"Erfurter Appell"

Arbeitskreis Thüringer Familienorganisationen fordert, Gewaltexzesse in den Medien zu stoppen

Im Folgenden dokumentieren wir den "Erfurter Appell" des Arbeitskreises Thüringer Familienorganisationen (AKF). Der Familienbund der Deutschen Katholiken im Bistum Erfurt ist MItglied des AKF.


Textdokumentation:


"Erfurter Appell"

Schluss mit der seelischen Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen:

Gewaltexzesse in den Medien stoppen!




Die furchtbare Bluttat von Erfurt mit der bislang höchsten Zahl an Opfern an einer Schule in Deutschland hat es unübersehbar gemacht:



  • Gewaltvideos und Gewaltcomputerspiele bedrohen die seelische Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen, missbrauchen und pervertieren die grundgesetzlich geschützte künstlerische Freiheit und die Freiheit der Meinungsäußerung und sind am Zustandekommen unvorstellbarer Katastrophen beteiligt.

  • Wir wissen, dass sich die Ursachen für diese Tat nicht auf die Frage der Gewaltdarstellungen reduzieren lassen. Dennoch ist es höchste Zeit, mediale Gewalt als Mitauslöser für falsche und zerstörerische Entwicklungen in unserer Gesellschaft wahrzunehmen und sich gegen die schlimmsten Exzesse zu wehren.

  • Eltern sind in ihrer Erziehung oft hilflos gegenüber der Flut von menschenunwürdigen Medieninhalten, denen ihre Kinder ausgesetzt sind. Dies muss sich ändern.

  • Das Waffenrecht in Deutschland muss weiter verschärft werden.

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Deshalb fordern wir:


  • Gesetzliche und verschärfte exekutive Maßnahmen zum Stop des ungehinderten Verkaufs von gewaltverherrlichenden Videos und der Verbreitung menschenverachtender Computersoftware und Videoclips. Das Ziel muss sein, dass kein Kind und kein Heranwachsender Zugang zu solchem Schund hat.

  • Erarbeitung eines Selbstverpflichtungskodex für Produktion und vor allem für den Vertrieb durch die Produktions- und Vertriebsfirmen unter Einbeziehung von Elternvertretern, der den Parlamenten in Bund und Ländern in einem offiziellen Verfahren zur Kenntnis vorgelegt wird. Dabei brauchen wir einheitliche Schutzstandards.

  • Jugendschutzkontrolle und Selbstkontrolle der Anbieter müssen bei Produktion und Verbreitung von Medieninhalten ansetzen und verschärft werden. Elternvertreter sind frühestmöglich einzubeziehen. Strafen und Sanktionen müssen (auch im Interesse seriöser Anbieter) verschärft werden.

  • Der Vertrieb schwer jugendgefährdender Medien ist gänzlich zu verbieten.

  • Gesetzliche Verankerung der Förderung von Beratungsangeboten für Eltern und Kinder, Familienbildung und Familienhilfe in einem Familienfördergesetz des Landes, damit Eltern ihrem Erziehungsauftrag nachkommen können.

  • Waffenerwerb darf künftig erst mit 21 Jahren erlaubt sein und komplementär dazu muss illegaler Waffenbesitz härter bestraft und noch konsequenter verfolgt werden.

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Wir fordern alle Bürgerinnen und Bürger und gesellschaftlichen Institutionen wie Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbände auf, diesen Appell zu unterstützen.


Erfurt, 2. Mai 2002


Dr. Kurt Herzberg

Sprecher des AKF

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