"Die Achtung vor dem Wunder des Lebens muss die Gesellschaft prägen"

Bischof fordert, Fragen zur Biotechnologie und Ethik gemeinsam zu lösen

Eisenach (BiP). Wissenschaftliche und moralische Fragen, die die modernen Human-Biotechnologien aufwerfen, können in einer Demokratie nur gemeinsam gelöst werden. Diese Ansicht vertrat der Erfurter Bischof Joachim Wanke am Freitag auf der Tagung "Human-Biotechnologie als gesellschaftliche Herausforderung", die vom Thüringer Forschungsministerium und dem Jenaer Ethikzentrum auf der Wartburg veranstaltet wird.


Der Bischof bezeichnete es als "letztlich unbefriedigend", wie die aktuelle Diskussion erscheine: "Auf der einen Seite werben Wissenschaftler mit den enormen Chancen dieses Zweigs moderner Kultur, auf der anderen Seite stehen die Kirchen mit ihren ethischen Bedenken angesichts der Eingriffe vor allem in frühe Stadien des ungeborenen menschlichen Lebens." Dabei würden sich Konflikte, die in der Diskussion über das neue biotechnische Können entstünden, nicht auf Faktenkenntnisse beziehen, betonte Wanke. Anders als zu Galileis Zeiten kollidierten heute nicht Fragen zum Weltbild, sondern ethische Deutungsfragen.


"Theologisches Denken wehrt sich gegen eine Sicht des Menschen, die ihn in bestimmten Phasen seiner Entwicklung zum bloßen Material herabstuft", unterstrich der Bischof die kirchliche Position. Die Zielvorstellungen der Forschung dürften die Schutzwürdigkeit des menschlichen Embryos auch in seinen frühen Entwicklungsstadien nicht herabsetzen. "Die Achtung vor dem Wunder des Lebens, das moderne Wissenschaft nie ganz erfassen und durchschauen kann, bleibt ein notwendiger kultureller, die Gesellschaft prägender Wert", meinte Wanke. Das dürfe wissenschaftliches Denken und Intervenieren nicht völlig vergessen.

Der Vortrag im Wortlaut