Eltern bei der Erziehung nicht allein lassen

Jugendforscher Münchmeier fordert gesellschaftliche Unterstützung der Elternarbeit

Erfurt (BiP). Der Erwerb von Lebenskompetenz ist für heutige Heranwachsende die dringendste Aufgabe ihrer Kinder- und Jugendzeit, stellte der Berliner Jugendforscher Richard Münchmeier am gestrigen Montag bei einem Vortrag vor Thüringer Politikern und Kirchenvertretern heraus. Münchmeier, Mitautor der Shell-Jugendstudie, sprach auf Einladung des Katholischen und Evangelischen Büros im Erfurter Augustinerkloster. Die Jugendzeit könne nicht mehr als eine "entlastete Lebensphase" betrachtet werden, so Münchmeier. Kinder und Jugendliche machten schon früh die Erfahrung, dass es auf den einzelnen selbst ankomme, um im Privat- und Berufsleben bestehen zu können. Dass Jugendliche in Umfragen die Arbeitslosigkeit und nicht mehr Pubertätskrisen als größtes Jugendproblem empfinden, sei ein absolutes Novum. Das Streben nach möglichst hochrangigen Bildungsabschlüssen müsse vor diesem Hintergrund gesehen werden, unterstrich Münchmeier. Eltern spielten beim Aufbau von Lebenskompetenzen eine entscheidende Rolle. Ihr Erziehungsstil müsse vom Zutrauen in das Kind gekennzeichnet sein. Eigenkompetenzen der Kinder sollten positiv verstärkt und von Kindern lösbare Schwierigkeiten nicht durch elterliches Eingreifen kompensiert werden. Allerdings dürften die Familien mit der Sorge für das Aufwachsen der Kinder nicht allein gelassen werden. Finanzielle Zuwendungen und Entlastungen durch den Staat reichten allein nicht aus. Münchmeier fordert gesellschaftliche Maßnahmen zur Elternberatung, Familienbildung und zur Vernetzung von Erziehenden. Schulen müssten verstärkt Elternarbeit betreiben und sollten Lernfortschritte und nicht Lernerfolge benoten, sagte Münchmeier.

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