"Haben Sie was dagegen, wenn ich Sie in die Ostzone versetze?"

Früherer Bischofsvikar von Meiningen, Prälat Dieter Hömer, wird 75 Jahre alt

Würzburg/Erfurt/Meiningen (POW/BiP). Der Schwerpunkt seines über 50-jährigen priesterlichen Wirkens liegt in der ehemaligen DDR: 34 Jahre war er vor der Wende Seelsorger in der südthüringischen Diaspora und in Erfurt. Wohl kein anderer verkörpert die Zeit des Bischöflichen Vikariats Meiningen so wie er: Ehrendomherr Prälat Dieter Hömer. Am Sonntag, 23. Januar, wird der gebürtige Würzburger 75 Jahre alt. Von 1956 bis 1990 war er Kaplan, Kuratus, Pfarrer, Subregens, Regens und Bischofsvikar in Meiningen und Erfurt.


Für Prälat Hömer beginnt mit dem 75. Geburtstag "die zweite Halbzeit der 70er Jahre". Mit Nachbarn und Freunden will er den Tag im kleinen Kreis feiern. "Zwischen 70 und 80 bekommt das Leben einen Horizont, die Lebenszeit wird überschaubar. Alles rückt etwas zusammen", erzählt er. Seit 1990 wohnt er wieder in seiner Heimatstadt Würzburg und hilft in der Dompfarrei dort mit, wo er gebraucht wird. "Ich bin noch aktiv und beweglich, ich weiß aber auch, wo meine Grenzen sind."


Hömer stammt aus der Würzburger Pfarrei Stift Haug. Seine Kinderjahre erlebt er nach eigenen Angaben als unbeschwert. In der NS-Zeit kann er ohne falsche Ideale aufwachsen. Eltern, Freunde und Lehrer helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Das Entscheidende für Hömer: ein widerstandsfähiges Urvertrauen. Nach dem Abitur 1949 tritt er ins Priesterseminar Würzburg ein. Bischof Julius Döpfner, der auf Hömer in der Ausbildungszeit den größten Eindruck macht, weiht ihn 1954 zum Priester. Bischofsheim/Rhön und Aschaffenburg-Herz Jesu sind die ersten Stationen des jungen Seelsorgers.


Am Pfingstdienstag 1956 erreicht Hömer dann ein folgenreicher Anruf des Bischofs: Döpfner fragt ohne Umschweife, ob Hömer etwas dagegen habe, wenn er ihn in die Ostzone versetze. Wenige Monate später, am 9. November 1956, ist Hömer DDR-Bürger und Kaplan in Meiningen, "in einem völlig fremden Land unter lauter fremden Menschen". 1963 wird er Kuratus für Meiningen-Land, ein Jahr später Pfarrer. 1965 beruft ihn die Berliner Ordinarienkonferenz überraschend als Subregens an das Regionalpriesterseminar in Erfurt. Fünf Jahre später leitet Hömer als Regens die Ausbildungsstätte für Priester in der DDR.


Für Hömer ist die Zeit zwischen 1965 und 1975 eine große Aufbruchszeit in der Kirche. "Diese Zeit gehört zu den erfreulichsten meiner Priesterjahre. Erfurt ist mir damals sehr vertraut geworden", sagt er. Als im November 1974 der Erfurter Weihbischof Karl Ebert stirbt, wird Hömer am 1. Januar 1975 zum Bischofsvikar für das Vikariat Meiningen und zum Ordinariatsrat berufen. Er ist verantwortlich für Seelsorge, Caritas und Finanzen in der selbstständig arbeitenden Südthüringer Vertretung des Bischofs. Hömer soll die Gebiete Südthüringens, die damals kirchenrechtlich zur Diözese Würzburg gehörten, an das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zu einer pastoralen Einheit heranführen.


Geistliche Höhepunkte sind für den Bischofsvikar die zahlreichen Firmungen in den südthüringischen Gemeinden und ab 1980 auch im Eichsfeld. Bis zur Wende 1990 erlebt er mit Freude, wie in der Region durch die vielen entwurzelten Heimatvertriebenen Kirche wächst. "So konnte eine dauerhafte kirchliche Ordnung in den neuen Bundesländern entstehen." 1990 geht Hömer wieder zurück nach Würzburg. 34 Jahre Seelsorge in der DDR und in der Diaspora liegen hinter ihm. Der Papst würdigt den Einsatz des Würzburger Priesters bereits 1975 mit der Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Bischof Dr. Paul-Werner Scheele ernennt Hömer 1990 auf Bitten des Domkapitels von Würzburg zum Ehrendomherrn.


Voller Freude blickt Hömer heute auf die Errichtung des Bistums Erfurt 1994 zurück, zu dem die früheren Würzburger Dekanate Saalfeld und Meiningen gehören. "Die Errichtung des neuen Bistums ist die Frucht einer treuen Seelsorgearbeit in der Diaspora. Es hat sich gelohnt, dabei gewesen zu sein." Erfurt sieht er bis heute als seine zweite Heimat. Hömer fährt regelmäßig in die thüringische Bischofsstadt, besucht Freunde und Kollegen und feiert dort auch Jahr für Jahr das Weihnachtsfest. "Die Verbindung nach Erfurt ist für mich ganz selbstverständlich", sagt er. Das mag nicht verwundern: Schließlich war das gesamte Domkapitel von Erfurt beim damaligen Regens Hömer im Priesterseminar.


bs (POW)



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