Reformation ist auch Teil der katholischen Kirchengeschichte

Ansprache von Bischof Ulrich Neymeyr beim Elisabethempfang am 17. November 2016

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Ramelow,
sehr geehrter Herr Landtagspräsident Carius,
sehr geehrter Herr Verfassungsgerichtspräsident Prof. Aschke,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal der Tag, der als Beginn der Reformation gilt. Die damaligen Ereignisse lösten eine Wirkungsgeschichte aus, die nicht nur die evangelische wie die katholische Kirche bis heute prägt, sondern auch die ganze Gesellschaft verändert hat. In dem Jahr, das dem 31. Oktober 2017 vorangeht, wird an vielen Orten und in vielen Veranstaltungen der Reformation gedacht. An der Deutung des Ereignisses am 31. Oktober 1517 und der Entwicklungen, die ihm folgten, scheiden sich die Geister bis heute. Die einen feiern den Tag als großes Jubiläum, mit dem sie sich freudig der Bedeutung des Evangeliums für den Weg der Kirche vergewissern, das durch die Reformation neu entdeckt worden sei. Den anderen steht in erster Linie die mit der Reformation verbundene Trennung der Christenheit vor Augen, die sie mitsamt ihren Auswirkungen schmerzt. Wieder andere betrachten die Reformation als geschichtlichen Umbruch mit starken politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Wirkungen auf die Neuzeit. Lassen Sie mich bitte als katholischer Bischof von Erfurt dazu einige Bemerkungen machen:

Hier in Erfurt suchte und fand Martin Luther seine Berufung zum Augustinermönch und zum katholischen Priester. Hier studierte er Theologie und lernte die Via Moderna kennen. Der frühere Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, schreibt in einem kleinen Büchlein mit dem Titel "Martin Luther. Eine ökumenische Perspektive", das in diesem Jahr im Patmos Verlag erschien: "Luther entdeckte, dass die Gerechtigkeit Gottes nicht die aktive ausgleichende, strafende, rächende Gerechtigkeit ist, sondern die passive, den Menschen gerecht machende [...] vergebende und tröstende Gerechtigkeit ist, die uns nicht aufgrund unserer menschlichen Werke, sondern allein aus Gottes Gnade und Barmherzigkeit, nicht durch äußerliche Frömmigkeitsformen wie den Ablass, sondern durch den Glauben zuteilwird. Damit setzte er gegen die damalige Veräußerlichung auf Verinnerlichung des Christseins, ein zutiefst mystisches Anliegen. [...] So stand hinter den 95 Ablassthesen von 1517 - gleichgültig ob er sie an der Wittenberger Schlosskirche wirklich angeschlagen oder ob er sie verschickt hat - ein durchaus katholisches Anliegen. Auf jeden Fall waren die Ablassthesen kein revolutionäres Dokument, sondern als Einladung zu einer akademischen Diskussion gedacht, die freilich nie stattfand. [...] Sie sind ein Dokument der Reform, aber nicht der Reformation. Diese Reform galt der Erneuerung der katholischen Kirche, das heißt der ganzen Christenheit; sie hatte keine eigene Reform-Kirche zum Ziel. Zum Ursprung einer reformatorischen Bewegung wurden die Thesen erst durch das Luther selbst zunächst überraschende überwältigende Echo und durch die geschichtliche Dynamik, die sie auslösten und in der Luther dann am Ende immer mehr vom Akteur zum Zuschauer und Getriebenen wurde. [...] Er dachte nicht daran, Gründer einer separaten Reform-Kirche zu werden. Sein Ziel war die Erneuerung der katholischen Kirche, das heißt der gesamten Christenheit, vom Evangelium her. [...] Mit diesem - im ursprünglichen Sinn des Wortes - evangelischen Anliegen stand Luther in der langen Tradition der katholischen Erneuerer vor ihm. Man denkt vor allem an Franz von Assisi, der mit seinen Brüdern einfach das Evangelium leben und es dadurch predigen wollte. Heute würde man von neuer Evangelisierung sprechen. Auf dieses ursprüngliche, evangelische wie katholische Anliegen Luthers müssen wir uns heute ökumenisch gemeinsam besinnen." (Seite 21-25)

