinsames soziales Wort "Kinderarmut ist ein Skandal"