Katholische Jugend im Bistum Erfurt freut sich auf den Papstbesuch

Jugendliche formulieren Kirchenträume

Jubelnde JugendlicheNicht nur die 140 Jugendlichen aus dem Bistum Erfurt, die im August beim Weltjugendtag in Madrid ihre grünen T-Shirts mit der Aufschrift „Benedikt, wir seh’n uns zweimal!“ trugen, freuen sich auf den anstehenden Papstbesuch. Viele junge Christen darüber hinaus werden als Programmmitgestalter, freiwillige Helfer, Ministranten oder Besucher an den beiden Gottesdiensten in Etzelsbach und Erfurt beteiligt sein. Sieben engagierte Jugendliche werden dem Papst persönlich ein kleines Holzkreuz und ein Weltjugendtags-T-Shirt überreichen sowie ein Buch, in dem Träume, Anregungen und Ideen zur Zukunft der Kirche dokumentiert sind, die Jugendliche aus dem Bistum Erfurt in den letzten Monaten aufgeschrieben haben.

„Dass der Papst mit seiner Person die Weltkirche in unsere Thüringer Diaspora bringt, freut uns sehr und stärkt unseren Glauben. Wir empfinden seinen Besuch hier in den neuen Bundesländern als Wertschätzung für unser kirchliches Leben in einem besonderen Umfeld. Gleichermaßen würdigt Benedikt XVI. auf diese Weise den Aufbau freiheitlich-demokratischer Strukturen nach der friedlichen Revolution in Ostdeutschland. Dafür wird sich die katholische Jugend auch weiterhin in Politik und Gesellschaft einsetzen.“, so Mechthild Herzog, Diözesanvorsitzende vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Bereits eine Woche bevor Papst Benedikt nach Thüringen kommt, stimmen sich die Jugendlichen aus dem Bistum Erfurt mit einem Jugend-Glaubensfestival auf diesen Besuch ein. Am 16. September erleben sie unter dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ einen Abend in Heiligenstadt (Eichsfeld). Nach einem musikalischen Auftakt mit der Band „fullstepdown“ können sie an verschiedenen Orten eine Papst-Zeitreise als Laienspiel verfolgen, Filme anschauen, Elemente der „Church Party“ erleben oder sich zu Anbetung und Lobpreis versammeln. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, im GlaubensMobil, einem rapsgelben Kleinbus des Bonifatiuswerkes, über ein aktives und bewusstes Christsein ins Gespräch zu kommen. Begleitet von Weihbischof Reinhard Hauke und der Trommlergruppe „Xigubo“ wird anschließend bei einer Prozession durch die Innenstadt ein vier Meter großes Holzkreuz getragen. Dieses wurde extra für den Papstbesuch geschaffen, bei der Jugendwallfahrt im Juni gesegnet und seitdem bei verschiedenen Anlässen im Bistum Erfurt an unterschiedlichen Orten aufgestellt. Ein Open-air-Konzert der Band „Princess Jo“ beschließt dann den Abend.

Plakat zum Jugendglaubensfestival in HeiligenstadtBei den beiden großen Gottesdiensten mit dem Papst in Etzelsbach (Marianische Vesper am 23.09.) und Erfurt (Eucharistiefeier am 24.09.) werden hunderte Jugendliche als Mitgestalter der Vorprogramme, als freiwillige Helfer, als Träger von Verbandsbannern oder als gläubige Teilnehmer dabei sein. Jeweils 500 Meßdiener sind an beiden Orten in liturgischer Kleidung präsent. Sieben Jugendliche, die sich in katholischen Jugendgruppen vor Ort, in Jugendverbänden oder bei der Bistums-Jugendseelsorge ehrenamtlich engagieren, wird eine besondere Ehre zuteil. Sie werden zu Beginn der Vesper in Etzelsbach dem Papst drei Gegenstände überreichen. Das ist zum einen ein grünes T-Shirt, wie es auch die Mitglieder der Erfurter Bistumsgruppe beim Weltjugendtag in Madrid getragen haben. Weiterhin wird ein kleines Holzkreuz an Benedikt XVI. überreicht, das eine Miniaturausgabe des großen Kreuzes ist, welches von einem Eichsfelder Künstler speziell für den Papstbesuch geschaffen und in den letzten Monaten durch das Bistum Erfurt getragen wurde. Das dritte Geschenk an den Papst ist schließlich ein Buch, wo etwa 100 junge Christen aus Thüringen ihre Träume aufgeschrieben haben, wie sich die katholische Kirche in den nächsten 15 Jahren weiterentwickeln sollte.

Diese Träume beziehen sich vor allem auf die institutionelle Verfasstheit der Kirche, die Einheit aller Christen, die wertestiftende und –bewahrende Rolle der Kirche sowie die Gestaltung der Kirchenräume und Gottesdienste. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die Jugendlichen durchaus Veränderungen wünschen. Kirchliches Leben sollte beispielsweise noch ansprechender für junge Gemeindemitglieder werden durch mehr auf sie zugeschnittene Angebote und Gottesdienstformen sowie durch eine größere Beteiligung bei deren Gestaltung. Andererseits dürfe die Kirche aber auch nicht vorschnell Traditionen und Wertvorstellungen aufgeben und jede Mode einfach mitmachen. Auffallend vielen Teilnehmern an dieser Umfrage war es ein großes Anliegen, dass die Einheit der Christen und der dafür nötige ökumensiche Dialog vorangebracht werden. Auch das aus dem Glauben erwachsende Engagement in der Gesellschaft bleibe für die Glaubwürdigkeit der Kirche sehr wichtig.