Aus diesem Verständnis war es eine große Freude, dass der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, in einem öffentlichen Brief vom 18. Mai 2015 den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx einlud, das Reformationsgedenken als Christusfest gemeinsam zu begehen. In diesem Brief schrieb Bischof Dr. Bedford-Strohm: "Der EKD liegt [...] sehr daran, nach den vielen Erinnerungsfeiern dieses Datums in früheren Jahrhunderten, die der polemischen Abgrenzung von der römisch-katholischen Kirche und der nationalen Aufladung dienten, eine Erinnerungskultur zu entwickeln, die den ökumenischen Errungenschaften zwischen unseren Kirchen ebenso angemessen entspricht wie der Befreiung aus allen nationalen Konnotationen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben die reformatorisch geprägten Kirchen erstmals in der Geschichte ihrer Erinnerungsfeiern dieses Datums die Möglichkeit, den reformatorischen Aufbruch vor 500 Jahren historisch nüchtern wahrzunehmen, befreiende und schuldhafte Entwicklungen aufrichtig zu benennen, aber auch die tiefen geistlichen Einsichten über Gottes Güte, über Christi Gegenwart und über des Menschen Befreiung frei und diskursiv zu entfalten. Dass sich bei dieser Vergewisserung eines reformatorisch geprägten Glaubens heute dankbare Freude und kritische Reflexion verbinden können und müssen, hat nicht zuletzt mit den gewichtigen ökumenischen Erkenntnissen der letzten Jahre und Jahrzehnte zu tun. Nicht allein durch die epochalen Impulse des II. Vaticanums, die die ökumenische Gesprächssituation zwischen unseren Kirchen ganz neu eröffnet haben, sondern auch durch theologisch exakte Verständigungsbemühungen ist ein ökumenisches Vertrauen zwischen unseren Kirchen gewachsen, das Bereiche eines gemeinsamen Gestaltens des Erinnerns erlaubt; dafür ist die EKD sehr dankbar. Bei allen bleibenden Differenzen wird auf diese Weise die zentrale ökumenische  Einsicht deutlich, die in der grundlegenden Schrift "Lehrverurteilungen - kirchentrennend" von 1986 vorbereitet und in der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 ausgeführt wurde: dass nämlich die Verurteilungen und Polemiken des 16. Jahrhunderts nicht mehr die Kirchen und ihre Lehren treffen, die heute miteinander im Gespräch sind. [...] Auf Seiten der evangelischen Kirchen sind es vor allem drei grundlegende Einsichten, die eine gemeinsame ökumenische Gestaltung des festlichen Erinnerns 2017 glaubwürdig gelingen lassen können: Zuerst wird in aller Gestaltung des Festjahres deutlich werden, dass nach evangelischem Verständnis die Reformation das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den altkirchlichen Bekenntnissen ausgelegt wurde, neu ins Zentrum rücken wollte.

Das Reformationsjubiläum 2017 ist im Kern ein Christusfest, das die Botschaft von der freien Gnade Gottes ausrichten will an alles Volk. [...] Sodann wird in aller Gestaltung des Festjahres deutlich werden, dass der 31. Oktober 2017 ein Symboldatum ist, mit dem das Ganze der Reformation anklingt, nicht allein Martin Luthers Theologie einschließlich seiner schwer erträglichen Aussagen gegen den Papst, gegen die Juden und gegen die Türken. [...] Die EKD hält diese Entgrenzung des Erinnerns über den lutherischen Horizont hinaus für eine zukünftige Chance, die Gemeinsamkeiten der reformatorisch geprägten Kirchen und Konfessionen gemäß der Leuenberger Konkordie von 1973 zu befördern. Zuletzt wird in aller Gestaltung des Festjahres deutlich werden, dass der 31. Oktober 2017 kein deutsches Datum und kein nationales Fest ist. Die weitverzweigte Weltkirche des reformatorisch geprägten christlichen Glaubens will sich anlässlich dieses Symboldatums an seine gemeinsamen geistlichen Wurzeln erinnern. [...] Die EKD hält diese Entgrenzung des Erinnerns über den nationalen Horizont hinaus für eine zukünftige Chance, gemeinsam als Kirchen zur Stärkung der Europäischen Idee beizutragen."

