Im Dienst an Gott und den Menschen

Predigt von Weihbischof Reinhard Hauke zur Diakonenweihe von Philipp Theuermann am 6. Mai  in Leinefelde, St. Maria Magdalena

Porträt Weihbischof Reinhard Hauke, ErfurtHic de virgine Maria Jesus Christus natus est – so lautet die Inschrift in der Geburtsgrotte in Bethlehem auf dem Silberstern, der den Ort der Geburt Jesu markiert.  „Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren.“ – Gott hat einen konkreten Ort ausgewählt, eine konkrete junge Frau, ein konkretes Land und eine konkrete Zeit, um Mensch zu werden und das Erlösungswerk zu beginnen, das in der Auferstehung und Himmelfahrt einen Abschluss findet und durch die Kraft des Heiligen Geistes am Pfingstfest wirksam wird.

„Hic est enim Corpus meum“ – das Wandlungswort über das Brot scheint ebenso einen Ort zu markieren, der schon im Abendmahlssaal in Jerusalem festgelegt wurde und immer dort sich wiederum zeigt, wo Brot und Wein auf dem Altar stehen und das lobpreisende Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Jesu begangen wird. Wiederum entstehen Orte, an denen Jesus Christus gegenwärtig und wirksam ist.

Die Kirche nennt darüber hinaus auch die Orte der Verkündigung des Evangeliums als Ort der Begegnung mit Jesus Christus und legt fest, dass es den Ambo geben muss im Kirchenraum, der auch festlich geschmückt sein soll, um anzuzeigen: Hier wird Jesus Christus erfahrbar. Ebenso sind die geweihten Amtsträger Diakon, Priester und Bischof in Dienst genommen, um die Christusbegegnung möglich zu machen, indem in ihrem Leben und in ihrer Lebensführung Gottes Nähe gespürt werden kann – ein Auftrag, der uns erschrecken lässt und den wir an jedem Tag nach Buße und Umkehr wieder mit Leben erfüllen müssen. Es geht nicht um eine Qualitätssteigerung mittels einer Weihe, sondern um eine höhere Indienstnahme, die Selbstlosigkeit und Selbstvergessenheit fordert – bis hin zum Zölibatsversprechen, das wir auch in diesem Weihegottesdienst von unserem Kandidaten Philipp Waschnig-Theuermann hören werden.

„Wo ich bin, dort wird auch mein Diener – mein diakonos – sein“ – sagte Jesus zu Andreas und Philippus. Auslöser dieser Frage war eine Bitte der Griechen an Philippus: „Herr, wir möchten Jesus sehen!“ Philippus geht zu Andreas und holt sich bei ihm Verstärkung für diese Bitte.  Als die Bitte nun Jesus vorgetragen wurde, antwortet Jesus mit dem Wort vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, um reiche Frucht zu bringen.  Jesus sehen wollen bedeutet auch, sich mit ihm im Leben und Sterben verbinden. Das Sehen fordert zu einer Tiefenerkenntnis heraus und damit zu einer Umkehr von den bisherigen Wegen, die egozentrisch waren. Das Leben in dieser Welt gering achten – das ist der Weg, um es für das ewige Leben zu bewahren. Der Diakon möchte ein Zeichen und Ansporn sein, sich auf den Weg zum ewigen Leben aufzumachen und das Ziel als lohnenswert zu erkennen. Oftmals hört man: Ein so junger und hübscher Mann, der doch so viel erreichen könnte, verspricht nun Ehelosigkeit und Gehorsam. Was hätte aus ihm werden können?“

Die Worte Jesu vom Geringachten des Lebens in dieser Welt wirken heute weltfremd und nicht nachvollziehbar. Sie erscheinen sogar gefährlich, weil ja dann der Mensch unfähig zu werden scheint, die Dinge dieser Welt anzupacken, um sie zum Guten hin zu verändern. Nun ist es gut, dass es genügend Beispiele aus Geschichte und Gegenwart gibt, die uns sagen:  Entschiedenheit für Jesus Christus wirkt sich auch segensreich für den Dienst in und an der Welt aus. Hier könnte ich jetzt die vielen Heiligen der Nächstenliebe aufzählen, die wir dann auch in der Allerheiligenlitanei hören: Elisabeth von Thüringen, Marcel Callo und der heilige Martin von Tours – um nur einige zu nennen. Wir können auch auf die Heiligen der Nächstenliebe schauen, die kürzlich bei der Straßensammlung in der Kälte um gute Gaben für die Beratungsstellen gebettelt haben, oder auch für die vielen Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsunterkünften, die in Deutschkursen den Geflüchteten helfen, sich durch die Sprachkenntnisse besser integrieren zu können. Auch möchte ich auf alle hinweisen, die im Verkündigungsdienst als Dienerinnen und Diener des Gotteswortes stehen und mit dem Einsatz aller Kräfte sich um Katechese und Religionsunterricht bemühen. Immer noch bin ich beeindruckt vom Einsatz italienischer und spanischer Ordensleute in Albanien, die ich in der Osterwoche besucht habe und die in Fier – südlich von Tirana – eine Berufsschule leiten, in der junge Albaner eine Berufsausbildung als Sekretärinnen, Computerfachleute, Mechatroniker und Dolmetscher bekommen. Die räumlichen Bedingungen waren ärmlich. Die Jugendlichen saßen in Mänteln und Jacken da, weil es kalt war und nicht geheizt werden konnte. Der Schulleiter Pater Bernhard engagierte sich mit 80 Jahren in dieser Schule, weil es ihm wichtig war, den jungen Menschen – Christen und Nichtchristen - eine Perspektive zu geben.  Mit dem christlichen Glauben und dem Bekenntnis der Ordensleute  wurde ein Ort der Gottesbegegnung geschaffen. „Wo ich bin, da wird auch mein Diener sein“. – oder anders gesagt: „Wo mein Diener ist, da bin auch ich da – Jesus Christus.“ Es ist jedoch auch gut, die textliche Reihenfolge der Worte Jesu zu beachten, die uns ja andeutet: Jesus ist zuerst am Ort der Begegnung und der Diener folgt ihm auf diesen Platz. Der Zeuge des Evangeliums schafft nicht selbst die Orte der Gottesbegegnung oder Jesusbegegnung, sondern sie sind schon da – eigentlich ist jeder Ort in der Welt schon durch Jesus Christus besetzt und wir machen uns dessen nur bewusst und weisen uns und auch andere darauf hin. Der lachende Esel am gotischen Krippenbild im Erfurter Dom, den schon viele Besucher gesehen und fotografiert haben, erinnert mich daran, dass auch schon die Tiere die Anwesenheit Gottes erspüren können und damit Worte der Psalmen anschaulich werden, die von der ganzen Schöpfung singen, die sich der Gegenwart Gottes bewusst ist.

