Eine Urnenbegräbnisstätte für Christen und Nichtchristen

In der katholischen Allerheiligenkirche in Erfurt

Grafik einer Urnen-SteleAnsprechpartner: Dompropst (bitte anklicken!)

Tod und Leben – nichts scheint gegensätzlicher zu sein, und doch gehören beide untrennbar zusammen. In der Erfurter Allerheiligenkirche ist dies seit September 2007 augenscheinlich.

Die katholische Kirche inmitten der pulsierenden Altstadt wird wieder als Begräbnisstätte genutzt. Das Domkapitel des Mariendomes, zu dessen Pfarrei die 1117 gestiftete Kirche heute gehört, hat damit eine Jahrhunderte alte Tradition belebt, von der Grabmale im Kirchenraum und an der Umfassungsmauer steinernes Zeugnis ablegen.

Doch es geht nicht einfach um eine Fortsetzung der Tradition. Im Nordschiff der Kirche befindet sich nach einer mehrjährigen Sanierung ein Kolumbarium, also eine Begräbnisstätte für Urnen, und hier können neben Katholiken auch Christen anderer Konfessionen und Nichtchristen bestatten werden. Einzige Voraussetzung ist das Einverständnis mit der gegebenen Gestaltung der Allerheiligenkirche und des Kolumbariums.

Mit der Konzeption einer Kirche als Begräbnisstätte will das Domkapitel die Begräbniskultur fördern und aus christlicher Perspektive gestalten. Dazu gehört unaufgebbar, die christliche Auferstehungshoffnung aufscheinen zu lassen und lebendig zu halten.

Die Planungen für das Kolumbarium mussten das berücksichtigen. Zwei Künstler und drei Architekturbüros waren in einem Wettbewerb um ihre Entwürfe gebeten worden. Durchgesetzt hat sich der Wettbewerbsbeitrag der Erfurter Künstlerin Evelyn Körber, die das Kolumbarium im Nordschiff als ein Feld von 15 Stelen mit insgesamt 630 Urnenfächern entworfen hat.

Die Künstlerin gestaltete die Stelen mit hellem leicht rötlich geäderten Thüringer Kalkstein, während die Frontplatten der Urnenfächer aus sandgestrahltem Glas bestehen. Durch das Glas, das auch die inneren Trennwände bildet, kann das Licht in der Kirche aufgenommen und in das Innere der Stelen geleitet werden. Die Urnen sind so schemenhaft hinter dem Glas wahrnehmbar.

Jedes Fach ist mit dem Namen des Verstorbenen beschriftet. Es können auch größere Fächer für mehrere Urnen gebildet werden, etwa als Familiengrabstätte. Die Liegezeit beträgt 20 Jahre, die Friedhofsgebühr für diesen Zeitraum belaufen sich auf 1.000 Euro.

Das Kolumbarium in der Erfurter Allerheiligenkirche (katholisch)


Zwischen den Stelen können sich die Trauernden und Angehörigen aufhalten und ihrer Verstorbenen gedenken. Die gesamte Anlage ist zu den Fenstern im Osten hin ausgerichtet, wo Geburt und Kreuzigung Jesu Christi dargestellt sind. Für die alte Kirche war das Gebet in Richtung des Sonnenaufgangs ein Glaubensbekenntnis an Jesus Christus, der das österliche Licht in die Welt gebracht hat.

Im Südschiff der Allerheiligenkirche, neben der Urnenanlage, werden Gottesdienste gefeiert – und das nicht nur an Begräbnistagen. Denn jeder Gottesdienst ist eine Feier des Lebens. Zwar lebt jeder Mensch mit der Perspektive des Todes. Christen wissen aber um eine Hoffnung, die den Tod nicht als endgültige Vernichtung menschlicher Existenz begreift: die Auferstehung der Toten durch Gott. Auch das soll durch die Anlage der Kirche inmitten der Stadt und ihre Gottesdienste deutlich werden.

Trauerfeiern für Nichtchristen werden von der Domgemeinde in Absprache mit den Angehörigen gestaltet.

Hinweise des Erfurter Domkapitels zum Kolumbarium (bitte anklicken!)

[ Hinweis: Zur Zeit sind alle 630 Urnenfächer vergeben ]



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