Erfurt. Hoch hinaus geht es am 11. und 12. November in der Wigbert-Kirche neben der Thüringer Staatskanzlei. Dann lädt die Kirchengemeinde dazu ein, ihren Kirchturm zu besteigen. Ein Ereignis, das nicht alle Tage vorkommt, aber dem Anlass angemessen ist. Denn in diesem Jahr begeht die Wigbert-Gemeinde ihr 550. Kirchweihfest. 1473 wurde der Kirchbau in seinen heutigen Umrissen vollendet und geweiht. Das feiert die Gemeinde ausgiebig mit öffentlichen Führungen, einer Ausstellung, geistlicher Musik und natürlich mit einem Festgottesdienst, der am Sonntag, 12. November, um 11 Uhr stattfindet.
Die heutige Kirche ist nicht die erste an diesem Ort, die unter dem Patronat des hl. Wigberts steht, einem Gefährten von Bonifatius, dem Gründer des Bistums Erfurt im 8. Jahrhundert. Vor dem Stadtbrand von 1291 gab es gleich mehrere Kapellen oder Kirchen, schließlich reicht die Geschichte der Gemeinde mindestens bis ins Jahr 1225 zurück, in dem sie zum ersten Mal als Pfarrei erwähnt wurde.
Auch wenn es nach 1473 bis heute beim selben Kirchbau blieb, sollte sich seine Nutzung höchst abwechslungsreich gestalten. St. Wigbert war immer wieder Pfarrkirche, dann aber auch Klosterkirche der Augustiner, Hofkirche der Kurmainzischen Statthalter und Garnisonskirche während der französischen Besatzung Anfang des 19. Jahrhunderts. Heute gehören Gemeinde und Kirche von St. Wigbert zur Pfarrei St. Laurentius, zu der die Kirchengemeinden der Erfurter Innenstadt 2017 im Rahmen einer Strukturreform zusammengelegt wurden.
Nicht nur strukturell hat sich etwas geändert. Äußerlich wurde im Jahr 2004 die letzte bedeutende Kirchbau-Maßnahme abgeschlossen, durch die der Altarraum, die Kirchenfenster, das Gemeindezentrum mit Klosterhof und der Kirchplatz neugestaltet wurden. Und 2013 endete die an der evangelischen Kaufmannskirche begonnene Sanierung des städtischen Angers an der Wigbert-Kirche und wies sie so als einen bedeutenden städtischen Ort aus, der seinen Anteil am religiös-kirchlichen, kulturellen und politischen Leben der Stadt Erfurt hatte und hat.
Auch innerlich kam es zu Veränderungen. Durch die Strukturreform sollte St. Wigbert einer von mehreren Kirchorten in der großen Innenstadt-Pfarrei werden. Noch ehe es dazu kam, starteten Gemeindemitglieder verschiedene Initiativen, etwa eine Zukunftswerkstatt, um über ihren Platz innerhalb der Großpfarrei und der Stadt nachzudenken. Neben den schon vorhandenen ehren- und hauptamtlichen Möglichkeiten – nun ohne eigenen „Wigbert-Pfarrer“ – kam es so zu einer größeren Vielfalt der gottesdienstlichen Feiern, mit und ohne Priester, und einer Erneuerung der Willkommenskultur.
St. Wigbert will Offenheit signalisieren. Das fängt bei niedrigschwelligen Informationen im Internet über das Gemeindeleben an und geht über die Begrüßung bekannter und neuer Teilnehmer vor Gottesdiensten bis hin zu Angeboten, die sich bewusst auch an nichtchristliche Erfurter richten, wie die Vesper an Weihnachten, die monatliche „Ma(h)l-Zeit“ oder die „Game Nights“ für Jugendliche.
Festveranstaltungen vom 8. bis 12. November
So würde sich der Kirchort St. Wigbert freuen, wenn nicht nur Gemeindemitglieder zum Jubiläumsprogramm „550 Jahre Kirchweihe“ kämen. Von Mittwoch, 8. November, bis Sonntag, 12. November, ist täglich von 11 bis 14 Uhr in der Wigbert-Kirche eine Ausstellung zu ihrer Baugeschichte zu besichtigen. Samstags, 11. November, finden verschiedene Führungen statt. Jeweils um 11, 13 und 15 Uhr durch die Kirche und um 11.30, 13.30 und 15.30 zu den neuen Kirchenfenstern mit den modernen Glasmalereien.
Geistliche Musik zum Hören und Mitsingen gibt es ebenfalls am Samstag um 17.15 Uhr und um 18 Uhr als musikalische Vesper. Im Anschluss findet ein Dämmerschoppen im Wigbertsaal statt. Die Turmbesichtigungen sind samstags zwischen 11 und 17 Uhr und sonntags von 13 bis 16 Uhr möglich. Und am Sonntag, dem Tag des Festgottesdienstes, hält die Würzburger Augustinus-Forscherin Dr. Carolin Oser-Grote in der Erfurter Brunnenkirche im Fischersand den Vortrag: „‘Glückliches Erfurt!‘ Der Augustinermönch Jordan Simon (1719-1776) als Prediger und Pfarrer von St. Wigbert – eine abenteuerliche Lebensgeschichte zwischen Kloster, Kurfürst und Kaiserhof.“
st-laurentius-erfurt.de/orte-kirchen/st-wigbert/
Katholische Kirche St. Wigbert in Erfurt von der Neuwerkstraße (li) und vom Alten Angerbrunnen aus
Bilder: (c) Maria Schmidt

