Festakt der Universität Erfurt anlässlich der Eingliederung der Katholisch-Theologischen Fakultät

Grußwort von Bischof Dr. Joachim Wanke

Es mag in diese Stunde passen, noch einmal daran zu erinnern, dass der Berliner Bischof Wilhelm Weskamm Anfang der fünfziger Jahre zumindest noch prüfen ließ, ob sich eine katholisch-theologische Fakultät an der Berliner Humboldt-Universität einrichten ließe - so selbstverständlich war der Gedanke, dass die Theologie und die Ausbildung des künftigen Klerus an eine Universität gehören. Aus bekannten Gründen war freilich an eine katholisch-theologische Fakultät im damaligen Ostberlin nicht zu denken. Noch nicht einmal ein Priesterseminar wollten die kommunistischen Machthaber im Ostteil Berlins dulden. So begann die Geschichte des Philosophisch-Theologischen Studiums und des Priesterseminars im thüringischen Erfurt, eine Geschichte, die nun über fünfzig Jahre währt.


Immer wieder sind und waren es Entscheidungen von Menschen, die den Gang der Geschichte beeinflussen. Ich nenne mit besonderer Hochachtung in dieser Stunde den Namen von Weihbischof Dr. Josef Freusberg. Er hatte damals trotz großer Schwierigkeiten den Neubeginn des Seminars mit seiner Theologischen Hochschule in Erfurt ermöglicht. Er wurde dabei von den damaligen Bischöfen in der DDR unterstützt. Keiner wusste, ob dieses Wagnis gut ausgehen würde. Aber aus dem damals mühseligen Anfang wurde eine Erfolgsgeschichte.


Heute ist die Katholisch-Theologische Fakultät - nach einem langen kirchlichen und staatlichen Hürdenlauf - Teil der wiederbegründeten Erfurter Universität. Ich bin froh, in der Entscheidung für diese Integration von Seiten der Deutschen Bischofskonferenz, insbesondere von derem Vorsitzenden Kardinal Karl Lehmann Unterstützung gefunden zu haben. Auch meine ostdeutschen Bischofskollegen in Berlin, Magdeburg, Dresden-Meißen und Görlitz haben dies einmütig als gemeinsame Entscheidung mitgetragen. Von ihnen allen darf ich dem Auditorium herzliche Grüße übermitteln.


Ich möchte allen danken, ohne deren persönlichen Einsatz diese Integration nicht möglich gewesen wäre - angefangen von Herrn Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel, Frau Ministerin Professor Dr. Dagmar Schipanski, Herrn Staatssekretär Dr. Jürgen Aretz, Herrn Universitätspräsidenten Dr. Wolfgang Bergsdorf und vielen Damen und Herren auf staatlicher und universitärer Seite. Auf kirchlicher Seite gilt mein aufrichtiger Dank Kardinal Karl Lehmann und vielen anderen, die geholfen haben, die Wege zu ebnen und nacheinander alle Hürden zu nehmen.


Mein Dank gilt besonders noch einmal dem Leiter des Katholischen Büros in Thüringen, Herrn Ordinariatsrat Winfried Weinrich und Herrn Dr. Rainer Ilgner vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, die beide - je auf ihre Weise - das Vorhaben Integration gut zum Abschluss gebracht haben.


Nun hat sich für die katholische Theologie in Erfurt und darüber hinaus im Kontext der jungen Bundesländer ein neues Tor aufgetan. Die Schwierigkeiten für den weiteren Wegabschnitt werden nicht ausbleiben. Die Finanzknappheit des Freistaates Thüringen ist eine Sorge, die schon jetzt die Universität beunruhigt. Mögen aus mangelnden Quantitäten nicht mangelnde Qualitäten werden! Die Sorge um den gesunkenen geistlich-religiösen Grundwasserspiegel in unserer Gesellschaft ist eine andere Herausforderung. Keiner vermag die Zukunft völlig zu erhellen. Es bleibt bei allem Abwägen und Bedenken genug an Dunkel, um jede Entscheidung, die heute zu fällen ist, zu einem Wagnis zu machen. Aber besteht darin nicht auch der Reiz des Lebens? Wer nichts entscheidet, macht keine Fehler - aber er bewegt auch nichts.


Bei der Gründung der Kirche hatten die Apostel - es waren übrigens auch zwölf wie unsere Lehrstuhl-Inhaber an der Theologischen Fakultät - keinen staatlich abgesicherten Finanzrahmen und keinen Personalschlüssel für Mittelbaustellen. Und doch haben sie ein Werk in Gang gesetzt, das Zukunft hatte. Sie hatten natürlich den Segen von oben - aber haben wir den nicht auch? Und sie hatten eine kräftige Begeisterung, die offensichtlich ansteckend wirkte - und das war wohl ebenso wichtig wie der Segen vom Himmel. Diese Begeisterung für die Sache wünsche ich allen, die sich hier an der Universität Erfurt um die Theologie bemühen - auf dem Katheder und vor dem Katheder!


Die Weichen sind gestellt - möge der Zug der Theologie auf dem neuen Streckenabschnitt gut Fahrt aufnehmen!


21.5.2003




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