Diaspora zum Anfassen

Das galt am Sonntag, 5. November 2017, im doppelten Sinne. Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken eröffnete seine Jahresaktion in Erfurt.

So hatten einerseits die Katholiken aus unserem Bistum die Chance, das Bonifatiuswerk, das sich die Hilfe für Kirche in der Diaspora auf die Fahnen geschrieben hat, kennen zu lernen. Zugleich konnten sie von Erfahrungen aus Island und Lettland hören, wo Katholiken in einer noch größeren Minderheit leben als es bei uns der Fall ist. Andererseits hatten sich die Mitglieder des Bonifatiuswerkes in die thüringische Diaspora begeben.

Mit einem Festgottesdienst wurde die bundesweite Diaspora-Aktion eröffnet. Für manchen mag da schon ein Stück das Leitwort der Aktion Wirklichkeit geworden sein: „Unsere Identität: Segen sein.“ Ja, in der gemeinsamen Feier kann man sich zum Segen werden. Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, legte in seinem Festvortrag verschiedene Aspekte von Diaspora (= Zerstreuung) vor.

Diese werden nun in unsere Situation übersetzt: Die Diaspora der wenigen Katholiken unter einer Mehrheit von evangelischen Christen ist für uns längst überdeckt von der Erfahrung,  als Christen in der Minderheit zu sein. Das macht unser glaubwürdiges ökumenisches Zeugnis umso wichtiger. Eine weitere Situation als Minderheit kommt hinzu: Wie können christliche Werte in einer Gesellschaft, wo Leistung und Besitz sehr im Vordergrund stehen, gelebt und durchgehalten werden? Vielleicht müssen wir öfter die Frage stellen: Wie sieht ein Gegenentwurf christlichen Lebens aus ohne dass Christen in einer Gegenwelt leben? Diese Frage lohnt sich neu zu bedenken. Georg Maier, Minister für Inneres und Kommunales des Landes Thüringen, sprach in seinem Grußwort von Christen als „Menschen, die an mehr denken als nur an sich selbst.“ Das ist allemal eine Herausforderung an uns Christen in der Diaspora.

Mehr zur Eröffnung der Diasporaaktion
: www.bonifatiuswerk.de