"Abschied von einem Freund"

Zur Beerdigung von Kardinal Karl Lehmann und den Requiems in Mainz und Berlin

Johannesminne (Kloster Heiligkreuztal); Bild: Friedbert Simon, in: Pfarrbriefservice.de

Am 21. März wurde Kardinal Karl Lehmann nach dem Requiem in der Gruft des Mainzer Doms beigesetzt.

Dazu hier einige Beiträge (Video, Artikel)


Einen Tag danach wurde in der Berliner St. Hedwigskathedrale ein Requiem für den Verstorbenen gefeiert.Dazu nachfolgend die Pressemitteilung des Deutschen Bischofskonferenz und die Ansprache des Mainzer Generalvikars, Weihbischof Udo Bentz (PDF)

„Wir sind dankbar für das großartige Zeugnis als Mensch und als Bischof, das uns in Kardinal Karl Lehmann geschenkt wurde“

Requiem für Kardinal Lehmann in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin

Im Gedenken an den verstorbenen früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, heute (22. März 2018) gemeinsam mit dem Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, und dem Generalvikar des Bistums Mainz, Weihbischof Dr. Udo Bentz, ein Requiem in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin gefeiert. Neben dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble MdB, und Bundeskanzlerin Angela Merkel nahmen weitere Mitglieder der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages sowie zahlreiche Gläubige teil. 

In seiner Predigt zeigte Kardinal Marx sich tief bewegt von der Trauerfeier in Mainz, bei der das Wirken und die Persönlichkeit von Kardinal Karl Lehmann vielfältig gewürdigt worden sind. „Kardinal Lehmann war ein Menschenfreund, ein Mann, der für die Wahrheit und das Engagement in Kirche und Gesellschaft eingetreten ist. Die Aufträge, die er uns mit auf den Weg gegeben hat, müssen wir weiterführen und seine Impulse wirklich mit ganzem Herzen aufnehmen.“ Ein wichtiger Impuls ist, so Kardinal Marx, dass er ein Mann des Dialogs war. Dialog bedeute, den anderen kennenlernen zu wollen, die Meinung des anderen zu respektieren, neugierig zu sein, vom anderen zu lernen. So sei Kardinal Lehmann auch in ökumenische Gespräche hineingegangen. „Dialog ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Kardinal Lehmann ist ein Zeuge dafür nicht aufzugeben, sondern den Dialog zu suchen. Das nehme ich persönlich als Auftrag mit in die Ökumene hinein“, betonte Kardinal Marx.

„Kardinal Lehmann war in besonderer Weise jemand, der Zeuge der Wahrheit war – dass es nicht beliebig ist, welches Fundament wir als Kirche und Gesellschaft haben. State in fide – steht fest im Glauben – das war sein Leitspruch. Heute wird der Glaube auch genutzt als Ideologie. Doch der Glaube ist die beanspruchte Wahrheit Christi, die wir in die Gesellschaft einbringen. Eine offene Gesellschaft kann jedoch nur dann ein Fundament haben, wenn sie sich auf gemeinsame Überzeugungen bezieht und andere Überzeugungen respektiert.“ Ein Fundament des Zusammenhalts müsse auch der Glaube sein, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass wir uns vernünftig einigen können. Eine offene, plurale Gesellschaft könne es nur in dem Vertrauen geben, dass es eine Vernunft gebe. „Kardinal Lehmann war ein Zeuge für eine starke Vernunft. Als Mann des Glaubens geht er von uns, aber er geht weiter mit uns mit – darauf vertraue ich. Wir sind dankbar für das großartige Zeugnis als Mensch und als Bischof, das uns in Kardinal Karl Lehmann geschenkt wurde. Er war ein fleißiger Arbeiter im Weinberg des Herrn, in seinem Bistum, in der Deutschen Bischofskonferenz. Er hat nicht aufgegeben, sich nicht durch Rückschläge entmutigen lassen – und das sollen auch wir nicht.“

Weihbischof Dr. Udo Bentz dankte in seiner Ansprache für die öffentliche Anteilnahme am Tod von Kardinal Lehmann, der seinen Dienst immer so verstanden habe: „Das eigene Leben vom Anruf Gottes her begreifen und gestalten und daraus Zeugnis geben in die ganze Breite gesellschaftlicher Öffentlichkeit hinein“. Kardinal Lehmann sei von einer „unstillbaren Neugier und echtem Interesse am anderen“ geprägt gewesen. „Das Neue, das Fremde, das Unbekannte löste bei ihm keine Abwehr aus, sondern weckte Neugier.“ Es bleibe die liebevolle Erinnerung an den Menschen Karl Lehmann zurück. Weihbischof Bentz fügte mit Blick auf die Bücher und unveröffentlichten Manuskripte von Kardinal Lehmann hinzu: „Es bleibt ein Vermächtnis, vielleicht auch für die Politik und für manche Debatte gesellschaftlicher Fragen unserer Tage.“