Aids darf kein Tabu sein

Der Priester David Kamugisha aus Tansania berichtet von seinen Erfahrungen in der Aidspastoral

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Father David Kamugisha
David Kamugisha aus Tansania berichtet von seinen Erfahrungen in der Aidspastoral...

Erfurt (BiP). In Ostafrika sterben täglich 8.000 Menschen durch Aids. Millionen Waisenkinder bleiben zurück. Kein Kontinent ist von der Pandemie so schwer gezeichnet wie Afrika. Wo Kinder zu Familienoberhäuptern werden, Großmütter ihre Enkel großziehen und Töchter ihre erkrankten Mütter und Väter pflegen, kennt die Not keine Grenze. Father David Kamugisha (58) aus Tansania bezeichnet darum die Aids-Pandemie als "die größte Herausforderung für mich als Priester". Vom 15. bis 22. Oktober wird er im Bistum Erfurt (Dekanat Weimar) von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen berichten.


Kamugishas Reise findet im Monat der Weltmission statt, den das katholische Hilfswerk Missio unter das Motto "Ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht" gestellt hat. Missio möchte damit auf die von HIV und Aids betroffenen Menschen in Ostafrika aufmerksam machen.


In der Diözese Bukoba in Nord-Tansania, wo David Kamugisha 1971 seine erste Pfarrstelle antrat und seither tätig ist, erlebte er die Entwicklung der Seuche in einer der am schlimmsten betroffenen Region des Landes: "Fast jeder hier hat Narben durch Aids: In den 70er Jahren gab es keine Straßenkinder - heute sind sie überall - die meisten sind Aids-Waisen. Ich kenne Familien, die innerhalb weniger Jahre all ihre Kinder verloren haben." berichtet der Priester.


Früher engagierte er sich vor allem für die Ausbildung von Jugendlichen und gründete 1989 den Kolpingverband Tansania. Fünf Jahre lang leitete er den afrikanischen Kolpingverband und ist bis heute Vorstandsmitglied von Kolping International.


Als jedoch die Zahl der Aids-Kranken und -Toten in Bukoba Anfang der 90er Jahre rapide zunahm, reagierte die katholische Kirche mit der Gründung von "KAKAU", dem Aids-Projekt der Diözese Bukoba. Father David ist Leiter und Mitgründer des Projektes, das mit Hilfe von Ehrenamtlichen aus den Kirchengemeinden Aids-Kranke, -Waisen und betroffene Menschen unterstützt.


Als Hauptproblem erwies sich jedoch, dass die Krankheit ein Tabu war. "Viele Leute dachten, durch bloße Berührung könne man sich anstecken", erinnert sich Father David. Aufklärungsprogramme der Regierung wurden kaum besucht. Um junge Menschen vor der Ansteckung zu bewahren, gründete David Kamugisha aus einem Kirchenchor die KAKAU-Band. Die Gruppe aus über 20 Sängerinnen, Akrobaten und Laienschauspielern präsentiert Songs und Theaterstücke über HIV/Aids. Durch Auftritte in den Medien, in Dörfern, Schulen und Ausbildungsstätten erreichte die Band weit über Bukoba hinaus Popularität. Sie unterstützt Programme an Schulen, in denen speziell geschulte Jugendliche Gleichaltrige über Aids aufklären und Diskussionsrunden über das Thema initiieren.


Heute sprechen Schülerinnen und Schüler in Bukoba offen über Aids. Die gemeinsamen Bemühungen von Kirchen, Hilfsorganisationen und staatlichen Gesundheitsdiensten zeigen Wirkung: Während 1993 in der Region noch fast 13 Prozent der Bewohner das HI-Virus in sich trugen, waren es 2004 nur noch 8,2 Prozent. Damit liegt das Gebiet um Bukoba zwar noch immer über dem Landesdurchschnitt, doch die Zahl der Neuinfektionen geht zurück.



Das Besuchsprogramm im Dekanat Weimar