Dank für Gottes Segen und das Mühen der Bauern

Predigt von Bischof Ulrich Neymeyr im Ökumenischen Gottesdienst beim Landeserntedankfest am 30. September in Apolda


Obst und Gemüse in Hülle und Fülle


Predigttext: „Amen, amen, ich sage Euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Johannes 12,24)


Meine lieben Schwestern und Brüder im Herrn,

in der Bibel gibt es sehr viele Bezüge auf das, was Sie als Bauern tun: Auf das Pflanzen und Gießen, auf das Fruchtbringen und auf die Ernte. Auch Jesus kommt in seinen Gleichnissen immer wieder auf das Wachsen und Reifen in der Natur zu sprechen, auf die Tätigkeit der Bauern und auf die Früchte, die ihre Arbeit bringt.

Obwohl Jesus als der Sohn des Zimmermanns bezeichnet wurde, ist von ihm nichts überliefert, was mit der Arbeit der Handwerker zu tun hat. Verschiedentlich spricht er vom Fischfang und von der Arbeit der Fischer, was wohl daher kommt, dass seine Jünger – also die Männer, die ihn begleiteten – in der Regel Fischer waren. Dass er so häufig auf das zu sprechen kommt, was mit der Landwirtschaft zu tun hat, liegt sicher daran, dass er bei seinen langen Fußwegen durch Israel das Wachsen der Pflanzen, die Tätigkeit der Bauern und das Ernten der Früchte beobachtet hat.

Jesus geht sogar so weit, dass er sein eigenes Leben, man könnte auch sagen seine Mission, mit einem landwirtschaftlichen Vorgang vergleicht, nämlich mit dem Aussäen des Weizens. Jesus war aufgefallen, dass die Weizenkörner unverändert daliegen und sich überhaupt nichts mit ihnen tut, solange sie nicht in die Erde ausgesät werden. Sie können jahrelang in einer trockenen Scheune liegen.

Wenn ein Weizenkorn dann in die Erde eingesät ist, treibt es eine Pflanze und bringt, wenn es gut geht, Frucht. Jesus hat aber auch beobachtet, dass damit die Geschichte des Weizenkorns zu Ende ist. Nicht zu Unrecht sagt er, dass es stirbt, wenn es in die Erde fällt. Dann hat er aber auch gesehen, dass es dann nicht alleine für sich liegen bleibt in einer ruhigen Existenz, sondern dass es Frucht bringt. So hat Jesus sein eigenes Leben, seine Sendung gesehen: Er ist nicht in der Herrlichkeit des Himmels geblieben.

Als Christen glauben wir, dass Jesus aus der Welt und Wirklichkeit Gottes in unsere Menschenwelt gekommen ist. Die Welt und Wirklichkeit Gottes können wir uns nur als ewige Glückseligkeit, als vollkommene Zufriedenheit und höchste  innere Ruhe vorstellen. Diese Welt hat Jesus verlassen und sich eingemischt in unsere Menschenwelt. In vielen Gleichnissen hat er versucht, den Menschen etwas vom Wesen Gottes nahe zu bringen und mit seinem Leben hat er ein Vorbild gegeben, wie Gott eigentlich den Menschen gedacht hat. Er hat sein eigenes Leben zum Vorbild für alle gemacht: „Liebt einander so, wie ich Euch geliebt habe.“ (Joh 15,12). Er ist damit zu einem lebendigen Vorwurf geworden, vor allem für diejenigen, die sich als besonders fromm und gottesfürchtig vorkamen. Sie konnten seinen Anspruch, aus der Welt Gottes zu kommen, nicht akzeptieren und löschten ihn aus. So ist Jesus buchstäblich wie ein Weizenkorn nicht nur in die Menschenerde gekommen, sondern ist darin auch gestorben.

Für uns als Christen bedeutet das Vorbild Jesu, dass wir uns einmischen in unsere Welt und Gesellschaft, dass wir uns nicht in die Glückseligkeit berauschender Gottesdienste in prachtvollen Kirchen zurückziehen, sondern daraus die Kraft schöpfen, mitzubauen an einer Zivilisation der Gerechtigkeit und des Friedens. Wir mischen uns unter diejenigen, die dieselben Ziele haben, auch wenn sie möglicherweise andere Motivationen haben. Manche Hilfsprojekte für die zu uns geflüchteten Menschen wurden von Christen initiiert und es machen viele mit, die keine Religion haben, oder Christen beteiligen sich an Projekten, die von anderen ins Leben gerufen wurden.

Wir mischen uns aber nicht nur mit dem ein, was wir tun, sondern auch mit dem, was wir sagen. Manchmal wird vor allem den Bischöfen vorgeworfen, sie sollten sich nicht zu politischen Fragen äußern. In der Regel äußern sich diejenigen, die von bischöflichen Stellungnahmen kritisiert werden.

Sicher ist es geboten, sich aus dem parteipolitischen Ringen herauszuhalten, aber Grundsätzliches darf und muss mitunter schon aus dem Geist des Evangeliums heraus gesagt werden. So sagen wir zum Beispiel gelegentlich, dass die Landwirtschaft sorgsam mit der Umwelt, die für uns die Schöpfung Gottes ist, umgehen möge. Dem entspricht aber auch, dass wir darauf hinweisen, dass billige Früchte und billiges Fleisch solchen Standards nicht genügen können.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ermuntert seit Jahren seine jungen Mitglieder zum sogenannten kritischen Konsum. So lernen Jugendliche regionale Produkte schätzen. Sie entwickeln Bedenken gegenüber Früchten, die in Flugzeugen über den halben Globus geflogen werden und entscheiden sich eher für saisonale Produkte und interessieren sich dafür, wie diese Früchte gewachsen sind. Wenn sie dann dafür bereit sind, dafür auch mehr zu bezahlen, unterstützen sie nachhaltige Landwirtschaft. Wir freuen uns über alle Bauern, die trotz ökonomischer Zwänge auch ökologische Aspekte berücksichtigen.

Wir freuen uns sehr, dass ein ökumenischer Gottesdient zum festen Bestandteil des thüringischen Landeserntedankfestes geworden ist. Gerade Bauern wissen, dass nicht alles von ihrer Kunst und von ihrer Arbeit abhängt, sondern vieles vom Wetter und anderen Faktoren abhängig ist, die wir Menschen nicht in der Hand haben.

So erfahren wir uns in der Hand eines Größeren, den wir Christen als Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verehren und dem wir heute von Herzen Dank sagen für alle Früchte der Erde, die wir seinem Segen und der Mühe der Bauern zu verdanken haben.

05.10.2017

Predigt von Bischof Ulrich Neymeyr im Ökumenischen Gottesdienst beim Landeserntedankfest am 30. September in Apolda



Impressum | Sitemap | Kontakt
powered by St. Benno-Verlag