Desinfektions- und Begrüßungsdienst

Bischof schreibt Dankesbrief an alle Ehrenamtlichen, die gemeinsame Gottesdienstfeiern in den Kirchen ermöglichen

Liebe Mitchristen,

das Zweite Vatikanische Konzil hat die aktive Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst und an der Feier der Eucharistie gefordert und dafür die Wege bereitet. Nicht nur durch die Verwendung der Muttersprache im Gottesdienst, sondern auch durch viele Dienste sind die Gläubigen nicht Besucher der Gottesdienste, sondern sie feiern die Gottesdienste wirklich mit: Diakonatshelfer, Lektoren, Kantoren, Kommunionhelfer, Vorbereitungskreise für Gottesdienste und Verantwortliche für Kinderwortgottesdienste und andere mehr tragen die Gottesdienste mit – mittlerweile übernehmen Gott sei Dank auch Frauen diese Dienste. Sie bereichern die Dienste, die es auch vor der Liturgiereform schon gab: Organisten, Ministranten, Chöre, Musiker, Küster – nicht zu vergessen der Gesang, mit dem alle zur Feier der Gottesdienste beitragen.

Wie schön etwas ist, merkt man oft erst dann, wenn es nicht mehr da ist. „Corona“ zwingt uns dazu, auf vieles zu verzichten. Ein Pfarrer erzählte mir, dass eine Frau in einem „Corona“-Gottesdienst gerufen hat: „Ich will singen!“ Die Chöre und Musiker vermissen ihre Musik im Gottesdienst. Die Ministranten vermissen ihren Dienst und würden so gerne bei der Feier der Heiligen Messe mitwirken. Wir müssen diese Zeit aushalten. Das Volk Israel kann uns ein Vorbild der Geduld sein. Es hat die Zeit des Exils überstanden, wenn auch mit Tränen: „An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. Wir hängen unsere Harfen an die Weiden in jenem Land.“ (Psalm 137,1-2)

Es sind aber durch „Corona“ auch neue liturgische Dienste entstanden: Der Desinfektionsdienst und der Begrüßungsdienst. Ich möchte allen von Herzen danken, die bereit sind, diese Dienste zu übernehmen. Wie die Kirchenreinigung ist auch die Desinfektion der Kontaktflächen ein unsichtbarer, aber unverzichtbarer Dienst. Alle, die bereit sind, diese Aufgabe zu übernehmen, dienen der Gesundheit der Menschen, die zum Gottesdienst kommen. Es ist also ein Akt der Nächstenliebe.

Sie helfen aber auch auf unverzichtbare Weise mit, dass wir wieder gemeinsam Gottesdienst feiern können. Nur wenn das Schutzkonzept befolgt wird, können wir uns zum Gottesdienst versammeln, ohne die Sorge, wir könnten das Virus verbreiten, während wir darum beten, vom Virus befreit zu werden. Diejenigen, die bereit sind, Ordnerdienste zu übernehmen, haben eine schwierige Aufgabe: Sie müssen Plätze in der Kirche zuweisen und sie müssen Gläubige abweisen, wenn in der Kirche mit Sicherheitsabstand kein Platz mehr ist. Das ist zweifelsohne schwierig. Manche sehen ihre Aufgabe aber auch positiv als „Begrüßungsdienst“.

Ich möchte allen, die diesen Begrüßungsdienst übernehmen, ein Wort der Ermutigung sagen: Bis zur Liturgiereform im Jahr 1972 gab es die Aufgabe des Ostiariers, auf Deutsch des Türhüters, die unterste Stufe der sogenannten niederen Weihen auf dem Weg zur Priesterweihe. In der frühen Kirche hatten die Ostiarier die Aufgabe, das Kirchengebäude und die Eingänge zu bewachen und die Gottesdienstbesucher zu empfangen. Bei der heiligen Messe war es bis zum frühen Mittelalter üblich, dass die Taufbewerber vor der Gabenbereitung die Kirche verlassen mussten. Aufgabe der Ostiariers war es, darauf zu achten, dass alle ohne Zögern aus der Kirche gingen. Das war sicher auch nicht immer einfach.

In einem Brief aus dem Jahre 251 schreibt der damalige Papst Cornelius, in der römischen Gemeinde gäbe es 52 Ostiarier. In unserem Bistum gibt es sicher mehr Gläubige, die diese Aufgabe übernehmen, auch wenn sie nicht zum Ostiarier geweiht wurden. Ihnen danke ich nochmals von Herzen und wünsche ihnen, was der Bischof bei der Weihe der Ostiarier bis zum Jahre 1972 betete: „Allmächtiger Vater, ewiger Gott, segne und heilige diese deine Diener zum Amt des Ostiariers, damit sie unter den Türhütern deiner Kirche als treu erfunden werden und unter deinen Erwählten Anteil erhalten am ewigen Lohn.“

Ihr Bischof Ulrich Neymeyr

Erfurt, den 4. Juli 2020