Ökumenischer Gottesdienst am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Tag/Uhrzeit: Donnerstag, 27. Januar 2000, 19:30 Uhr

Ort: Ägidienkirche (Krämerbrücke), Erfurt

Anlass: Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Erfurt (BiP). Zu einem ökumenischen Gottesdienst am Donnerstag, 27.1., um 19:30 Uhr in der Ägidienkirche auf der Krämerbrücke, lädt der Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) der Stadt Erfurt. Der 27. Januar ist seit 1996 der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 hatten russische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz befreit.

In diesem Jahr wird im Gottesdienst in Erfurt besonders der Pfarrer Paul Schneider und Otto Neururer gedacht. Beide lehnten den Nationalsozialismus ab und wurden deshalb im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Der evangelische Pfarrer Paul Schneider ist als "Prediger von Buchenwald" bekannt geworden. Der katholische Pfarrer Otto Neururer wurde als Märtyrer und Vorbild christlichen Lebens durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Die beiden Pfarrer stehen für die Christinnen und Christen, die im KZ Buchenwald und in anderen Konzentrationslagern wegen ihres Glaubens umgebracht worden sind.

Kurzbiographien von Paul Schneider und Otto Neururer:

Paul Schneider wurde am 29. August 1897 in Pferdsfeld (Hunsrück) geboren. Von 1919 bis 1922 studierte er evangelische Theologie an den Universitäten Gießen, Marburg und Tübingen. 1925 wurde er Hilfspfarrer in Essen. Von 1926 bis 1934 leitete er als Nachfolger seines Vaters die Pfarrei Hochelheim im Kreis Wetzlar. 1926 heiratete er die Pfarrerstochter Margarete Dietrich. Sechs Kinder wurden dem Ehepaar Schneider geboren. Seit 1933 übte Pfarrer Schneider öffentlich Kritik an der Politik des Nationalssozialismus. Im Februar 1934 wurde er in die abgelegenen Gemeinden des Hunsrück Dickenschied und Womrath versetzt. Im Juni 1934 erfolgte seine erste Verhaftung. Im März 1935 wurde er zum zweitenmal verhaftet, weil er eine Denkschrift der Bekennenden Kirche verlesen hatte. Die Bekennende Kirche stand in Opposition zu den nationalsozialistisch geprägten Deutschen Christen und kämpfte gegen die Unterdrückung der Kirche durch den NS-Staat. Nach der dritten Verhaftung 1937 wurde Paul Schneider aus der Rheinprovinz ausgewiesen. Am 27. November 1937 verhaftete man ihn wegen weiterer seelsorglicher Tätigkeit in seinen Gemeinden und brachte ihn in das KZ Buchenwald. Dort wurde er zum "Prediger von Buchenwald", da er aus seiner Zelle auf den Appellplatz Gebete und ermutigende Glaubensbekenntnisse rief. Am 18. Juli 1939 wurde er im KZ ermordet und am 21. Juli 1939 in seiner Heimatgemeinde Dickenschied beigesetzt.

Otto Neururer wurde am 25. März 1882 als 12. Kind einer einfachen Müllers- und Bauernfamilie in Piller/Pfarre Fließ in Tirol geboren. Am 29. Juni 1907 empfing er die Priesterweihe im Dom zu Brixen. 1932 wurde er Pfarrer in Götzens. Die nationalsozialistische Herrschaft in Österreich, die im März 1938 begann, erkannte er als Gefahr für den Glauben. Am 15. Dezember 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet, da er einer jungen Frau aus seiner Gemeinde von einer Eheschließung mit einem geschiedenen und aus der Kirche ausgetretenen Nationalsozialisten abriet. Vom Gestapogefängnis in Innsbruck wurde er am 3. März 1939 in das KZ Dachau gebracht. Am 26. September 1939 erfolgte eine Verlegung in das KZ Buchenwald bei Weimar. Auch hier wirkte er als Seelsorger und stärkte durch seinen Glauben die Mitgefangenen. Einer von ihnen bat Pfarrer Neururer um die Spendung der Taufe. Als die Taufvorbereitung und —spendung bekannt wurde, kam Otto Neururer in Einzelhaft und wurde gefoltert. Er starb am 30. Mai 1940. Seine Urne wurde am 30. Juni 1940 in seiner Pfarrei Götzens beigesetzt.



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