Erfurt (BiP). Summen und brummen tut es nicht, obwohl 2.000 Wespen den Erfurter Dom bevölkern. Schließlich handelt es sich um nur drei Millimeter große Lagererzwespen, die heute ein Folienzelt im Langhaus des Domes bezogen haben.
Im Inneren des Zeltes sollen sie den so genannten Cranach-Altar von Holzwürmern befreien, die man im November letzten Jahres als unwillkommene Gäste entdeckt hatte. Lagererzwespen benutzen Holzwürmer, wie die Maden des Gemeinen Nagekäfers volkstümlich heißen, als Brutstätte für ihre Eier. Dafür wird der Wurm durch einen Stich gelähmt und neben ihm ein Ei abgelegt. Der Wespennachwuchs ernährt sich nach dem Schlüpfen von dem abgestorbenen Wurm, der keinen Schaden mehr anrichten kann.
Diese Form der biologischen Schädlingsbekämpfung ist revolutionär neu und der Forstwirtschaft abgeschaut. Bisher wurde sie in ähnlicher Weise erst einmal durchgeführt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Kosten sind geringer als bei einer chemischen Begasung, die Umwelt leidet keinen Schaden und das Kunstwerk bleibt von Chemie unbelastet.
Damit sich die aus dem mediterranen Raum stammenden Lagererzwespen im kalten Erfurter Dom wohlfühlen, herrscht im Folienzelt eine Temperatur von 20 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 55 bis 60 Prozent. Ursprünglich hatte der Holzsachverständige Erhard Heinemann nur 30 Wespen aussetzen wollen. Doch die Strategie wurde geändert: "Uns kommt es ja nicht auf die Eiablage an, sondern auf den Tod der Nagekäfermade durch den Wespenstich. Da sind 2000 Wespen wesentlich effektiver als nur dreißig", sagt Heinemann.
In vierzehn Tagen will er weitere 1.000 Wespen ins Folienzelt lassen, um Ende Februar den Erfolg der Aktion zu überprüfen. "Im Zelt liegen an verschiedenen Stellen 12 Probekörper, die mit Nagekäfermaden infiziert worden sind. Sterben diese Maden durch Wespenstiche, können wir davon ausgehen, dass auch die Maden im Cranach-Altar tot sind", erklärt der Sachverständige. Sechs der Probekörper stammen von der Bundesanstalt für Materialprüfung, die sie kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Andreas Gold vom Bischöflichen Bauamt hofft, dann ein gewaltiges Problem weniger zu haben. "Das Cranachbild, das 1948 in den jetzt wurmbefallenen Altar eingesetzt wurde, gehört zu den bedeutendsten Bildern der Thüringer Kunstgeschichte. Da will man doch alles tun, damit es keinen Schaden nimmt", meint Gold. Cranach, der die "Verlobung der heiligen Katharina" 1522/29 malte, hätte dem nichts entgegen zu setzen.