„Ich glaub‘, ich war noch nie so aufgeregt“

Bewegender Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. auf dem Erfurter Domplatz

PapstmesseErfurt. Anja Reith zieht fröstelnd die Schultern hoch und vergräbt ihr Gesicht in ihrem dicken schwarzen Schal. Die Studentin ist Helferin beim Papstbesuch in Erfurt. „Ich bin seit 3 Uhr hier“, sagt sie, „ab 5 Uhr wurden die Pilger auf den Domplatz gelassen, wir haben die Karten verteilt.“ Die Stimmung sei gut, beschreibt sie. „Ich will rein, ich will rein“ – das habe sie heute schon öfter gehört. „Die Pilger freuen sich“, sagt Reith, „so etwas erleben sie natürlich nicht alle Tage.“

In wenigen Minuten wird der Heilige Vater in seinem Papamobil an diesem Samstagmorgen, 24. September, auf den Domplatz fahren. Zahlreiche Menschen stehen an den Absperrungen, halten die weinroten, grünen und gelben Pilgertücher bereit. Auch Josephine Lippach aus Erfurt ist da. „Ich war noch nie so aufgeregt“, sagt sie mit einem Lachen. „Das ist ein einmaliges Erlebnis und man kann später sagen: Ich war dabei.“

Dann kommt er. Aufgeregt strecken viele ihre Kameras in die Höhe, versuchen einen Blick auf das Kirchenoberhaupt zu erhaschen und den Moment festzuhalten. Ein Mann hievt sein kleines Kind auf seine Schultern. Einige stellen sich auf ihre Klapphocker. Sogar ein älterer Mann tut das, wird dabei von seinen Kollegen gestützt. Da, wo das Papamobil vorbei fährt, jubeln die Menschen, winken mit den Tüchern, schwenken kleine, gelb-weiße Fähnchen. Überschwänglicher Beifall und ausgelassene Stimmung, wie man es zum Beispiel vom Weltjugendtag kennt, bleibt aber aus.

Lothar Kühn ist am Morgen aus dem 50 Kilometer entfernten Donndorf nach Erfurt gekommen. „Es ist ein schönes Erlebnis, den Papst von so nah zu sehen“, sagt er, „damit habe ich nicht gerechnet.“

Rund 30.000 Gläubige feiern vor der Kulisse des Mariendomes den Gottesdienst. Als sie das „Lobe den Herren“ singen, brechen die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Der Papst scheint einen guten Draht zum heiligen Petrus zu haben. Erfurts Bischof Joachim Wanke begrüßt den Papst. „Wir danken Ihnen für Ihr Kommen“, sagt er – und löst damit Jubel aus.

Bei Ursula Michalke und Martha Noack aus Regensburg ist die Stimmung trotz Sonnenschein und Papstbesuch etwas getrübt. Sie sind mit 60 Frauen der Marianischen Frauenkongregation hier. „Wir durften unsere Fahne nicht mit auf den Platz bringen, obwohl sie angemeldet war“, sagen sie. „Die ist jetzt in der Bücherei und wird von der Polizei bewacht.“ Durch diese Umstände seien die Frauen nun von ihrer Gruppe getrennt. „Es ist Schicksal“, sagt Michalke. „Der Heilige Vater ist Regensburger. Da freuen wir uns immer. Er weiß sicher, dass wir hier sind.“

Maria Stehling ist aus der Röhn zum Gottesdienst gekommen. Sie hat ein Fernglas dabei und schaut damit von Zeit zu Zeit zur Altarinsel herüber. „Wir sind nicht so nah dran“, bedauert sie, „ich hätte auf einen Baum gemusst, wie der Zöllner Zachäus.“ Ihr Mann Willi nickt zustimmend. „Die Bühne hätte einen Meter höher sein müssen. Leider sehen wir die Köpfe nicht.“

Dennoch: Die Stimmung unter den Pilgern ist gut. Während die einen den Gottesdienst auf der Leinwand verfolgen, lesen andere konzentriert in dem Begleitheft. Sie singen gemeinsam, beten, freuen sich an den Gesängen und Texten.

Gegen 10.45 Uhr endet der Gottesdienst.„Mir hat vor allem der Gesang der Chöre gefallen“, sagt Angelika Jacob, „das war sehr schön.“ Doch eines bedauert die Erfurterin: „Dass viele Texte auf Latein gebetet wurden.“ Gerade für eine Veranstaltung, an der auch evangelische Christen teilnehmen, sei das sehr schade. „Wir sollen zu den einfachen Menschen gehen“, sagt Jacob, „zu den Armen – nicht zu den Professoren.“ Mit lateinischen Texten sei es schwer, die Menschen zu erreichen.

Zum feierlichen Abschluss des Gottesdienstes läutet die Gloriosa, dazu spielt die mächtige Dom-Orgel. Während die Messdiener mit ihren roten Sitzkissen dem Papst hinterher winken, verlassen die Gottesdienstbesucher den Domplatz. Ein kleines Kind nimmt seine Mutter an die Hand: „Komm Mama, jetzt ist es zu Ende, jetzt gehen wir.“

Text und Bilder: Katharina Deuling (kd) und Bernhard Schweßinger (bs)

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