Der Diakon darf durch die Spendung des Taufsakraments für das Kind oder auch den Erwachsenen  Gottes Kraft vermitteln und damit einen neuen Ort der Gegenwart Gottes schaffen – nämlich im Neugetauften.  Der Diakon darf bei der Spendung des Ehesakraments assistieren und das Ja-Wort des Brautpaares als Vertreter der Kirche entgegennehmen und den heiligen Bund bestätigen. Der Diakon wird den Kranken beistehen und sie durch die Spendung der heiligen Kommunion stärken und trösten. Der Diakon wird am Altar den Dienst am Buch und vor allem am Kelch vollziehen und Christus in der Gestalt des Weines den Gläubigen reichen, wenn es der Gottesdienstleiter so vorgesehen hat. Er steht ganz im Dienst Jesu Christi und weist durch seine Worte und Taten im Gottesdienst und Alltag auf Jesus Christus hin. Seine Eltern und Freunde werden zwar äußerlich gesehen dem gleichen jungen Mann begegnen, aber sie werden auch akzeptieren müssen, dass er nun im Auftrag der Kirche sein Leben gestaltet und nicht mehr Privatmann ist wie vor der Weihe. Es sollte diese neue Art der Begegnung für alle eine Bereicherung und Gnade werden, weil sie allen helfen möchte – auch den besonders Vertrauten -, Gott zu begegnen und sich auf ihn hin aufzumachen. Vielleicht muss irgendwann der Diakon sagen: „Ich muss jetzt los, denn es wartet noch eine kranken Frau auf mich.“ Oder:  „Ich muss jetzt los, denn morgen habe ich Religionsunterricht zu halten.“ Ich weiß, dass es dann auch Reaktionen des Unverständnisses geben kann, die den Diakon oder Priester traurig machen, weil  sein Eifer nicht verstanden wird. Was den Gläubigen gesagt wird, dass die Ehre Gottes an erster Stelle stehen soll im Denken und Handeln, das sollen die Geistlichen glaubwürdig vorleben an 24 Stunden des Tages. Die Glaubwürdigkeit wird zur Nachdenklichkeit führen und hoffentlich auch zur Zustimmung und Unterstützung des geistlichen Tuns.

Lieber Philipp, lieber Weihekandidat, die Pfarrkirche St. Maria Magdalena wird für Sie auf Zukunft hin ein Ort bleiben, an dem sich Ihr Leben an diesem 6. Mai 2017 verändert hat, weil aus dem jungen Mann Philipp Waschnig-Theuermann der Diakon und Kleriker Philipp Waschnig-Theuermann geworden ist. Der 16. Dezember 1978 – mein Weihetag zum Diakon im Erfurter Dom – damals zusammen mit 4 weiteren Mitbrüdern – ist bis heute für mich ebenso ein besonderes Datum, für das ich Gott dankbar bin. Es wurde an diesem Datum für mich ein Jugendwunsch erfüllt, der Kirche und Jesus Christus dienen zu können, indem ich den Gläubigen durch die Verkündigung und Sakramentenspendung in einer ersten Stufe  Christus vermitteln konnte. Das Herzklopfen bei der Predigt und der Weihe von Bischof Hugo Aufderbeck gehörte damals dazu, wie es sicherlich auch heute bei Ihnen sein wird. Aber die Freude hat überwogen und überwiegt bis heute bei aller Mühe im Alltag der Tätigkeit im Weinberg des Herrn. In Demut und Freude dürfen wir als Getaufte, Gefirmte und Geweihte sagen: Hier ist Jesus Christus anwesend und will uns durch seinen Segen reich und stark machen. Er schenkt uns die Fürsprache seiner Heiligen – und heute Ihnen besonders die Fürsprache des heiligen Apostels Philippus, den ich in einer Reliquie auch heute hier in meinem Brustkreuz bei mir habe. Wir sind nicht allein in unserem Tun. Das Presbyterium des Bistums mit dem Bischof und die ganze Bistumsgemeinde sind mit Ihnen heute im Gebet verbunden. Das darf uns Mut machen zum Tun in dieser Stunde. Amen.

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08.05.2017



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