40 Jahre Bischof

Erfurter Altbischof Joachim Wanke feiert ein seltenes Jubiläum

Bischof Joachim Wanke bei seiner Verabschiedung 2012; Bild: Peter Weidemann

Erfurt (BiP). Der Erfurter Altbischof Joachim Wanke (79) feiert am Donnerstag, 26. November, den 40. Jahrestag seiner Bischofsweihe. Coronabedingt beschränkt sich die Jubiläumsfeier an diesem Tag auf ein Pontifikalamt um 18 Uhr im Mariendom. Wankes Nachfolger, Bischof Ulrich Neymeyr, hält die Predigt und hat gleich zweimal Grund zu gratulieren. Sein Weihbischof Reinhard Hauke ist am 26. November seit 15 Jahren Bischof und feiert den Gottesdienst mit. Die Teilnehmerzahl ist wegen der Pandemie beschränkt. Anmeldungen erfolgen über die Dom-Information, Tel. 0361-6461265. Das Pontifikalamt kann auch auf www.dom-erfurt.de im Live-Stream verfolgt werden.

Joachim Wanke, 1980 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof ernannt, trat am 17. Januar 1981 die Nachfolge des verstorbenen Bischofs Hugo Aufderbeck an, der als Apostolischer Administrator das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen geleitet hatte, eine kirchliche Rechtskonstruktion unter den Bedingungen der DDR. Bis dahin hatte Wanke als Priester und Professor für Neues Testament in Erfurt gewirkt. Als der Papst 1994, knapp vier Jahre nach der Deutschen Einheit, das Bischöfliche Amt zum Bistum Erfurt erhob, ernannte er zugleich Joachim Wanke als ersten Bischof. Dieses Amt sollte Wanke bis zum 1. Oktober 2012 innehaben. An diesem Tag wechselte der Bischof aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.

Sein Nachfolger auf dem Erfurter Bischofsstuhl wurde der Mainzer Weihbischof Ulrich Neymeyr. „Ich habe Bischof Wanke persönlich kennengelernt, als ich 2003 Mitglied der Bischofskonferenz wurde.“ Wanke habe, so Neymeyr, wichtige pastorale Impulse für die katholische Kirche in Deutschland geliefert. „Seit ich im Bistum Erfurt bin, weiß ich seine große Leistung zu schätzen: Er hat die katholische Kirche geführt in der Zeit der Repression durch die SED-Diktatur, in der aufwühlenden Zeit der friedlichen Revolution und in den großen Veränderungen, die die Wiedervereinigung für die Menschen mit sich brachten.“ Als Neymeyr die Berufung zum Bischof von Erfurt angenommen hatte, rief ihn Wanke am selben Abend an, „um mir seine guten Wünsche zu sagen. Das hat mich sehr bewegt. Ich bin froh, dass ich ihn immer wieder einmal um Rat fragen kann. Möge er noch lange segensreich unter uns wirken.“

Wankes Wahlspruch für das Bischofsamt stammt aus dem 1. Petrusbrief der Bibel: „Vestigia Christi sequi – Den Spuren Christi folgen“ (1 Petr 2,21). Schon zu Zeiten der DDR bewegte den Bischof die Frage, wie Christen in einer weitgehend nichtchristlichen Umgebung leben und wie sie das Evangelium den Menschen in eben dieser Umgebung weitersagen können. Einladende und auskunftsfähige Kirche werden, ermunterte Wanke immer wieder seine Katholiken. Denn, so zeigte er sich überzeugt, „die Menschen werden nicht als Atheisten geboren“, und als Atheist bewusst zu leben sei auch nicht einfach angesichts der immer noch drängenden Fragen der Menschheit nach ihrem Woher und Wohin. „Christen können Antwort geben und sie wissen, dass unser Leben 80 Jahre und dann eine Ewigkeit dauern kann“, machte der Bischof Lebens- und Bekennermut.

Innerhalb der – wiedervereinigten – Deutschen Bischofskonferenz war der Erfurter Bischof Mitglied der Pastoralkommission, die er von 1998 bis 2010 als Vorsitzender leitete, sowie der Ökumene-Kommission. Die gelebte und bezeugte Verbundenheit der christlichen Kirchen und besonders der ökumenische Prozess, der auf die Einheit der geteilten Christenheit zielt, waren für Bischof Wanke immer Herzensanliegen. Die Kirchen hätten durch das Evangelium die gleiche Aufgabe: den Menschen die Botschaft Christi in Wort und Tat zu bezeugen. Von 1995 bis 2001 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland. Als 2005 die deutschsprachigen Bischofskonferenzen und Bischöfe, die gemeinsam die Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift herausgegeben hatten, eine Revision der Übersetzung beschlossen, wurde Bischof Wanke zum stellvertretenden Vorsitzenden des Leitungsgremiums gewählt, 2008 übernahm er den Vorsitz bis zum Abschluss des Projektes im Jahr 2016.

Seinen Ruhestand lebt Altbischof Wanke in Erfurt, unweit des Domes. Ganz ruhig ist es nicht um ihn geworden. Wie schon während des aktiven Dienstes ist er ein gesuchter Gesprächspartner. Interviews gibt er zwar keine mehr, aber wenn es die Kräfte erlauben, folgt er gerne Einladungen zu theologischen und geistlichen Vorträgen, wenn auch momentan von der Corona-Pandemie ausgebremst. Im nächsten Jahr feiert der Altbischof seinen 80. Geburtstag.