Mann in Weiß

Beitrag von Weihbischof Reinhard Hauke in der Thüringer Allgemeinen vom 16. Juli 2011

Papst Benedikt XVI.Weiß ist eine Farbe, die zu allem passt. Es ist auch eine sehr empfindliche Farbe, denn man sieht jeden Fleck darauf. Es ist auch eine Farbe, die an Reinheit und Helligkeit erinnert.

Der Papst hat eine weiße Soutane – ein weißes Gewand. Ich kann nicht sagen, seit wann es diese Farbe für den Papst gibt, aber es ist schon eine alte Tradition. Die Purpurfarbe der Kardinäle erinnert an ihren Auftrag, bis zum Blut den Glauben zu verteidigen – wir können auch sagen: Ihr ganzes Herzblut für die Verbreitung des Evangeliums sollen sie geben. Das Violett der Bischöfe erinnert mich an die Fasten- und Adventszeit: Hier bereiten wir etwas vor: das Fest von Ostern und Weihnachten. Bischöfe sollen auf das kommende Fest der Begegnung mit Gott einladen – so würde ich es deuten. Ich weiß natürlich, dass die Bischofsfarbe im Mittelalter grün war. Deshalb sind die Troddeln auf den Wappen der Bischöfe auch grün. Und die Pfarrer tragen schwarz: Es ist eine festliche Farbe, die im Mittelalter auch sehr teuer war. Im Schwarz ist der Pfarrer für Beerdigung und Hochzeit immer gut gekleidet.

Das Weiß des Papstes werden wir im September in Erfurt und Etzelsbach sehen. Darf ich es so deuten: Er möchte gern mit allen anderen Farben gut harmonieren? Er bekommt aber oft auch allen Schmutz ab, den andere verursachen. Der Papst aber ist dann immer Schuld! Der Dienst des Papstes ist schon seit Clemens I (Papst in Rom von 92-101 n. Chr.) ein Dienst des "Brückenbaus" - darum nennt man ihn auch "Pontifex", denn schon Papst Clemens sorgte dafür, dass sich die Christen in der Stadt Korinth wieder miteinander vertragen haben. Sie hatten einen Streit darüber, ob ihr Bischof in Korinth streng sein darf. Wegen seiner Strenge hatten sie den Bischof davon gejagt. Clemens sagte ihnen: "So geht das nicht!" Die Korinther haben sich danach gerichtet.

Die Liste der Interessenten für die Begegnungen mit dem Papst in Deutschland und auch hier bei uns in Thüringen ist lang. Nicht nur Christen wollen ihm die Hand geben oder wenigstens sehen, sondern auch Bürgerinnen und Bürger in Erfurt und in Etzelsbach, die sonst wenig mit Kirche zu tun haben. Der Papst ist aufgrund seiner Bedeutung für die Welt interessant. Viele erwarten von ihm gute Worte, die uns als Gesellschaft weiterhelfen. Vermutlich wird er auch für das danken, was nach 1989 an Neuem aufgebrochen und gewachsen ist. Besonders zu danken wäre ja für die Möglichkeit der Kirche, in der Öffentlichkeit über den christlichen Glauben zu erzählen – wie ich es auch mit diesem Artikel tun darf.

Mein Wunsch ist, daß auch alle, die sich nicht freuen wollen, doch von der verbindenden Aufgabe des Papstes etwas wissen. Wer vor Gott für über 1 Milliarde katholischer Christen verantwortlich ist, der könnte eigentlich kaum ein Auge schließen. Weil der Papst aber auch weiß, dass er "nur" ein "Servus Servorum Dei" – ein "Diener der Diener Gottes" ist, hoffen wir, dass er bei uns in Erfurt ruhig schlafen wird.



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