Bischof Neymeyr: "Wir achten darauf, keinen übertriebenen Aufwand zu betreiben"

Interview mit dem Erfurter Bischof über das Geld und seine Verwendung im Bistum

Herr Bischof - ohne Moos nix los. Gilt das auch im Bistum Erfurt?

Kirchliches Handeln kostet Geld, auch im Bistum Erfurt. Die Männer und Frauen, die für die Kirche und bei der Caritas arbeiten, beziehen ein Gehalt. Es fallen Sachkosten an, und Räumlichkeiten, in denen Kirche und Caritas wirken können, müssen entweder gemietet, gebaut oder gekauft werden. Schon allein deshalb ist das Bistum Erfurt darauf angewiesen, dass es Geld hat.

Wie kommt das Bistum überhaupt an das Geld, das es ausgibt? Und gibt es alles aus, oder häuft es Reichtümer an?

Das Bistum Erfurt verfügt über drei Einnahmequellen. Dazu zählt einmal die Kirchensteuer, also die Mitgliedsbeiträge der Thüringer Katholiken. Dann die solidarische Unterstützung, die die vermögenderen Bistümer für die ärmeren Diözesen leisten. Das funktioniert so ähnlich wie der Finanzausgleich zwischen den Bundesländern. Das Bistum Erfurt gehört wie alle Diözesen in Ostdeutschland zu den Empfängerbistümern. Der sogenannte Strukturbeitrag und die Kirchensteuern machen knapp zwei Drittel unserer Einnahmen aus. Das letzte Drittel setzt sich aus Zinsen, Spenden, Kollekten, Staatsleistungen und staatlichen Förderungen, beispielsweise für Schulen in kirchlicher Trägerschaft, zusammen.

Wenn Zinsen anfallen, muss es auch Rücklagen geben.

Natürlich. Das Bistum muss Geld zurück- und anlegen, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können und für die Zukunft gerüstet zu sein. So wird ein Teil der Rücklagen benötigt, um Priestern im Ruhestand eine Pension zahlen zu können. Und weil der Zahn der Zeit auch  an kirchlichen Gebäuden nagt, müssen wir heute schon Geld sparen, damit später Gebäude wie Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäuser instandgehalten werden. So etwas lässt sich ja nicht aus der Portokasse bezahlen, wie jeder weiß, der schon einmal ein Haus gebaut oder saniert hat. Tendenziell rechnen wir für die Zukunft mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen. Deshalb sorgen wir heute schon vor, um finanziell in Seelsorge und Caritas handlungsfähig zu bleiben. Das verhindert auch, dass wir irgendwann einmal Mitarbeiter entlassen müssen, auf deren Arbeit wir angewiesen sind. Bei diesen "angehäuften" Geldern handelt es sich also nicht um Reichtümer, sondern um Vermögen: Damit wir auch später unseren Aufgaben nachzukommen vermögen.

Der Kirche wird gelegentlich der Hang zu Protz und Prunk vorgeworfen. Wie geht man im Bistum Erfurt mit dem Geld um? Und gibt es da eigentlich Kontrollen?

Protz und Prunk wird man dem Bistum Erfurt gewiss nicht vorwerfen können. Und ja, Kontrollen gibt es. Für jedes kirchliche Vermögen muss es einen Verwaltungsrat geben, der aus mindestens drei Personen besteht. Für das Vermögen des Bistums Erfurt und des Bischöflichen Stuhls ist das der Diözesanvermögensverwaltungsrat, ein Gremium, das sich aus berufenen und gewählten Fachleuten zusammensetzt.

Eine andere Instanz, der Kirchensteuerrat, überwacht die Einnahme und Ausgabe von Kirchensteuern, sprich: den Haushalt, und empfiehlt dem Bischof, den in der Bistumsverwaltung aufgestellten Haushaltsplan in Kraft zu setzen. Ohne diese Empfehlung des Kirchensteuerrates ist das dem Bischof nicht möglich. Das Vermögen des Domkapitels wird von allen Domkapitularen gemeinsam verwaltet. Einsame Entscheidungen einzelner Domherren können so nicht vorkommen.

Aber Vermögenskontrolle ist das eine. Nicht weniger wichtig ist, wie sich unsere Kirche in der Öffentlichkeit präsentiert. Das ist mehr als eine Stilfrage, wie Papst Franziskus immer wieder betont. Dabei geht es um ein glaubhaftes und überzeugendes Eintreten für das Evangelium. Im Bistum Erfurt, das habe ich sehr schnell nach meinem Amtsantritt bemerkt, leben die Priester, auch die in der Bistumsleitung, sehr bescheiden. Überhaupt wird in der Diözese darauf geachtet, keinen übertriebenen Aufwand zu treiben. So gibt es hier selbst für den Bischof keinen luxuriösen Dienstwagen, sondern nur einen VW-Passat.

Ihr Bistum legt zum ersten Mal einen Finanzbericht vor. Das ist aufwendig und kostet sogar Geld. Warum tun Sie das?

Weil viele Menschen, innerhalb und außerhalb der Kirche, danach fragen, wie wir mit dem Geld umgehen. Der Finanzbericht soll darauf eine Antwort geben. Wir haben nichts zu verheimlichen.

Zuletzt gefragt: Was macht Ihr Bistum arm oder reich?

Die Menschen, die hier Kirche leben, machen das Bistum reich, vor allem diejenigen, die helfen, Kirche zu "bauen", seien sie nun haupt- oder ehrenamtlich tätig. Ohne sie wäre "nix los", wäre das Bistum arm.

Fragen: Peter Weidemann

Finanzen im Bistum Erfurt


9.12.2015