Als Pfälzerin in die ostdeutsche Diaspora

Zum Tod von Hildegard Karch, Seelsorgehelferin i.R.

 

Bild: Manuela Steffan; In: Pfarrbriefservice.de

Am Sonntag, 6. Juli 2025 rief Gott, der Herr über Leben und Tod, Hildegard Karch zu sich in sein himmlisches Reich. 
Hildegard Karch wurde am 10. Mai 1924 in Bad Dürkheim geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und dem Lyzeum in Bad Dürkheim, leistete sie in den Jahren 1941/42 ein Pflichtjahr auf einem Weingut in Pfeffingen ab.

Anschließend absolvierte Frau Karch eine Ausbildung als Bankkauffrau bei der Deutschen Bank in Neustadt an der Weinstraße. Im Dezember 1944 wurde sie wegen der Verlagerung der Buchhaltung nach Würzburg versetzt und erlebte im März 1945 die schweren Bombenangriffe, die zur fast vollständigen Zerstörung der Stadt führten. Ihre ältere Schwester Maria, die sich nach dem frühen Tod der Mutter um sie gekümmert hatte, starb bei diesen Angriffen. Sie selbst überlebte im Keller der Pfarrkirche St. Burkhard und erhielt dann eine Unterkunft bei Klosterschwestern. Diese Erlebnisse führten zu der Entscheidung, Seelsorgehelferin zu werden.

Zwar kehrte Hildegard Karch Ende Mai in ihre Heimat zurück und arbeitete wieder in ihrem alten Beruf, doch zum Jahresende 1946 kündigte sie und begann ein Gemeindepraktikum im Katholischen Pfarramt in Mainz-Bischofsheim. Von Mai 1947 bis zum Jahr 1950 absolvierte sie die Ausbildung im Freiburger "Seminar für Seelsorgehilfe". Im Jahr 1950 erhielt sie als Seelsorgehelferin ihre erste Anstellung im Caritasverband des Bistums Würzburg.

Da sie bereit war, für einige Jahre in die Diaspora zu gehen, wurde sie in Pößneck und Ranis eingesetzt, einem Gebiet, das damals noch zum Bistum Würzburg gehörte. Für sie bedeutete das eine große Umstellung. In einer katholischen Gegend war sie aufgewachsen, nun fand sie sich in der „Ostzone“ wieder mit der Verantwortung für 19 Dörfer, die sie anfangs mit dem Fahrrad und später mit dem Motorrad aufsuchte. 1954 wechselte Frau Karch von Pößneck nach Bad Liebenstein. Zu ihren Aufgaben zählten u.a. der gemeindliche Religionsunterricht, Kinderseelsorge, das Betreuen junger Familien und Küsterdienste. Als Pfälzerin kümmerte sie natürlich auch um den Messwein.

Mit dem Mauerbau im Jahr 1961 war für Frau Karch plötzlich der Kontakt zu ihrer Familie stark eingeschränkt. Da sie sich beharrlich weigerte, wählen zu gehen, wurde ihr kein Visum in ihre Heimat ausgestellt. Aber Reisen in das sogenannte sozialistische Ausland waren möglich und so bereiste Frau Karch die Tschechoslowakei, Russland, Ungarn, Usbekistan und Tadschikistan und unterstützte, wo möglich, die dortigen Christen.

Im Jahr 1968 wechselte Frau Karch nach Saalfeld/Saale, wo sie bis zu ihrem Renteneintritt im Jahr 1985 wirkte. 
Zum Abschied schrieb ihr der damalige Apostolische Administrator für Erfurt und Meiningen, Bischof Dr. Joachim Wanke:

 „Der liebe Gott hat sie einen anderen Weg geführt, als Sie sich das gedacht haben. Als Sie sich für den Dienst in der Diaspora entschieden, dachten sie, das sei für ein paar Jahre. Daraus sind nun 36 Jahre geworden… Ich kann mir die Pfarrei Saalfeld ohne Sie noch gar nicht vorstellen. So sehr sind Sie mit der Gemeinde und dem Erscheinungsbild der Gemeinde von Saalfeld verwachsen … Wie viele Kapläne und Seelsorgehelferinnen im Praktikum und in Ihrer Dienstzeit Sie mitgeprägt und betreut haben, kann ich gar nicht aufzählen.“

Mit dem Renteneintritt verließ Hildegard Karch die DDR und kehrte im August 1985 in ihre Pfälzer Heimat zurück. Auch dort engagierte sie sich rege in der Kolpingfamilie und der Pfarrei vor Ort und unterstützte soziale und karitative Organisationen. Im Herbst 2023 zog sie aus Altersgründen in das Caritas-Seniorenwohnheim in Deidesheim, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Requiescat in pace!

Die Beisetzung von Hildegard Karch findet am Dienstag,  15. Juli 2025 um 12 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Bad Dürkheim statt. Um 15 Uhr wird der Gottesdienst in St. Ludwig in Bad Dürkheim als erstes Sterbeamt für Frau Karch gefeiert.