Herausforderung und Chance

Statement von Bischof Ulrich Neymeyr bei der Bündniskundgebung "Mitmenschlich in Thüringen" am Montag, 9. November 2015,  auf dem Erfurter Domplatz

Liebe Thüringerinnen und Thüringer,
liebe Erfurterinnen und Erfurter,
liebe Flüchtlinge in unserer Stadt,
liebe Gäste aus nah und fern,

Papst Franziskus schreibt in seiner Botschaft zum Welttag des Migranten und Flüchtlings vom 12. September 2015:

"Die Anwesenheit der Migranten und der Flüchtlinge wird in der Tat zur ernsthaften Herausforderung für die verschiedenen Aufnahmegesellschaften. Diese müssen sich neuen Tatsachen stellen, die sich als unberechenbar erweisen können, wenn man sie nicht entsprechend vermittelt, handhabt und steuert. Wie kann erreicht werden, dass die Integration zur gegenseitigen Bereicherung wird, den Gemeinschaften positive Wege eröffnet und der Gefahr der Diskriminierung, des Rassismus, des extremen Nationalismus und der Fremdenfeindlichkeit vorbeugt?
Die biblische Offenbarung ermutigt zur Aufnahme des Fremden und begründet dies mit der Gewissheit, dass sich auf diese Weise die Türen zu Gott öffnen und auf dem Antlitz des anderen die Züge Jesu Christi erkennbar werden. Zahlreiche Institutionen, Vereine, Bewegungen, engagierte Gruppen, diözesane, nationale und internationale Einrichtungen erfahren das Staunen und die Freude des Festes der Begegnung, des Austausches und der Solidarität. Sie haben die Stimme Jesu Christi erkannt: "Ich stehe vor der Tür und klopfe an" (Offb 3,20).
In dieser (nichtreligiösen) Perspektive ist es wichtig, die Migranten nicht nur von ihrem legalen oder illegalen Status her zu betrachten, sondern vor allem als Personen, die, wenn sie in ihrer Würde geschützt werden, zum Wohlstand und zum Fortschritt aller beitragen können, besonders wenn sie auf verantwortliche Weise Pflichten übernehmen gegenüber jenen, die sie aufnehmen, und das materielle und geistige Erbe des Aufnahmelandes anerkennend respektieren, indem sie seine Gesetze befolgen und seine Lasten mittragen helfen."

MDR-Beitrag zur Grosskundgebung

10.11.2015