„Dein Wort gibt mir Kraft“

Predigt von Bischof Ulrich Neymeyr bei der Elisabethwallfahrt am 10. Juni 2017

Hände mit Hostienschale und einer gebrochenen HostieMeine lieben Schwestern und Brüder im Herrn,
die diesjährige Elisabethwallfahrt steht unter dem Leitwort „Dein Wort gibt mir Kraft“.

In den biblischen Texten haben wir zwei Gottesworte gehört, die Menschen Kraft gegeben haben. Der Prophet Elija hörte sogar zweimal die Worte „Steh auf und iss!“. Als er dann Brot und Wasser neben sich sah, konnte er durch diese Speise und diesen Trank gestärkt seinen Weg zum Gottesberg Horeb fortsetzen und seine Berufung zum Propheten verwirklichen.
Im Evangelium hörten wir von dem Hauptmann aus Kafarnaum, der Jesus um die Heilung seinen gelähmten Dieners gebeten hat. Er hörte von Jesus die Worte: „Geh! Es soll geschehen wie Du geglaubt hast.“ Beide Worte haben Menschen in unterschiedlichen Situationen Kraft gegeben, sie haben ihren Glauben gestärkt und sie haben ihnen geholfen, den Weg ihres Lebens weiterzugehen.

Beide biblischen Erzählungen sind mit der Feier der Heiligen Messe verknüpft und weisen uns daraufhin, dass für uns die Feier der Heiligen Messe die Kraftquelle für unseren Glauben und für unser Leben ist:
Bei der Erzählung des Hauptmannes von Kafarnaum gibt es sogar eine wortwörtliche Verbindung. In jeder Heiligen Messe werden die Sätze des Hauptmannes wiederholt: „Herr, ich bin es nicht wert, dass Du mein Haus betrittst. Sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.“ (Mt 8,8). Diese Worte sind Ausdruck eines starken Glaubens, der sogar Jesus beeindruckt hat, sodass er sagte: „Einen solchen Glaube habe ich in Israel noch bei niemand gefunden.“ (Mt 8,10).

Wenn wir in der Heiligen Messe diese Worte des Hauptmannes wiederholen, dann üben wir uns in eine solche Glaubenshaltung ein. In aller Demut und Bescheidenheit gestehen wir ein, dass wir nicht zur Lebensgemeinschaft zu Jesus Christus fähig und würdig sind. Wir sind darauf angewiesen, dass er auf uns zukommt und uns das Geschenk der Erlösung macht. So erhoffen wir von Jesus, dass er uns nicht nur körperlich gesund macht, sondern dass er vor allem unsere Seele gesund macht. Wir beten: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund.“

Ich habe mich oft gefragt, was wohl dieses eine Wort sein könnte, das Jesus zu mir spricht, damit ich innerlich heil und gesund werde. Vielleicht ist es einfach mein Name, mit dem ich bei der Taufe und bei der Firmung im sakramentalen Geschehen von Jesus Christus angesprochen wurde. Wenn er mich in der direkten Begegnung unmittelbar mit meinem Namen anspricht, so geht davon sicher eine große heilende Kraft aus.

So ist es eine gute Schule, dass wir, bevor wir die heilige Kommunion empfangen, die Worte des Hauptmannes von Kafarnaum wiederholen und uns in seine Glaubenshaltung einüben. Jesus kann uns seine heilende Nähe schenken, auch wenn er nicht körperlich anwesend ist. Er hat ja den Diener des Hauptmannes auch aus der Ferne geheilt. Dies ist übrigens auch ein Ausdruck dafür, dass Jesus zu den Heiden, die keine Juden waren, auf Distanz blieb. Auch die Tochter einer syro-phönizischen Frau hat er aus der Ferne geheilt, ohne zu ihr nach Hause zu gehen. Die beiden einzigen Heilungswunder an Heiden sind Fernheilungen. Das lässt uns hoffen, dass der  heilende Wille Jesu sehr weit reicht.

Auch die Erzählung von Elija in der Wüste hat einen eucharistischen Hintergrund. Elija sah in seiner Verzweiflung neben sich Brot und Wasser und konnte, durch diese Speise gestärkt, seinen Weg fortsetzen. Für uns als Christen ist diese Speise, die uns Kraft gibt, der Leib und das Blut Jesu Christi. Nicht nur seine Worte geben uns Kraft. Er ist uns auch nahe in der Kraft der eucharistischen Speise, die uns bestärkt, trotz aller Widrigkeiten und Einschränkungen den Weg unseres Lebens weiterzugehen. Jedes Mal, wenn wir die heilige Kommunion empfangen, können wir die Worte des Herrn hören: „Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich.“ (1 Kön 19,7).

16.06.2017



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