Der Synodale Weg

Am 1. Dezember 2019, dem 1. Adventssonntag, startete der Synodale Weg in der katholischen Kirche in Deutschland. Der Begriff „Synode“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet: gemeinsamer (syn) Weg (hodos).

Der Synodale Weg ist ein Gesprächsprozess innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Er soll der Aufarbeitung von Fragen dienen, die sich im Herbst 2018 nach der Veröffentlichung der MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche ergeben haben. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verantworten gemeinsam diesen Prozess, der auf zwei Jahre angelegt ist und am 1. Dezember 2019 eröffnet wurde. www.synodalerweg.de

Mitglieder der Synodalversammlung www.synodalerweg.de

Termin der ersten Synodalversammlung: 30. Januar bis 1. Februar 2020

© Deutsche Bischofskonferenz

Missbrauchsstudie als Anlass

Anlass dieses Weges, den die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verantwortet, ist die Krise, in der sich die Kirche im Ganzen und das kirchliche Amt im Besonderen befindet: Im Herbst 2018 waren die Ergebnisse der so genannten MHG-Studie publiziert worden, in der sexualisierte Gewalttaten von Klerikern an Schutzbefohlenen dokumentiert und analysiert worden waren. Die DBK hatte diese Studie selbst in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse waren erschütternd: Im Untersuchungszeitraum von 1946 bis 2014 fanden sich in den kirchlichen Personalakten von ca. 5 Prozent der Diözesanpriester, also in der Akte jedes 20. Priesters, Hinweise darauf, dass er des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt wurde. Damit ist lediglich eine untere Schätzgröße benannt, zumal erhebliche Mängel in der bischöflichen Aktenführung bis hin zur Aktenmanipulation sichtbar geworden waren.

Forscher: Spezifisch katholische Faktoren begünstigen Missbrauch

Die Forscher haben in ihrer Studie spezifisch katholische Faktoren herausgearbeitet, die Missbrauch durch Kleriker und seine Vertuschung durch kirchlich Verantwortliche nicht verhindert und womöglich sogar begünstigt haben: einen prekären Umgang mit Macht in der Kirche, die exklusiv zölibatspflichtigen Männern zugemessen wird, und „ambivalente Aussagen und Haltungen der katholischen Sexualmoral zur Homosexualität“. Sie empfahlen zudem, „die Bedeutung des Zölibats zu diskutieren“.

Der Synodale Weg und seine vier Foren

Der Synodale Weg greift diese Themen auf, ohne den Prozess auf das Drama sexualisierter Gewalt von Klerikern zu reduzieren. Es handelt sich um Themen, für die viele Gläubige schon lang Reflexions- und Erneuerungsbedarf benannt hatten. Ihr deutliches Votum hatte bisher allerdings keinen ernsthaften kirchlichen Reformprozess initiiert. Aber nun ist von externer wissenschaftlicher Seite in diesen Fragen ein besonderes Gefährdungspotenzial für sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch identifiziert worden. Man darf ihnen nicht mehr ausweichen. Das kirchliche Priesterbild, das kirchliche Frauenbild, sexualethische Vorgaben und die Verurteilung bzw. Tabuisierung von Homosexualität müssen auf den Prüfstand. Denn sie stützen ein System, in dem die körperliche und seelische Integrität von Jungen, Mädchen und Frauen massiv Schaden genommen hat und weiter Schaden nehmen kann.

Der Synodale Weg stellt sich dieser Herausforderung. In vier Foren wird zu den Themen Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, Sexualmoral, priesterliche Lebensform und Frauen in Diensten und Ämtern gearbeitet. Diese Foren haben in einer vorläufigen Besetzung bereits begonnen zu arbeiten und Papiere vorgelegt (www.synodalerweg.de/dokumente-reden-und-beitraege). Bei der ersten großen Synodalversammlung Ende Januar 2020 wird ihre endgültige Zusammensetzung durch die Delegierten beschlossen werden.

Text: Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

In der Satzung des Synodalen Weges werden Aufgaben, Strukturen und Beteiligte dieses Prozesses beschrieben. Dieses Statut ist von den beiden verantwortlichen Institutionen, der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), jeweils mehrheitlich verabschiedet worden.

