Bischof Wanke ist ein Sonntagskind

Predigt von Weihbischof Reinhard Hauke zum 80. Geburtstag von Bischof em. Joachim Wanke im Erfurter Dom

Im Vordergrund Weihbischof Hauke und Bischof Wanke (v.l. n.r.) bei der eucharistischen Anbetung zur Bistumswallfahrt; Bild: Peter Weidemann; In: Pfarrbriefservice.de

Es gilt das gesprochene Wort!

Was war alles am 4. Mai 1941? – Diese Frage stellte ich dem Internet und fand heraus, dass dieser Tag ein Sonntag war. Unser Jubilar ist also ein Sonntagskind!

Das freut mich sehr, denn dann ist ja eigentlich schon vorhergesagt worden, dass es ein neuer Mensch ist, der vom Auferstehungsgedanken geprägt sein wird.

Am 4. Mai 1941 hielt jedoch auch ein Mensch eine Rede im Deutschen Reichstag, die voller Hass gewesen ist: Adolf Hitler zog Bilanz seiner Kriegsführung und schürte neue Pläne zur Vernichtung der Nachbarländer, von denen er behauptete, dass sie Deutschland zerstören wollen. Auch sein Judenhass kam deutlich zum Ausdruck. Diese Rede an einem Sonntag ließ alle Böses ahnen. Vermutlich aber gab es auch viel Zustimmung, denn rhetorisch ist diese Rede Adolf Hitlers bemerkenswert.

Am heutigen Tag feiert auch der spanische Fußballer Fernandinho seinen 36. Geburtstag. Der Altbundeskanzler Österreichs Werner Faymann wird heute 61 Jahre. Sportler und Politiker blicken in Dankbarkeit auf dieses Datum und wir tun es heute im Blick auf unseren Altbischof Joachim Wanke.
Vor 80 Jahren wurde er in Breslau geboren und nannte Thüringen seine Heimat. Das ist beachtlich, denn als Vertriebenenbischof weiß ich, dass Vertriebene gern zwischen Heimat und Zuhause unterscheiden. Sie sagen: Heimat ist dort, wo ich geboren wurde, und Zuhause ist dort, wo ich lebe. Wenn Bischof Joachim Thüringen seine Heimat nennt - was er uns Priestern gegenüber immer gesagt hat -, dann zeigt es: Er war in Thüringen gut angekommen – wenn auch als Heimatvertriebener.
31 Jahre hat Bischof Joachim das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen und spätere Bistum Erfurt geleitet und mit seiner Verkündigung geprägt. Ich bin froh, dass wir ihm heute eine Sammlung seiner Predigten bei den Bistumswallfahrten und zu anderen Gelegenheiten überreichen können. Das Sonntagskind Joachim Wanke sagt uns in froher Zuversicht: „Warum ich Christ bin“.

Am heutigen Dienstag in der 5. Osterwoche hören wir im Gottesdienst eine Predigt Jesu, in der er vom Frieden spricht, den er bringen möchte und der sich von dem Frieden unterscheidet, der in dieser Welt angeboten wird. Wir kennen die Art des Johannesevangeliums und die kritische Beurteilung der Welt, in der wir leben und die durchaus auch in der Predigt Jesu zu finden ist, da es ja Jesus um das Gottesreich geht, auf das sich alle vorbereiten sollen.

Johannes sieht in diesen Worten Jesu eine Bestätigung, dass auch der Christ eine kritische Einstellung zu allem haben darf, was in der Welt als heilbringend angeboten wird. In den Worten Jesu kommt deutlich zum Ausdruck, dass keine Macht der Welt den Sieg des Auferstandenen brechen und zerstören kann. Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes Jesus Christus die Angst vor dem Tod genommen und damit den eigentlichen Tod-Feind des Menschen besiegt.

Trotz aller Not, die uns Menschen bedrängen kann, wie in dieser Zeit die Pandemie mit ihren Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft, Kirche und Kultur, darf es keine endgültige Resignation geben. Besonders unsere Osterlieder sind Zeugnisse für den Glauben an den Sieg über Tod und Teufel. Daher singen wir sie eigentlich sehr gern, wenn wir sie wieder singen dürfen.

In der Apostelgeschichte wird vom Missionswerk des Apostels Paulus und seiner Freunde berichtet. Unerschrocken gehen sie bei der 1. Missionsreise von Ort zu Ort in Kleinasien und benennen falsche Götterkulte als Irrtum, der zu beseitigen ist. Das schafft nicht überall Freunde. Wo es aber die Freunde Gottes gab, die sich für das Evangelium geöffnet hatten, da war auch eine Festigung des Gemeindelebens durch die Predigt des Apostels möglich. Die Missionare wollten ja mit ihrer Predigt nicht Unruhe stiften, sondern zu einer neuen Klarheit im Glauben verhelfen.

Bis heute ist damit das Kernanliegen der Verkündigung benannt: Klarheit im Glauben und Denken bringen. Nichts Anderes wollen die Prediger und Seelsorgerinnen und Seelsorger bis heute tun. Es geht nicht um das Abstecken eines Herrschaftsbereiches, sondern um das Erwärmen der Herzen, um für die Botschaft des Evangeliums den Boden zu bereiten.

Wenn wir in der Kirche heute über Macht und vor allem Machtmissbrauch sprechen und nach Wegen suchen, wie man das verhindern kann, dann steckt für mich verborgen dahinter immer der Verdacht, als ob wir als Christen Territorien erobern müssten. Für mich ist es tröstlich zu wissen, dass der Auferstandene viel eher an den Orten ist als der Missionar und dieser nur noch erkennen muss, wo denn der Herr schon gewesen ist.

„Den Spuren Christi folgen“ – der Wahlspruch von Bischof Joachim ist darin erkennbar. Nicht wir spuren den Weg des Auferstandenen, sondern wir suchen nach den Orten, Personen und Ereignissen, wo er schon war und ist.

Wenn ich beschreiben sollte, wie Bischof Joachim Wanke seine Seelsorge gestaltet hat und bis heute gestaltet, soweit es ihm möglich ist, dann ist es eine Seelsorge aus der Zuversicht, dass der Auferstandene alle Siege der Welt schon errungen hat und damit kein Grund für Ängstlichkeit im Hinblick auf die Zukunft besteht.

Natürlich müssen wir unsere Erfahrungen in die Überlegung für die Pastoral einbringen, die Ressourcen anschauen, die wir an Geld und Personal haben, ehrlich miteinander umgehen, was die Fragen nach Zentren der Pastoral oder sogenannten Leuchttürmen betrifft, aber wir dürfen nicht ängstlich werden, denn letztlich sind nicht wir es, die unsere Kirche ausmachen, sondern wir sind Dienerinnen und Diener des Herrn, auf den wir schauen und dessen Geist wir erbitten, um die guten Entscheidungen zu fällen, die für die Gläubigen hilfreich sind.

„Diener der Freude“ dürfen wir sein – einer Freude, die aus dem Glauben an die Macht der Auferstehung kommt.

Heute danken wir Bischof Joachim für sein Zeugnis des Glaubens und wünschen ihm von Herzen weiterhin Zuversicht, dass die Spuren Christi zum Heil führen und wir sie mutig gehen können. Amen.


Lesungen: Apg 14, 19-28; Joh 14, 27-31a