Weltflucht ist nicht ihre Sache

Die Erfurterin Josefa Kendzia wird am Tag des Ehrenamtes mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt


Josefa Kendzia erhält das Bundesverdienstkreuz
Josefa Kendzia wird am Tag des Ehrenamtes mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt

Erfurt/Berlin (BiP). Bundespräsident Horst Köhler verleiht Josefa Kendzia am Tag des Ehrenamtes, 7. Dezember das Bundesverdienstkreuz in Berlin.


In Fall der 69jährigen Erfurterin müsste der Begriff "ehrenamtliches Engagement" eigentlich ein Pluralwort sein. Josefa Kendzia engagierte und engagiert sich im politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Bereich, und das jeweils in verschiedenen Aufgabenfeldern. Doch trotz der Vielfalt ihres Engagements gibt es vor allem eine Wurzel, aus der das alles erwachsen ist: ihr christlicher Glaube.


Geboren wurde sie 1938 in Reichenbach im Vogtland und wuchs in einer katholischen Familie auf. Ihre Persönlichkeit prägten ebenso die Gottesdienste und das Leben in der Pfarrei wie die Wochenenden in den katholischen Jugendbildungshäusern. Die Bedeutung dieser Häuser könne kaum unterschätzt werden, sagt Josefa Kendzia.


"Wir kamen dort zusammen, um uns auf christliche Feste wie Ostern vorzubereiten oder Fragen zu diskutieren, die Jugendliche und junge Christen beschäftigten", erzählt sie. Die jungen Menschen hätten so ein christliches Selbstbewusstsein entwickeln und lebenstüchtiger werden können. "Außerdem erlebten wir, dass wir als Christen nicht allein waren in einem Staat, der sich als atheistisch definierte."


Weil Josefa Kendzia kein Arbeiter-und-Bauern-Kind war, waren ihr alle Wege zu einer höheren Bildung verschlossen. Nach acht Schuljahren absolvierte sie eine Ausbildung zur Blumenbinderin. An sich machte ihr der Beruf Spaß, aber er füllte sie nicht ganz aus. "Ich hätte so gerne mit Kindern gearbeitet", erinnert sie sich.


Als sich ihr die Möglichkeit bot, Hilfskraft in einem Hort zu werden, griff sie zu und konnte schließlich sogar ein Fernstudium für Hort- und Heimerziehung beginnen. Fortan arbeitete sie mit Kindern und Jugendlichen und war glücklich.


Daneben engagierte sie sich immer noch in der Kirche - "das war fast schon eine Selbstverständlichkeit" - und später, nach ihrer Heirat 1970 und der Geburt zweier Söhne, auch im Elternaktiv der Schule.


1961 fragte das damalige Bistum Meißen an, ob sich Josefa Kendzia vorstellen könne, die Kinderseelsorge als eigenständiges Referat im Seelsorgeamt aufzubauen. Bis dahin waren Kinder von den Jugendseelsorgern mit betreut worden.


Die junge Frau sagte Ja, ohne zu ahnen, dass dieses Ja zu einem zweiten führen würde, nämlich bei der Hochzeit mit ihrem Mann Christoph, den sie als Jugendseelsorger auf gemeinsamen Konferenzen kennen gelernt hatte. Ihm folgte sie 1970 nach Heiligenstadt im thüringischen Eichsfeld, wo sie weiterhin als Kinderseelsorgerin arbeitete. Zehn Jahre später übernahm sie in Erfurt die Leitung der katholischen Ehevermittlung, eine Aufgabe, der sie heute noch ehrenamtlich nachgeht.


1989 dann die Wende und ein Jahr später die Deutsche Einheit. "Darauf habe ich immer gehofft, aber doch nicht damit gerechnet", gesteht sie freimütig ein. Damals war ihr eines wichtig: die ungewohnte politische Freiheit zu nutzen und das Gemeinwesen mitzugestalten.


"Mein Glaube war mir immer Ansporn, mich einzubringen und einzusetzen. Erst recht, als die Weichen für die Zukunft neu gestellt wurden. Als Christen mussten wir da einfach mitmachen und Verantwortung übernehmen", betont sie.


Und Josefa Kendzia übernahm Verantwortung: Sie arbeitete im Kinder- und Jugendhilfeausschuss mit, trat in die CDU ein und wurde für fünf Jahre in den Stadtrat gewählt. "Ich ahnte gar nicht, worauf ich mich eingelassen hatte, aber ich bin dabei geblieben", verhehlt sie nicht die Schwierigkeiten des Anfangs.


Mit dem Ruhestand 2001 wurde das Leben nicht unbedingt ruhiger. Einige Jahre war sie noch als Schöffin aktiv, und im Pfarrgemeinderat ist sie es nach wie vor. Dem Vorstand des Caritasverbandes gehörte sie seit seiner Gründung in der Wendezeit bis zum Jahr 2006 an.


Ihre Berufserfahrungen als Blumenbinderin kommen ihr bei der Pflege der Bischofsgräber und des Kräutergartens des Erfurter Domes gelegen. Und gemeinsam mit Ehemann Christoph verrichtet sie seit der Eröffnung des Kolumbariums in der Allerheiligenkirche Schließ- und Besucherdienste.


Lust am Schaffen und Gestalten zieht sich bei Josefa Kendzia wie ein roter Faden durchs Leben. Weltflucht ist ihre Sache nicht. Dafür wird sie am Freitag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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