10 Jahre Arbeit als Gefängnisseelsorger

Gratulationsfeier für Pfarrer Franz-Josef Wokittel in der JVA Erfurt

Erfurt (BiP). Nach seinem ersten Besuch im Gefängnis konnte Pfarrer Franz-Josef Wokittel nicht schlafen. "Die Gänge mit den vielen Türen und Schlössern, und wenn man dann hört, welche Straftat der Mann begangen hat, der vor einem sitzt - das läßt einen nicht los", erinnert sich Wokittel in einem Gespräch an den Februar 1990. Damals war er zu einem Häftling gerufen worden, der seine Lebensgefährtin getötet hatte.

Es blieb nicht bei dem einen Besuch. Mittlerweile hat Pfarrer Wokittel viele Gefangene und Schicksale kennengelernt. Im Februar dieses Jahres war er zehn Jahre als Gefängnisseelsorger an der Justizvollzugsanstalt (JVA) Erfurt tätig. In einer Feierstunde in der JVA gratulierten ihm zu seinem Dienstjubiläum der Thüringer Justizminister Dr. Andreas Birkmann, die Anstaltsleiterin Anette Brüchmann, der Gefangenensprecher und ein Vertreter der Vollzugsbeamten.

"Ich sehe meine Arbeit als Dienst an den Menschen", beschreibt Pfarrer Wokittel nach den Gratulationen seine Tätigkeit und zitiert dabei ein Jesuswort: "Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht." Zuhören und aussprechen lassen, was den Gefangenen bedrückt, macht einen Teil dieses Dienstes aus. "Manchen muß man auch zur Einsicht verhelfen, daß sie schuldig geworden sind und hier für ihre Tat büßen."

Den Gästen der Feier wird deutlich, daß Pfarrer Wokittel die öffentliche Skepsis gegenüber dem Strafvollzug nicht gleichgültig ist. Der Pfarrer sieht den Strafvollzug oft falsch dargestellt. "Das ist hier kein Hotel, wie manche sagen. Die Häftlinge verbüßen im Gefängnis eine Strafe, ihnen ist die Freiheit genommen. Aber sie freuen sich auf ein Leben in Freiheit."

Dafür, daß die Häftlinge nach der Haft in die Gesellschaft zurückfinden, will er den Weg ebnen. Resozialisation - das ist für Wokittel das Ziel des Strafvollzugs und der eigenen Arbeit. Darum bemüht er sich auch, für die Gefangenen den Kontakt zu den Angehörigen wieder herzustellen. "Hier fällt häufig der Vorhang", weiß Wokittel nach zehn Jahren.

Im Rückblick auf diese Zeit entdeckt Pfarrer Wokittel aber auch viel Positives. Der Strafvollzug sei menschlicher geworden. Dankbar ist der Pfarrer auch für die gemeinsame Arbeit mit dem evangelischen Gefängnisseelsorger, und er freut sich über das Miteinander von Seelsorgern, Vollzugsbeamten und der Anstaltsleitung. Auch für die JVA-Bediensteten ist er als Seelsorger da, wenn sie ihn brauchen.

Zehn Jahre als Gefängnisseelsorger: Für Justizminister Birkmann verkörpert Pfarrer Wokittel das Bild eines Gefängnisseelsorgers "in idealer Weise". Den Gefangenen sei er Vertrauter, Lehrer und Helfer, aber auch strenger Vater gewesen. Der Sprecher der Gefangenen drückt das auf seine Weise aus: "Er gab mir den Mut, mir selbst zu helfen."



Stichwort Gefängnisseelsorge