Das Reisetagebuch der Gloriosa

Teil 1: Die Abreise und ihre Vorbereitungen (aktualisiert)

MITTWOCH, 7. Juli 2004


12.30 Uhr

Die Mitarbeiter des Domes sperren den größten Teil des Domberges ab.


13.14 Uhr

Zwischen dem Gitter an der Domberg-Auffahrt und dem Triangelportal des Domes werden großformatige Platten auf einer Schotter-Unterlage verlegt. Ü;ber diese Platten wird der Schwerlastkran später auf seine Arbeitsposition fahren.


14.27 Uhr

Der Transporter mit Kranausleger, der die Platten hochgefahren hat, verlässt den Domberg.


14.46 Uhr

Der 250-Tonnen-Schwerlastkran fährt rückwärts in die Domberg-Auffahrt am Lauentor. Die Polizei hat den Rangierbereich abgesperrt. Millimeterarbeit: Gleich zu Anfang muss der Kran eine scharfe Kurve nehmen. Mehrmaliges Rangieren ist erforderlich.


14.51 Uhr

Das Heck des Kranes passiert das Tor an der Severikirche.


14.56 Uhr

Der Kran lässt das Tor hinter sich.


14.57 Uhr

Motor aus.


15.07 Uhr

Motor an. Das letzte Stück! An der engsten Stelle gibt es gerade einmal 10 cm Spielraum auf jeder Seite des Kranes. Rangieren, Rangieren, Rangieren...


15.36 Uhr

Der Schwerlastkran hat seine Idealposition erreicht.


15.40 Uhr

Ein LKW fährt mit Unterlegplatten für die Ausleger des Kranes an diesen heran. Abladen.


15.50 Uhr

Der Schwerlastkran lädt Ballast.


18.00 Uhr

Etwa 100 Gläubige und Freunde der Gloriosa versammeln sich im Hohen Chor des Domes, um für eine gutes Gelingen des Gloriosa-Projektes, die Unversehrtheit der beteiligten Arbeiter sowie für eine günstige Witterung zu beten.


18.43 Uhr

Der Kran ist einsatzbereit und Kranführer Andreas Hartig verlässt den Domberg.

Während der Aufbauarbeiten für den Schwerlastkran hat der MDR begonnen, die Live-Ü;bertragung in Fernsehen und Hörfunk vor Ort vorzubereiten.




DONNERSTAG, 8. Juli 2004


0.00 Uhr

Die Gloriosa hat Geburtstag. Kranführer Andreas Hartig auch. Beide werden zusammen 544 Jahre alt.


8.10 Uhr

Der Tieflader, der die Gloriosa nach Nördlingen bringen soll, fährt rückwärts auf den Domberg und parkt neben dem Schwerlastkran. Damit die Gloriosa während der Fahrt nicht verrutscht, wird eine Transportsicherung aufgebaut. Immer wieder regnet es.


9.30 Uhr

Auf dem Domplatz werden Marzipan-Gloriosas angeboten, die in kürzester Zeit ausverkauft sind. Auch der Stand mit den DVDs, die in 3D-Animation die Rettung der Gloriosa zeigen, ist schnell von vielen Leuten umlagert.


9.57 Uhr

Im Krankenhaus hängt Bischof Joachim Wanke ein "Bitte nicht stören"-Schild an die Tür und schaltet den Fernseher ein.


10.00 Uhr

Eigentlich sollte jetzt die Live-Ü;bertragung im MDR-Fernsehen beginnen. Aber der Regen hat sich zu einem heftigen Gewitter entwickelt. Der Beginn der Kran-Arbeiten wie der Ü;bertragung wird um eine halbe Stunde verlegt.


10.00 bis 10.30 Uhr

regen regen regen regen BLITZ und DONNER regen BLITZ und DONNER BLITZ und DONNER regen regen regen regen regen


10.05 Uhr

MDR 1 Radio Thüringen beginnt mit seiner Live-Berichterstattung.


10.25 Uhr

Kranführer Hartig lässt den Motor an.


10.30 Uhr

Der Himmel hat ein Einsehen. Das Gewitter ist vorbei, auch wenn es nach wie vor regnet (aber nicht mehr lange). Die Ü;bertragung auf dem Domplatz beginnt.


10.35 Uhr

Auf dem Domberg dreht sich der Kran langsam in Richtung der Domtürme. Der Ausleger fährt aus und der Haken, an dem die Gloriosa angehängt werden soll, nähert sich behutsam der Glockenstube.


10.46 Uhr

Da ist sie: Die Gloriosa schiebt sich vorsichtig durch die Maueröffnung, gezogen auf einem Transportschlitten, den im Inneren der Glockenstube zwei Männer an Hebeln bewegen.


10.50 Uhr

Die sechs Seile, die vom Kranhaken herabhängen, werden ins Innere der Glockenstube gezogen und an der Gloriosa befestigt.


