Die Ereignisse in der Welt respektieren Weihnachten nicht. Kriege, Gewalttaten und Hungersnöte gehen auch während der Festtage weiter. So sind auch dieses Jahr wieder die Nachrichten von Ereignissen dominiert, die unseren weihnachtlichen Gefühlen nicht entsprechen: die Aufdeckung von Morden an ausländischen Mitbürgern aus rechtsradikaler ideologischer Verblendung; blindwütige Attacken gegen Mitmenschen, wahllos als Zielscheibe gewählt, wie in Norwegen oder jüngst in Lüttich.
Weihnachten kommt nicht dadurch zustande, dass auf einmal alle Menschen friedlich werden. Vielleicht ist es umgekehrt: Wir brauchen Weihnachten, um dem Frieden, dem inneren und dem äußeren Frieden in der Welt und in unserem Leben wieder eine Chance zu geben.
Mit meinem weihnachtlichen Gruß an alle Menschen in unserem Thüringer Land verbinde ich die Bitte, im Einsatz für ein Zusammenleben der Menschen in Frieden und Gerechtigkeit nicht nachzulassen. Mancher könnte meinen: "Das alles hat ja doch keinen Zweck. Ich allein kann die Welt auch nicht ändern!" Die Folge solcher Resignation ist dann oft ein Nachlassen im Engagement für andere, der Rückzug ins Private.
Ich staune immer wieder, wie viele Menschen dieser Versuchung nicht nachgeben. Sie bleiben trotz mancherlei Rückschläge und Enttäuschungen dabei, die Welt durch ihren ganz persönlichen Einsatz heller, freundlicher, humaner zu gestalten. Dafür dürfen wir dankbar sein. Ohne diesen, weithin ehrenamtlichen Einsatz so vieler Mitbürger wäre Thüringen arm dran.
Der christliche Glaube macht Mut, mitten in der Dunkelheit an das Licht zu glauben. Das Böse, das Unmenschliche, der blindwütige Hass haben nicht das letzte Wort. Und ich kann helfen, dem Licht der Menschenfreundlichkeit und Solidarität in meinem Umfeld zum Durchbruch zu verhelfen.
Allen Hörerinnen und Hörern von MDR Radio Thüringen ein gesegnetes und frohes Weihnachten!
Bischof Joachim Wanke
Gesendet am ersten Weihnachtstag 2011 auf MDR 1 Radio Thüringen