In Brot und Wein

Predigt von Bischof Ulrich Neymeyr bei der Wallfahrt nach Walldürn am 14.Juni 2017

Zwei Hände halten Kelch und Hostienschale in die HöheMeine lieben Schwestern und Brüder im Herrn,
Sie haben sich zur Wallfahrt zum Heiligen Blut nach Walldürn aufgemacht.

Jesus Christus wurde als Verbrecher hingerichtet, obwohl er ohne Sünde war. Er hat sich bis zum Äußersten in unsere Menschlichkeit und Unmenschlichkeit hineinbegeben, um uns das Angebot der Erlösung zu machen. So wurde sein Blut für alle vergossen, die die Erlösung durch Jesus Christus in Umkehr und Glaube annehmen. In der Feier der heiligen Eucharistie werden wir immer wieder neu in das Erlösungsgeschehen einbezogen.

Für uns als katholische Christen ist es ein wichtiger Bestandteil unserer Beziehung zum auferstandenen Herrn Jesus Christus, dass wir glauben, dass die Eucharistiefeier nicht nur ein Erinnerungsmahl von symbolischer Bedeutung ist, sondern dass unter den Gestalten von Brot und Wein Jesus Christus mit Leib und Blut unter uns gegenwärtig ist. Den Glauben an die Realpräsenz Jesu Christi bei der Feier des Abendmahles teilen auch viele unserer evangelischen Mitchristen. Allerdings ist ihnen der Glaube an die bleibende Realpräsenz eher fremd. Für sie ist Jesus Christus nur in der Feier des Abendmahles unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig, aber nicht darüber hinaus. Deswegen braucht es auch keinen Tabernakel, um übrig gebliebene Hostien aufzubewahren.

Der Wallfahrtsort in Walldürn ist insofern ein spezifisch katholischer Wallfahrtsort, weil wir hier die sogenannte bleibende Realpräsenz feiern, dass nämlich Jesus Christus unter den Gestalten von Brot und Wein leibhaftig gegenwärtig ist und bleibt.

Ein weiteres unterscheidet unser Eucharistieverständnis vom Abendmahlsverständ-nis der evangelischen Christen: Dem Heiligen Papst Johannes Paul II. war es ein grundlegendes Anliegen, mit seiner letzten Enzyklika, die er am 17. April 2003 veröffentlichte, das Verhältnis der Eucharistie zur Kirche zu betonen. Wenn wir die heilige Kommunion empfangen, wird uns nicht nur Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn Jesus Christus geschenkt, sondern auch Gemeinschaft mit seiner Kirche.

Papst Johannes Paul II. schreibt, dass „das eucharistische Opfer, wenngleich es immer in einer einzelnen Gemeinschaft gefeiert wird, niemals Feier nur dieser Gemeinde ist: Diese empfängt ja mit der eucharistischen Gegenwart des Herrn zugleich die ganze Heilsgabe und erweist sich so in ihrer bleibenden sichtbaren Einzelgestalt als Abbild und wahre Präsenz der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ (Nr. 39). Dieses Verständnis von Eucharistie und Kirche teilen auch die Kirchen der Orthodoxie, die die heilige Kommunion deswegen auch nur den Mitgliedern ihrer Kirche spenden. Auch den orthodoxen Christen ist es wichtig, sicher zu sein, dass sie die heilige Kommunion in einer Kirche empfangen, mit der sie in Kirchengemeinschaft stehen. Für die Christen, die zu uns geflüchtet sind, haben die Diözesen eigens Fachleute bestimmt, die sie in dieser Frage beraten.

Der schöne Gedanke der Zusammengehörigkeit von Gemeinschaft mit Jesus und Gemeinschaft mit der Kirche bei der Feier der heiligen Eucharistie hat auch eine wichtige Konsequenz für das Miteinander römisch-katholischer Kirchorte, das ja durch die Reform der pastoralen Strukturen in allen deutschen Diözesen nicht nur gefördert, sondern auch gefordert wird. In seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ schreibt Papst Johannes Paul II: „Eine wahrhaft eucharistische Gemeinschaft kann sich nicht in sich selbst zurückziehen, als ob sie sich selbst genügen könnte, sondern sie muss sich in Einklang mit jeder anderen katholischen Gemeinschaft halten“ (Nr. 39). So kann die Feier der Eucharistie zu einem großen Motor der Kooperation in der Pastoral werden und auch zu einer Wirklichkeit führen, zur Feier der heiligen Messe eine andere Kirche zu besuchen, als die gewohnte.

16.06.2017



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