In seinem Antwortschreiben vom 1. Juli 2015 hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx gerne die Einladung angenommen, das Reformationsgedenken 2017 als Christusfest gemeinsam zu begehen. Er schreibt: "Die Deutsche Bischofskonferenz sieht in dieser Einladung einen Ausdruck verlässlicher Beziehungen. Sie zeigt, dass die EKD ihr Reformationsjubiläum nicht feiern möchte, ohne ihre ökumenischen Partner mit einzubeziehen. Umgekehrt gilt, dass die Deutsche Bischofskonferenz, der konkret das Einladungsschreiben gilt, von den bevorstehenden Ereignissen nicht nur deshalb berührt ist, weil die Reformation und die nachfolgenden Entwicklungen auch Teil der Geschichte der katholischen Kirche sind, sondern weil uns als eine Frucht der ökumenischen Dialoge der vergangenen Jahrzehnte bewusst geworden ist, dass uns der Glaube an Jesus Christus, das Lesen der Heiligen Schrift und das sakramentale Band der Taufe zutiefst miteinander verbinden. In Deutschland als dem Ursprungsland der Reformation stehen wir in besonderer Weise in der gemeinsamen Verantwortung, dass durch das Reformationsgedenken die Annäherung, die zwischen unseren Kirchen erreicht wurde, nicht gefährdet wird, ja mehr noch, dass wir unsere Einheit im Glauben sichtbar werden lassen und ihr in einer Weise Ausdruck verleihen, die die Christen in ihrem Glauben bestärkt und die die Menschen, die unseren Kirchen fern stehen, uns als Brüder und Schwestern im Glauben erleben lässt. Unser gemeinsames Zeugnis für Jesus Christus ist heute in unserer Gesellschaft und der Suche vieler Zeitgenossen nach Halt und Orientierung von besonderer Dringlichkeit."
Aus dem Blickwinkel der gemeinsamen Christusverbundenheit wird auch deutlich, was beide Kirchen durch ihre Verschiedenheit voneinander gelernt haben: So hat die römisch-katholische Kirche viele Anliegen der reformatorischen Theologie in ihrer Lehrtradition und bei der Gestaltung ihres Glaubenslebens aufgenommen. Hier ist zunächst daran zu denken, dass die Texte des Zweites Vatikanischen Konzils das Bewusstsein stärkten, dass im Sinn der biblischen Überlieferung alle Getauften am gemeinsamen Priestertum Anteil haben. Dies hatte Konsequenzen für die Erneuerung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Die Liturgie soll allen Gläubigen eine tätige Teilnahme ermöglichen. Getaufte und Gefirmte übernehmen liturgische Dienste, Wortgottesdienste werden als selbstständige liturgische Feiern gesehen, die auch von Laien geleitet werden können. In den Diasporagebieten der ehemaligen DDR wurde den sogenannten Diakonatshelfern die Erlaubnis erteilt, in diesen Wortgottesdiensten auch die Heilige Kommunion auszuteilen. Die Bedeutung des Wortes Gottes, also der Bibel, wurde in der Liturgiereform nicht nur dadurch unterstrichen, dass es eigenständige Wortgottesdienste ohne eucharistischen Teil, also ohne Feier des Abendmahles gibt. Vielmehr wurde auch in der Feier der Heiligen Messe der Wortgottesdienst hervorgehoben. In der Sonntagsmesse wurden drei biblische Lesungen eingeführt und der Teil der biblischen Verkündigung einschließlich der Predigt ist nicht mehr "Vor-Messe", sondern "Wortgottesdienst". Neben dem Tisch des Brotes, der Feier des Abendmahles, wurde so der Tisch des Wortes reichlicher gedeckt.