Programm für das Jugendfestival am 16. September in Heilbad Heiligenstadt:

19.00 Uhr     
Ankommen: auf dem Friedensplatz
(Musik auf der Bühne mit der Band „fullstepdown“ / Getränke- und Essensangebot)

19.50 Uhr     
Eröffnung: auf dem Friedensplatz
(Begrüßung / Organisatorisches / Infos über Angebote und Ablauf)

20.15 Uhr
Verschiedene Angebote:
- St. Marien: Anbetung, Musik, Weltjugendtags-Erinnerungen
- St. Martin: Curch Party – Elemente in Workshop-Form
- Marcel-Callo-Haus: Kino – 2 Kurzfilme, anschl. Filmgespräch
- Klostergarten oder St. Ägidien: Papst-Zeitreise
- Friedensplatz: GlaubensMobil des Bonifatiuswerkes

22.00 Uhr     
Treffen aller: in St. Marien
- gemeinsames Gebet
- Prozession mit dem „Papstkreuz“ durch die Stadt (begleitet von Trommelmusik, hin zur Villa Lampe)

22.45 Uhr     
Konzert: mit der Band „princess jo“
(ehemals „ten shoes“) auf dem Gelände der Villa Lampe


Auszüge aus einigen „Kirchenträumen“ der Jugendlichen (auf deren Wunsch - anonym)

„Ich träume davon, dass ein Nichtchrist auf meine Anfrage hin sagen kann, warum er jeden Sonntag frei hat, welchen tieferen Sinn Ostern und Weihnachten haben und warum zu diesen Anlässen soviele Menschen zur Kirche gehen.“

„Ich träume von Friedensstiftern, die hinschauen und nicht wegsehen, von einer Liturgie, die auch Ungläubige ergreift und von einer Lehre, die sich nicht nur auf Alteingesessenes versteift.“

„Ich träume von einer Kirche, die trotz oft erfahrbarer Kritik, nicht jede Mode mitmacht. Orientierung an Christus, dem Herrn kann nicht zum Verhängnis werden.“

„Ich träume von einer Kirche mit echter Barmherzigkeit, in der Menschen mit Biographiebrüchen nicht ausgegrenzt oder nachrangig behandelt werden. Sie leiden ohnehin schon unter der Last des Scheiterns und müssen damit leben, wenn z.B. Ja-Worte von Ehepartnern, Priestern oder Ordensangehörigen Veränderung erfahren.“

„Ich träume davon, dass Christen die Liturgie aus dem Gottesdienst mit in ihren Alltag nehmen, dass sie damit sich selbst und Stück für Stück ihr Leben ändern.“

„Ich träume davon, dass die Kirche aufwacht, wo Fremde nach ihr rufen und suchen, wo sie in Strukturen erstarrt, steif und unbeweglich geworden ist. Ich träume davon, dass sich die Kirche einmischt, wo die Menschenwürde bedroht ist, wo verschwendet wird, wo Unrecht geduldet wird.“

„Ich träume davon, dass die Kirche und wir Christen uns auch weiterhin für Frieden und Gerechtigkeit auf der Welt einsetzen und nach dem Bibelspruch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ leben.“

„Ich träume von einer Kirche, die sich auf das Wesentliche besinnt, vom Papst als Garant für die Einheit der Weltkirche, von vollen Beichtstühlen, Heiligen Messen und verwurzelten Gläubigen. Ich träume davon, dass wir Katholiken uns auf Christus hin ausrichten, von Lebensentwürfen, die Zeugnis sind für die Menschen und von einem Glauben, der in Gefühl und Vernunft lebt.“

„Ich träume von einer Kirche, wo der scheinbar nie enden wollende Wettkampf zwischen protestantischer und katholischer Kirche ein für beide „Seiten“ akzeptables Ende nimmt. Dasselbe gilt auch für unsere Schwestern und Brüder der Orthodoxen Kirche.“

„Ich träume von einer Kirche, die sich stärker der Jugend anpasst, mehr Licht in den Kirchenbau hineinlässt und modernere Lieder im Gottesdienst verwendet. Es sollte aber nicht der katholische Glauben und die kirchlichen Feiertage mit ihren tiefen Geheimnissen verloren gehen.“

„Ich träume von einer Kirche als Gemeinschaft, die vom Gebet getragen und zusammen-gehalten wird. Die Hauptamtlichen tragen nicht nur Sorge dafür, das „es läuft“, sondern verschiedenen Gemeindemitgliedern wird zugetraut, dass auch in ihnen Gottes Geist wohnt.“


Bezüglich der Gottesdienstgestaltung träumen verschiedene Jugendliche von Änderungen wie: Auflockerungen unter Bewahrung der Tradition; weltzugewandtere Predigten; Diskussionen der Gemeindemitglieder im direkten Anschluss an die Predigt; andere (modernere) Musik; das Gotteslob als E-Book; eine stärkere Einbindung der Kinder; mehr Fröhlichkeit und Lebendigkeit; insgesamt mehr Abwechslung.

www.jugend-im-bistum-erfurt.de


Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung vom Referat Jugendseelsorge und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Erfurt



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