Vorurteilsfreies und offenes Durchdenken entscheidend

Statement von Bischof Ulrich Neymeyr, Bistum Erfurt, zur aktuellen vom Papst ausgelösten Diskussion um die Frage nach dem Diakonat der Frau

Die Frage nach dem Diakonat für die Frau wird schon seit vielen Jahren in der katholischen Kirche diskutiert - und das durchaus auch leidenschaftlich sowohl auf Seiten der Befürworter als auch der Gegner. Es ist daher zu begrüßen, sollte Papst Franziskus eine offizielle Kommission einrichten, die diese Frage durchdenken soll. Der Kirche, so die Worte des Papstes, würde es gut tun, diesen Punkt zu klären.

Für den Papst scheint es eine noch nicht endgültig geklärte Frage zu sein, ob "Diakonissen" (so eine vorläufige Übersetzung der KNA) geweiht oder nicht geweiht waren und welche Rolle sie in den Gemeinden hatten. Dann wäre die Antwort auf die Frage nach dem Diakonat der Frau und seinem Amtscharakter noch völlig offen, mithin also die Möglichkeit gegeben, dass Frauen zu Diakoninnen geweiht werden könnten.

Allerdings muss man bei der Deutung seiner Worte berücksichtigen, dass Franziskus auf einer Versammlung von Ordensleiterinnen auf die Frage einer Oberin spontan und wahrscheinlich unvorbereitet geantwortet hat und dabei vor allem die Forschungsergebnisse eines syrischen Theologen erinnerte. Für eine lehramtliche Aussage, und sei es nur eine Denkrichtung, ist das zu schwach.

Dennoch, vorurteilsfreies und offenes Durchdenken dieser Frage auf dem neuesten Stand der theologischen Forschung ist die entscheidende Voraussetzung, wenn es zu einer "Klärung" kommen soll.

17.05.2016