Die Organe des Synodalen Weges

Organe des Synodalen Wegs sind die Synodalversammlung, das Synodalpräsidium, das erweiterte Synodalpräsidium sowie die Synodalforen.

Das Synodalpräsidium besteht aus dem Vorsitzenden sowie dem stellvertretenden Vorsitzenden der DBK, und der Präsidentin / dem Präsidenten und einer / einem Vizepräsidenten des ZdK. Aufgabe des Präsidiums ist es, die Synodalversammlung vor- und nachzubereiten; dazu wird es von einem Sekretariat unterstützt.

Zum Erweiterten Synodalpräsidium gehören neben diesen vier Personen die Vorsitzenden der Synodalforen sowie die beiden geistlichen Begleiter des Prozesses.

Die vier Synodalforen bestehen aus je ca. 30 Mitgliedern – Bischöfen, Gläubigen und Fachexpertinnen und -experten – und werden jeweils von einem Mitglied der DBK und einem Mitglied des ZdK geleitet. Sie arbeiten zu den vier im Vorfeld vereinbarten Themen des Synodalen Wegs:

(1) Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag;
(2) Priesterliche Existenz heute;
(3) Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche;
(4) Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft.

Synodalversammlung als zentrales Gremium

Zentrales Gremium des Synodalen Wegs ist die Synodalversammlung, der 230 Personen angehören. Hier werden die Beschlüsse des Synodalen Weges gefasst. Die Synodalversammlung besteht aus allen (69) Mitgliedern der DBK, ebenso vielen Vertretern des ZdK sowie 92 Vertreterinnen und -vertretern verschiedener Berufs- und Interessensgruppen der Kirche, beispielsweise der Priester, der Gemeindereferentinnen und -referenten und der Orden, aber auch der jungen Generation und der Theologie. Der Verteilungsschlüssel sieht vor, dass knapp die Hälfte der Synodalen geweihte Männer sind. Die Empfehlung der Satzung, eine geschlechter- und generationengerechte Besetzung anzustreben (Art. 3.1), wird daher allenfalls symbolisch eingelöst werden können.

Die Frage der Macht bei Entscheidungen

Zur Beschlussfassung muss am Ende eine doppelte Zweidrittelmehrheit vorliegen: unter den Bischöfen und im Plenum. Damit ein Beschluss verabschiedet wird, braucht es also wenigstens 46 Ja-Stimmen aus dem Kreis der Bischöfe und zugleich wenigstens 154 Ja-Stimmen (inklusive möglicher bischöflicher Stimmen) aus dem Plenum. Um einen Beschluss zu verhindern, reichen aufgrund der nötigen doppelten Zweidrittelmehrheit hingegen nur 24 bischöfliche Stimmen (d.h. gut 10 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder der Synodalversammlung) aus.

„Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung“ (Art. 11.5). Fragen, die nur weltkirchlich umgesetzt werden können, werden dem Apostolischen Stuhl als Votum übermittelt. Ob Mehrheitsbeschlüsse, die vor Ort in Kraft gesetzt werden können, tatsächlich umgesetzt werden, entscheiden die örtlichen Instanzen, also die Bischofskonferenz oder der jeweilige Ortsbischof. Ist ein einzelner Bischof mit einem von einer doppelten Mehrheit getragenen Beschluss nicht einverstanden, muss er ihn in seinem Bistum nicht umsetzen. Der Synodale Weg hat zwar ausdrücklich die Aufgabe, Machtverhältnisse in der katholischen Kirche kritisch zu reflektieren und ggf. neue Wege zu erarbeiten, klerikale Macht zu teilen, zu begrenzen und zu kontrollieren. Im Synodalen Prozess selbst schlägt sich das aber noch nicht nieder. Am Ende entscheiden die Bischöfe.

