Thüringen im Blickpunkt

Beitrag von Bischof Joachim Wanke für die Thüringer Allgemeine

Bischof Joachim Wanke, Bistum ErfurtEs ist üblich, dass an Autobahnen Hinweisschilder aufgestellt werden, welche die Autofahrer auf besondere Sehenswürdigkeiten einer Stadt oder Region aufmerksam machen. So ist es auch im Umfeld des Erfurter Kreuzes. Dort finden sich an der A 4 einen Hinweis auf Dom und Sever und an der A 71 zum Augustinerkloster.

Manchem Durchreisenden mögen diese Hinweise Anlass sein, einmal in Erfurt Station zu machen, um die Stadt ein wenig kennen zu lernen. In diesem Jahr ist es ein prominenter Gast, der in Thüringen Station machen will, Papst Benedikt XVI. Die Vorbereitungen auf seine Visite in der kommenden Woche sind nahezu abgeschlossen. Auf dem Besuchsprogramm des Gastes aus Rom stehen der Domberg, das Augustinerkloster und der Wallfahrtsort Etzelsbach im Eichsfeld, in der Nähe von Leinefelde. Gern hätte ich dem Papst noch einiges mehr von unserem schönen Thüringen gezeigt, doch dafür reicht die Zeit nicht. Aber manches ist ihm von früheren Besuchen her nicht unbekannt, so etwa die Klassikerstätten in Weimar und Jena.

Bei meinem letzten Besuch im Vatikan hat sich Papst Benedikt sehr interessiert an Thüringen und den anderen neuen Bundesländern gezeigt. Ich konnte ihm manches von der hiesigen Situation berichten, von den Herausforderungen, die sich für Kirche und Seelsorge nach der friedlichen Revolution ergeben, von der Freude der Menschen über Mauerfall und Reisefreiheit, aber auch von ihren Anstrengungen, aus den neuen Möglichkeiten etwas zu machen.

Der Papstbesuch wird Thüringen in den Blick der Weltöffentlichkeit rücken. Darüber freue ich mich. Denn was hier in den letzten zwei Jahrzehnten geschehen ist, verdient Aufmerksamkeit und Anerkennung weit über Deutschland hinaus. Die friedliche Revolution ist ein Beispiel dafür, dass es gelingen kann, politische Unfreiheit zu überwinden und gesellschaftliche Fesseln aufzubrechen – und dies ohne Blutvergießen und ohne Gewalt. Viele Völker warten noch darauf.

Ich gebe zu: Hierzulande ist nicht das Paradies ausgebrochen. Es braucht auch heute Kraft und Mut, das Leben zu meistern. Ohne diesen Willen und die Bereitschaft, an einer gerechten und solidarischen Gesellschaft mitzuwirken, kann es keine gute Zukunft geben.
 
Für mich als gläubiger Christ ist Gott ein anderer Name für Zukunft. Wo Menschen an eine gute Zukunft glauben und sich dafür – trotz aller Schwierigkeiten – einsetzen, berühren sie den Gott, mit dem Jesus Christus uns bekannt gemacht hat. Das möchte ich dem Papst als Botschaft mitgeben: Thüringen hat mehr "Gläubige" als die Kirchen in ihren Karteien. Ich meine, er wird sich darüber freuen.


Erschienen in der Thüringer Allgemeinen vom 17.9.2011



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