„Kommet gerne und oft hierher“

150 Jahre katholische Kirche in Ranis – Gemeinde beschließt das Festjahr am Gedenktag ihrer Kirchenpatronin, der hl. Elisabeth von Thüringen, 19. November

Gerade einmal vierzig Katholiken, immerhin eine biblische Zahl, lebten laut einer Volkszählung vom 3. Dezember 1858 im Kreis Ziegenrück, sechs von ihnen in Ranis. Der nächste Ort, an dem regelmäßig katholischer Gottesdienst gefeiert wurde, lag 16 Stunden entfernt: Weimar. Selbst den katholischen Gottesdienst im sieben Stunden entfernten Rudolstadt, der an mehreren Sonntagen im Jahr gefeiert wurde, zu besuchen, war nur wenigen möglich. Zum einen bedeutete der Gottesdienstbesuch eine nächtliche Reise dorthin, zum anderen durfte wegen des Nüchternheitsgebots ab Mitternacht bis zum Kommunionempfang nichts gegessen oder getrunken werden. Mit finanzieller Hilfe eines katholischen Vereins wurden so genannte Missionsgottesdienste im Raniser Schützenhaus ermöglicht – der erste war am 11. August 1861, der nächste im Oktober, und im darauffolgenden Jahr fanden „zur unbeschreiblichen Freude der katholischen Umwohner von Ranis“ drei Gottesdienste statt. In dieser Zeit bot sich außerdem eine Gelegenheit, in Ranis ein Haus mit Grundstück zu kaufen, die Kaufsumme betrug 1.000 Thaler und an Christi Himmelfahrt 1862 wurde der Kaufvertrag geschlossen. Bischof Konrad Martin zu Paderborn befürwortete den Bau einer Kirche, deren Baukosten nach Vorstellung der Initiatoren nicht mehr als 2.000 Thaler betragen sollten, da die Zahl der Katholiken in den nächsten 50 Jahren nicht mehr als ca. 250 betragen werde. Neben der finanziellen Unterstützung u.a. aus Süddeutschland, Salzburg, Prag und Breslau wurden auch Paramente und liturgische Gefäße gespendet. Die Raniser Bürger, so heißt es in der Festschrift zum 150jährigen Jubiläum (Bernd Schneider/Bernd Weiße), „machten nun täglich Spaziergänge zur Baustelle und äußerten sich lobend über die neue Kirche. Pastor Rabe nannte den Mut, die Ausdauer und den Eifer der Katholiken beispielhaft für seine Gemeinde. ‚…was die wollten, da wurde nicht gewichen und wenn auch der letzte Groschen sollte hergegeben werden‘.“

Am Sonntag, 15. September 1867, war „endlich das sehnliche Verlangen nach einem eigenen Gotteshause erfüllt“. „Wahrlich, das ist Gottes Haus, aber auch euer Haus“, predigte der Pfarrer den Gläubigen. Und weiter: „Kommet gerne und oft hierher, auch an den Sonn- und Festtagen, wo kein Priester hier das h. Opfer feiert, um hier gemeinsam eure Andacht zu verrichten. Kommt in glücklichen Stunden, um dem Urheber eures Glücks zu danken. Kommt in den trüben Stunden, um hier neuen Muth, neue Kraft, Trost und Hülfe zu schöpfen!“

150 Jahre später wird wieder gefeiert – und wenn Steine reden könnten, hätten sie sicherlich einiges zu erzählen von Gottesdiensten und Andachten, freudigen und traurigen Anlässen, frommen und weniger frommen Katholiken, von welt- oder auch nur das Umland bewegenden Ereignissen.  Mit einer Festschrift und einem bunten Programm wurde über’s Jahr gefeiert. Voller Dankbarkeit  Gott gegenüber, aber auch all jenen, die sich aus ihrem Glauben heraus für eine lebendige Kirche vor Ort engagieren.

Ein Festgottesdienst um 10 Uhr  mit Weihbischof Reinhard Hauke, ein gemeinsames Mittagessen aus der Gulaschkanone und ein Lichtbildervortrag beschließen am Sonntag, 19. November die Feierlichkeiten zum 150jährigen Jubiläum der katholischen Kirche in Ranis.