10.55 Uhr

Die Gloriosa steht in voller Größe auf der Außenkonsole an der Glockenstube. Vor der riesigen Domkulisse sieht sie beinahe klein aus.


10.57 Uhr

Der Kranführer strafft die Seile an der Gloriosa.


11.00 Uhr

St. Severi schlägt zur vollen Stunde. Ein Arbeiter steigt auf die Gloriosa und sortiert die Trageseile.


11.07 Uhr

Da! Die Gloriosa bewegt sich ganz leicht und scheint über der Außenkonsole zu schweben. Glockenwart Ernst Bünge entlockt der Gloriosa mit einem Kantholz drei tiefe Töne - als Abschied von der Gloriosa und Gruß der großen Domglocke an die Erfurter.


11.08 Uhr

Kranführer Hartig hebt die Gloriosa behutsam an, zieht ein wenig nach rechts und hebt die Glocke in größere Höhe.


11.09

Ganz, ganz langsam beginnt sich der Kran mit der Gloriosa nach links zu drehen, in Richtung des Domplatzes. Die Leute auf dem Domplatzen klatschen und jubeln, als die Gloriosa aus dem Schatten des Turmes schwebt.


11.10 Uhr

Auf dem Tieflader wird eine riesige Folie ausgebreitet.


11.12 Uhr

Der Kran hat die Gloriosa über die Domstufen und Häuser des Domberges geschwenkt und lässt die Glocke ein wenig sinken. Der Tieflader zieht vor, so dass sich die Ladefläche unter der hängenden Gloriosa befindet.


11.15 Uhr

Regen setzt wieder ein. Auf der Folie des Tiefladers werden kleine Gummimatten zum Schutz des Glockenrandes in Kreisform ausgelegt.


11.18 Uhr

Der Kranführer bewegt die Glocke über die Gummimatten, dirigiert von einem Mitarbeiter, der auf den Tieflader geklettert ist.


11.20 Uhr

Ein letzter Rundgang um die schwebende Gloriosa, fünf Männer fassen an, um sie in der richtigen Position zu halten.


11.22 Uhr

Die Gloriosa setzt auf dem Tieflader auf. Ein Meisterstück! Beifall von allen Seiten. Der Leiter des Dombauamtes, Andreas Gold, lacht erleichtert; ihm wird von allen Seiten gratuliert. Auch auf dem Domplatz macht sich die Begeisterung Luft.


11.24 Uhr

Die Seile werden vom Kranhaken gelöst und der Kran schwenkt erneut zur Glockenstube, um das Joch der Gloriosa herabzuheben.


11.43 Uhr

Bischof Joachim Wanke ruft aus dem Krankenhaus Dombauamtsleiter Gold an: "Deo gratias und Dank an alle, die am Gelingen beteiligt waren. Ich habe mitgezittert und mitgebangt. Dank und alles Gute!"


12.00 Uhr

Kranführer Hartig hebt das Glockenjoch vom Domturm herab und setzt es hinter die Gloriosa auf den Tieflader. Die Gloriosa wird in Folie eingehüllt und mit Kanthölzern gesichert.


13.20 Uhr

Unter Geläut der Dombergglocken setzt sich der Tieflader mit der Gloriosa in Bewegung. Am Lauentor stehen hunderte von Menschen im strömenden Regen, um die "Königin der Glocken" ein (vorerst) letztes Mal zu sehen. Beifall, als die Gloriosa vorüber fährt, begleitet von einer Polizei-Eskorte. Jetzt geht es in Richtung zur Autobahn 71 und dann nach Nördlingen.


13.37 Uhr

Auf dem Domberg beginnen die Arbeiten zur Demontage des Schwerlastkranes. Der MDR fährt die Ü;bertragungswagen vom Platz. Im Pressebüro spült Pressereferent Peter Weidemann die von den Journalisten benutzten Kaffeetassen.


15.30 Uhr

Die Gloriosa überquert die Landesgrenze nach Bayern.


16.39 Uhr

In Erfurt fährt der Schwerlastkran vom Domberg und Kranführer Andreas Hartig zu seiner Geburtstagsfeier.


19.12 Uhr

Der Tieflader fährt mit der Gloriosa und dem Glockenjoch auf das Gelände der Glockenschweißerei Lachenmeyer. Gleichzeitig treffen Dombauamtsleiter Andreas Gold und Glockenwart Ernst Bünge ein. Der Tieflader wird sicher abgestellt und bewacht.




FREITAG, 9. Juli 2004


6.00 Uhr

Ein Kran hebt die Gloriosa vom Tieflader. Die "Königin der Glocken" wird in die Werkstatt gebracht, wo sie Thomas Lachenmeyer in den nächsten Wochen schweißen wird. Geplante Rückkehr nach Erfurt: 8. September 2004. Am Tag darauf soll die Gloriosa wieder in ihre Glockenstube gehoben werden.



Ende des ersten Teils

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