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

Im Vorfeld des Synodalen Weges wurde, besonders von Seiten der Kritiker dieses Prozesses, immer wieder eine Alternative aufgemacht: Geht es um Evangelisierung, also um Verkündigung und Verbreitung des christlichen Glaubens, oder um eine Reform kirchlicher Strukturen? Manche mutmaßten, dass das Anliegen des Synodalen Wegs, strukturelle Probleme in der Kirche kritisch aufzugreifen, von „liberaler“ Seite eingespeist worden sei, um nun auf diesem Weg endlich altbekannte Forderungen zur Veränderung der Kirche und ihres Priesterbildes durchzusetzen. Stattdessen, so sagten sie, müsse es darum gehen, im Glauben zu wachsen und der kirchlichen Verkündigung mehr Nachdruck zu geben. Echte Erneuerung dürfe man nicht von äußeren Faktoren erwarten; sie müsse im Inneren aller Gläubigen beginnen. Kirche erneuere sich durch Bekehrung, nicht durch Anpassung an „weltliche“ Standards von Gewaltenteilung und Organisationsentwicklung.

Strukturelle Ursachen für sexuelle Gewalt

Diese Alternative ist falsch. Sie verschiebt zudem das Problem, das überhaupt erst dazu geführt hatte, einen gemeinsamen (synodalen) Weg der kirchlichen Erneuerung gehen zu wollen. Anlass war nicht der vermeintlich schwache Glaube der Gläubigen. Sondern Anlass waren die bestürzenden Ergebnisse der MHG-Studie, die das Ausmaß von Gewalttaten und ihrer Vertuschung durch Kleriker offengelegt hatte. Die Forscher hatten systemische, d.h. strukturelle Ursachen benannt, die solche Verbrechen begünstigten, zumindest nicht nachhaltig verhindern und seine Ahndung erschweren: prekäre Machtverhältnisse in der Kirche und kirchliche Vorgaben zu Geschlechterrollen und Sexualität, die potenziellen Tätern anstelle ihrer Opfer einen kirchlichen Schutzraum bieten.

Die Glaubwürdigkeit der Kirche steht auf dem Spiel

Was die Kirche eigentlich verkünden könnte und sollte – die Würde und Freiheit der Kinder Gottes, das Evangelium Jesu Christi vom Anbruch des Gottesreichs, ein Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes –, wird dadurch konterkariert. Was die Kirche sein könnte und sollte – ein Ort, an dem Gottes Zuwendung und Erbarmen erfahrbar und glaubhaft wird –, wird dadurch ins Gegenteil verkehrt. Denn wie kann eine Kirche glaubwürdig davon sprechen, dass nicht Macht und Herrschaft, sondern Liebe und gegenseitiger Dienst ihr Maßstab seien, wenn in ihrem Binnenraum Strukturen herrschen, die klerikale Ermächtigung gegenüber Schutzbefohlenen begünstigen und die körperliche und seelische Integrität von Jungen, Mädchen und Frauen gefährden?

Die Alternative „Evangelisierung oder Strukturreform“ ist falsch. Was ansteht, ist eine ehrliche Überprüfung und Korrektur kirchlicher Strukturen am Maßstab des Evangeliums. Es geht darum zu klären, welche kirchlichen Strukturen, welche Priesterbilder, welche sexualethischen Vorgaben dem Auftrag der Kirche, die Liebe Gottes glaubwürdig zu verkünden, zum Schaden gereichen. Diese Faktoren müssen korrigiert werden – um des Evangeliums Jesu Christi willen.

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de


Der Synodale Weg im Bistum Erfurt

Eindrücke vom Informationsabend am 05.12.2019

Information - Diskussion - Beteiligung: Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland

Mit Prof. Dr. Julia Knop, Dogmatikerin an der Universität Erfurt, Dr. Ulrich Neymeyr, Bischof von Erfurt, Wolfgang Klose, Vizepräsident des ZdK, Dr. Michael Karger, Büro Synodaler Weg und Alois Wolf, Katholikenrat im Bistum Erfurt.

 

 

Bilder: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de

Beteiligung
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www.synodalerweg.de/ihre-stimme-zum-synodalen-weg


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Gebet für den synodalen Weg

Den Gebetszettel finden Sie in den Materialien zum Synodalen Weg.
www.synodalerweg.de/materialien