Auch die evangelischen Kirchen haben in den vergangenen Jahrzehnten in vielfacher Hinsicht von den Erfahrungen der katholischen Tradition gelernt und ihre Lehre und Praxis entsprechend weiterentwickelt. Dies gilt zum Beispiel für die Thematik der weltkirchlichen Bezüge bei jedem kirchlichen Handeln. Durch die ökumenische Bewegung und durch die Dialoge mit der römisch-katholischen Kirche ist die weltkirchliche Dimension jeglichen kirchlichen Handelns heute stärker als früher in den evangelischen Kirchen relevant. Darüber hinaus haben die evangelischen Kirchen in der Liturgie und Spiritualität vielfältige Anregungen von anderen Kirchen aufgenommen, zum Beispiel Segnungsfeiern, liturgische Gewänder, Oster- und Taufkerzen. So führte die Verschiedenheit der Kirchen auch zu einer gegenseitigen Bereicherung.

In diesem Geist der Betonung des Gemeinsamen und Verbindenden ist kürzlich ein gemeinsamer Text der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz erschienen unter dem Titel "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen". Er nimmt auch die schwierigen Folgen der Reformation gemeinsam in den Blick. Darin heißt es: "Konfliktgeschichten, wie sie durch die Reformation aufgedeckt und ausgelöst wurden, sind in der Regel nicht nur mit Aufbruch und Erneuerung, sondern auch mit Schuld und Leid verbunden. Infolge der Kirchenspaltung sind Menschen wegen ihres abweichenden Bekenntnisses unterdrückt, verfolgt, vertrieben und sogar getötet worden. Es sind Kriege ausgebrochen, die sich wegen ihrer Grausamkeit und Dauer unauslöschlich ins Menschheitsgedächtnis eingebrannt haben. Diese Situation hat sich zwar seit dem Westfälischen Frieden (1648) in Deutschland weithin gewandelt. Aber bis zum respektvollen Miteinander der Konfessionen, das im Zeitalter der Ökumene selbstverständlich sein sollte, musste ein weiter Weg zurückgelegt werden, der noch längst nicht überall ans Ziel geführt hat. Neben hoffnungsvollen Annäherungen gibt es nach wie vor erhebliches Misstrauen und wenig Verständnis, in einzelnen Regionen der Welt sogar offene Feindschaft zwischen Katholiken und Protestanten. So ist es verständlich, dass gegenseitige Verletzungen, die im Verlauf der älteren und jüngeren Geschichte entstanden sind, immer noch im Gedächtnis haften und noch längst nicht überall verwunden sind. Geschwisterliche Worte der Trauer über das in der Vergangenheit einander zugefügte Leid sind nach wie vor angebracht." (S. 10/11) "Healing of Memories ist nicht der Versuch, die Geschichte umzuschreiben, aber die erklärte Absicht, die Erinnerung von einem Mittel der Abgrenzung zu einem Mittel der Versöhnung werden zu lassen. Wir beten um Einheit, wissen aber, was uns bei allen Gemeinsamkeiten unterscheidet. Diese Unterschiede sollen uns nicht daran hindern, vertrauensvoll zusammenzuarbeiten und hoffnungsvoll gemeinsame Gottesdienste zu feiern. Dann können die Verletzungen aus der Geschichte vernarben. Eine Wunde ist geheilt, wenn sie nicht mehr verbunden werden muss und nicht mehr schmerzt - und man die Narben, die sie womöglich hinterlassen hat, berühren kann, ohne dass es weh tut. In diesem Sinne setzen wir auf eine Heilung der Erinnerungen." (S. 15) "Am Vorabend des 2. Sonntags der Passions- und Fastenzeit, werden der Rat der Evangelischen