Fünfzig kleine Perlen, ein paar größere dazwischen, am Ende ein kleines Kreuz. So sieht ein Rosenkranz aus, ob er nun aus Holz ist oder aus Glas, ob er von der Oma stammt oder von einer Wallfahrt mitgebracht wurde. Wer alle Perlen am Stück betet, ist eine ganze Weile beschäftigt. Man kann aber auch einfach ein paar davon nehmen, ganz wie es in den Tag passt. Im Oktober bekommt diese kleine Kette besonders viel Aufmerksamkeit, denn der gilt in der katholischen Kirche als Rosenkranzmonat.
Wie das Beten mit der Kette funktioniert, ist schnell erklärt. Bei jeder kleinen Perle spricht man ein Ave Maria, jeweils zehn hintereinander, bei den größeren ein Vaterunser. Und während der Mund die vertrauten Worte spricht, wandern die Gedanken zu einer Szene aus dem Leben Jesu, zu seiner Geburt im Stall, zu seinem Leiden oder zu Ostern. Der Name klingt übrigens nicht zufällig nach Garten. Im lateinischen Rosarium steckt der Rosengarten. Wer mag, kann sich die Gebete wie einen Kranz aus Rosen vorstellen.
Wer den Rosenkranz erfunden hat, lässt sich gar nicht so genau sagen. Eine alte Legende erzählt, Maria habe ihn dem heiligen Dominikus überreicht, belegen lässt sich das allerdings nicht. Wahrscheinlicher ist, dass er über Jahrhunderte gewachsen ist, aus dem schlichten Brauch, Gebete mit Steinchen oder Körnern abzuzählen. Seine heutige Form bekam er im 16. Jahrhundert. Und dann kam ein Datum, das bis heute nachwirkt: Am 7. Oktober 1571 siegte eine christliche Flotte in der Seeschlacht von Lepanto über die osmanische und Papst Pius V. schrieb diesen Sieg dem Rosenkranzgebet zu. Daraus entstand das Rosenkranzfest, das bis heute am 7. Oktober gefeiert wird. Gut dreihundert Jahre später bat Papst Leo XIII. die Gläubigen in der ganzen Welt, den Rosenkranz den Oktober über täglich zu beten. Weil er das Jahr für Jahr wiederholte, wurde aus dem Oktober der Rosenkranzmonat. Auch Papst Leo XIV. hat im vergangenen Herbst dazu eingeladen, im Oktober jeden Tag für den Frieden zu beten, allein, in der Familie oder gemeinsam mit anderen.
Und wie passt das in einen Alltag zwischen Arbeit, Einkauf und Elternabend? Niemand muss sich dafür eine halbe Stunde freischaufeln. Zehn Perlen, also ein einziger Abschnitt, dauern nur ein paar Minuten und passen in eine Straßenbahnfahrt oder in die Wartezeit vor der Schule. Manche stecken sich den Rosenkranz einfach in die Jackentasche und merken beim Spaziergang, wie die Finger ganz von allein nach den Perlen suchen. Andere denken bei jedem Abschnitt an einen bestimmten Menschen, an die Freundin vor der Operation, an den Nachbarn, der seit Wochen so still ist. Und an Tagen, an denen gar keine Worte kommen, darf man die Kette auch einfach nur in der Hand halten. Wer lieber nicht allein betet, findet im Oktober in vielen Gemeinden im Bistum Einladungen zum gemeinsamen Rosenkranzgebet, ein Blick in den Schaukasten an der Kirche verrät meist, wann und wo.