Weil auch der Himmel Farben trägt

Firmbewerber:innen besuchen Bestattungshaus

Foto: Sandra Schmidt

Im Rahmen unserer Firmvorbereitung im Bistum Erfurt durften die Firmbewerberinnen und Firmbewerber eine ganz besondere Erfahrung machen: Ein Besuch im Bestattungshaus Wilke in Worbis eröffnete einen ungewöhnlichen, aber sehr wertvollen Zugang zu den Themen Leben, Tod und christliche Hoffnung.

Herzlich empfangen wurden wir von Herrn Pauls und Herrn Wilke, die uns mit großer Offenheit Einblicke in ihre Arbeit gaben. Dabei wurde schnell deutlich, wie viel Einfühlungsvermögen, Respekt und Menschlichkeit hinter dem Beruf des Bestatters stehen. Für die Jugendlichen entstand ein Raum, in dem auch persönliche Fragen gestellt und ehrlich besprochen werden konnten.

Ein kreativer Teil machte diesen Tag besonders eindrücklich: Die Firmbewerberinnen und Firmbewerber durften zwei Särge gestalten. Nach einer kurzen gemeinsamen Planung entstanden dabei zwei sehr unterschiedliche, farbenfrohe Kunstwerke.

Ein Sarg wurde mit Kirschblüten, Zweigen, Bienen, einem Engel und einem Kreuz gestaltet. Der dazu gewählte Satz lautete: „Die Blüten fallen – die Erinnerung bleibt.“ Der zweite Sarg zeigte unter anderem Wasser, ein Boot, einen Regenbogen, Fußspuren sowie die Symbole Alpha und Omega. Ergänzt wurden diese durch Worte wie „Ruhe in Frieden“ und „Ich vermiss dich“.

In dieser kreativen Auseinandersetzung wurde deutlich, wie individuell Trauer und Hoffnung Ausdruck finden können. Eine der Firmbewerberinnen formulierte es treffend: „Auch der Himmel trägt Farben.“

Darüber hinaus erhielten die Jugendlichen Einblicke in verschiedene Bestattungsformen. Sie lernten unterschiedliche Särge und Urnen kennen und erfuhren, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, Abschied zu gestalten und Erinnerungen zu bewahren.

Ein besonders intensiver Moment entstand im Versorgungsraum des Bestattungshauses. In einer sehr stillen und respektvollen Atmosphäre setzten sich die Jugendlichen – freiwillig und bewusst – mit diesem sensiblen Ort auseinander.

Auch die Fahrzeuge des Bestattungshauses wurden vorgestellt, und viele Fragen konnten offen beantwortet werden.

Begleitet wurde dieser Tag von einem biblischen Wort, das den Firmbewerberinnen und Firmbewerbern Orientierung und Hoffnung schenkte:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, selbst wenn er stirbt.“ (Joh 11,25)

Als ehrenamtlich Engagierte in der Firmvorbereitung bin ich dankbar für diese besondere Erfahrung. Ein herzlicher Dank gilt insbesondere Herrn Pauls für seine Zeit, seine Offenheit und sein Engagement, jungen Menschen einen so ehrlichen und zugleich hoffnungsvollen Zugang zu einem oft tabuisierten Thema zu ermöglichen.

Diese außergewöhnliche Firmvorbereitung hat gezeigt: Auch an ungewohnten Orten kann Kirche lebendig werden – und junge Menschen auf ihrem Glaubensweg tief berühren.

 

Text: Sandra Schmidt, Ehrenamtliche in der Firmvorbereitung