Erfurt (BiP). Das Bistum Erfurt stellt 50.000 Euro Soforthilfe für die Menschen in der Ukraine zur Verfügung. 25.000 Euro sind bereits über Caritas international als Vor-Ort-Hilfe an die ukrainische Caritas überwiesen worden. Die andere Hälfte des Betrages fließt in einen Fonds, mit dessen Mitteln der hiesige Caritas-Verband Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet, die nach Thüringen gekommen sind oder noch kommen werden, unterstützt.
Laut UNO Flüchtlingshilfe (UNHCR) Deutschland sind 1,7 Millionen Menschen vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflohen, in der Mehrzahl handelt es sich um Frauen und Kinder. Schätzungen des UNHCR zufolge könnte die Zahl der Flüchtlinge um 4 Millionen steigen, während 12 Millionen Menschen in der Ukraine auf humanitäre Hilfe angewiesen sein könnten. (https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/ukraine, abgerufen am 8.3.2022, 10.45 Uhr).
Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr ruft darum zu Solidarität und großherzigen Spenden auf. „Wir müssen zweigleisig denken und handeln. Die Menschen in der Ukraine brauchen ebenso unsere Unterstützung wie die Flüchtlinge, die ihre Heimat wegen des grausamen und durch nichts zu rechtfertigenden Krieges verlassen müssen“, betont Neymeyr.
Bereits über mehrere Monate hat sich die Caritas Ukraine auf das Schlimmste vorbereitet: „Wir haben Caritas-Mitarbeitende im ganzen Land auf eine humanitäre Katastrophe im Kriegsfall vorbereitet. Neben unseren fünf Caritas-Zentren im Osten sind insgesamt 37 Caritas-Zentren mit Hunderten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern landesweit im Einsatz", so Andriy Postnikov, Katastrophen-Koordinator der Caritas Ukraine.
Laut Caritas international sind besonders alte und kranke Menschen von der Situation überfordert und oft völlig auf sich allein gestellt. In den Sozialzentren erhielten sie eine warme Suppe, Notunterkünfte und Decken. Für Menschen, die nicht zu den Sozialzentren kommen könnten, hat die Caritas Telefon-Hotlines eingerichtet. Wer sich dort meldet, wird von Helfern versorgt.
Die Caritas hilft aber auch den jüngsten und seelisch leicht verletzlichen Mitgliedern der ukrainischen Gesellschaft, den durch Krieg, Angst und Gewalt traumatisierten Kindern. Damit sie die schrecklichen Erlebnisse für einige Momente vergessen können, werden sogenannte „Child Friendly Spaces“ aufgebaut. Das sind Schutzräume, wo Kinder spielen, malen und Sport treiben können. Die Kinder und auch Jugendliche werden zudem psychosozial betreut.
Vielen Menschen bleibt aber nur noch die Flucht, wenn sie ihr Leben retten wollen. Das zerreißt oft die Familien, denn Männer zwischen 18 und 60 Jahren müssen in der Ukraine bleiben und ihre Heimat gegen die Eroberung durch russisches Militär verteidigen. „Derzeit kommen auch in Thüringen viele Menschen aus der Ukraine an, die unterschiedliche Formen von Hilfe und Unterstützung benötigen“, unterstreicht die Erfurter Caritasdirektorin Monika Funk.
Die Caritas sei jetzt vor Ort gefordert, schnell zu helfen und zugleich langfristig zu planen. „Selbst wenn der Krieg hoffentlich irgendwann beendet sein wird, werden wir noch lange humanitäre Hilfe leisten müssen – in der Ukraine, aber nicht zuletzt auch in den Ländern, wohin die Ukrainerinnen und Ukrainer geflohen sind“, sagt die Caritasdirektorin.
Mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stimme der Deutsche Caritasverband regelmäßig die Lagebeurteilung ab. „Und in enger Abstimmung mit Kommunen und staatlichen Stellen, anderen Wohlfahrtsverbänden und weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft hilft die Caritas vor Ort bei Notaufnahmen und sichert begleitende Maßnahmen, so z.B. im ‚cafe international‘ der Caritas Weimar. Die Caritas Migrationsberatung in Erfurt, Jena oder Eisenach organisiert Begegnung und Austausch zwischen Einheimischen und Flüchtlingen“, umreißt Funk das momentane Handeln.
„Wir suchen noch mehr Ehrenamtliche, zum Beispiel Dolmetscher für Russisch und Ukrainisch, damit es keine Verständigungsprobleme gibt, wenn unsere Beratungsstellen aufgesucht werden“, erklärt Monika Funk. Nicht weniger wichtig seien psychosoziale Begleitung und Unterstützung, zählt die Caritas-Direktorin weiter auf. Bei der materiellen Hilfe spielten auch die Caritas Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern eine große Rolle.
„Unsere Caritas-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter geben alles“, lobt Monika Funk ihre Mannschaft. Doch mit den Ehrenamtlichen, die sich der Flüchtlinge vor Ort annehmen, könne noch mehr geschafft werden. „Ihre Begleitung und die Koordination ihrer Arbeit ist darum auch eine unverzichtbare Aufgabe“, sagt die Caritasdirektorin und fügt hinzu: „Wir schaffen es nur gemeinsam.“
Spendenkonto für die Flüchtlingsarbeit der Caritas in Thüringen:
Caritasverband für das Bistum Erfurt e.V.
Pax-Bank eG
IBAN:DE 45 3706 0193 0000 4194 19
Stichwort: Ukraine