Kirche Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz zu einem ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst nach Hildesheim einladen. Sie ermutigen dazu, dass anschließend auch auf regionaler und lokaler Ebene ähnliche Gottesdienste gefeiert werden. In diesen liturgischen Feiern sprechen wir unsere Schuld vor Gott aus und bitten ihn um Vergebung, um frei zu werden für die Vergebung untereinander. So geben wir Zeugnis von Jesus Christus, der uns zur Umkehr ruft und uns Vergebung schenkt. Versöhnt mit ihm und versöhnt untereinander, wissen wir uns gesandt, in der Welt Zeugnis von Gottes Liebe abzulegen. Wir bringen zum Ausdruck, dass die christlichen Kirchen nicht gegeneinander, sondern füreinander da sind." (S. 62) In Thüringen laden Bischöfin Junkermann und ich zu einem solchen Gottesdienst ein am Sonntag, den 26. März 2017 nachmittags im Kloster Volkenroda. Volkenroda erinnert an die große kulturbildende Tradition der Klöster in unserem Land, die in den Wirren des 16. Jahrhunderts untergingen. Auch in Volkenroda steht die Ruine einer Klosterkirche. Aber dort ist wieder christliches Leben entstanden. Die Ruine der alten Klosterkirche wurde so wiederhergestellt, dass darin Gottesdienst gefeiert werden kann. Der Christuspavillon der Weltausstellung in Hannover hat in Volkenroda einen festen Platz gefunden als Zeuge der Präsenz des Christlichen in der modernen Gesellschaft. Vor allem aber ist es die Jesusbruderschaft, die an alter Stätte wieder christliches Leben pflegt und der ein Vers aus dem Johannesevangelium ein zentrales Anliege ist: "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast." (Johannes 17,21)

Sehr geehrte Damen und Herren,
erlauben Sie mir, am Ende meiner Ansprache einen kurzen Blick auf aktuelle Herausforderungen Ihres Dienstes in gesellschaftlicher und politischer Verantwortung.
Im Gottesdienst vor unserem Empfang haben wir für alle gebetet, die in unserer Gesellschaft für Andere Verantwortung tragen: "Gib Ihnen ein Gespür für die Sorgen und Nöte der Menschen und lass sie zum Wohle der Gemeinschaft entscheiden." Das ist in einer erregten Gesellschaft, in der wir uns zunehmend befinden, nicht einfach. Nicht ohne Grund ist der Thüringen-Monitor 2016 überschrieben mit den Worten: "Gemischte Gefühle".
Die Menschen in den Kommunen, in unserem Land, in Europa, ja weltweit, bewegen neue Leidenschaften, Ungleichheiten, Ängste und Aggressionen. Ich stelle mir immer wieder die Frage: Gehen wir mit den Sorgen und Ängsten der Menschen verantwortlich um? Es beunruhigt mich, dass nicht Respekt vor dem Anderen, Freiheit und Menschenwürde sondern Abwertung des Anderen, Abgrenzung und Spiel mit der Angst in den Vordergrund geschoben werden. Es ist die Stunde der Populisten, wenn Veränderungsprozesse in der Gesellschaft nicht mehr ausreichend als selbsterklärend erfahrbar sind.
Umso mehr haben wir in je eigener Verantwortung eine gemeinsame Aufgabe, nämlich dem Verlust von Gewissheiten nachzugehen. Wir brauchen Räume des Dialogs und des streitbaren Diskurses. Dazu soll auch unsere heutige Begegnung beitragen, die sich aber auch als ein Zeichen meines Dankes und meiner Anerkennung für Ihren Dienst in politischer und öffentlicher Verantwortung versteht.
So wünsche ich uns einen anregenden Abend mit guten Gesprächen.