"Schon fast ein gemeinsamer Kirchenvater"

Grußwort des Erfurter Bischofs Ulrich Neymeyr bei der Ausstellungseröffnung „Luther aus katholischer Sicht“ am Mittwoch, 12. April 2017 in Eisenach

Gemälde von Lucas Cranch d.Ä.: Martin LutherEs ist sehr erfreulich, dass im Jahr des Gedenkens an die Reformation im Jahre 1517 das Lutherhaus Eisenach eine Sonderausstellung dem Thema widmet, wie Martin Luther aus katholischer Sicht gesehen wurde und gesehen wird. Der Titel der Ausstellung „Ketzer – Spalter – Glaubenslehrer“ zeigt die Vielfalt und die Entwicklung der katholischen Lutherforschung. Diese begann erst im 19. Jahrhundert und nutzte zunächst die historische Methode zur Verteufelung oder Pathologisierung Luthers. Der Ruf nach historischer Gerechtigkeit öffnete später den Weg zu einer kirchengeschichtlichen Selbstkritik, die in religiöser Anerkennung mündete.

Ich persönlich bin geprägt durch den mutigen Vorstoß des Mainzer Kirchenhistorikers Peter Manns, der 1985 ein Buch mit dem Titel „Martin Luther. Reformator und Vater im Glauben“ veröffentlichte. Ich habe während meines Studiums einige Seminare bei Prof. Peter Manns belegt, weil er ein außerordentlich guter Kenner der Reformationsgeschichte war und weil er mir durch seine nicht gerade leise Art einen Eindruck davon vermittelte, wie wohl zu Zeiten Martin Luthers theologische Disputationen gestaltet waren. Dass er Martin Luther auch für Katholiken als „Vater im Glauben“ bezeichnete, regte eine lebhafte Diskussion an.

Vor kurzem schrieb der frühere Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, in einem kleinen Büchlein: „Für manche (Katholiken) ist Luther schon fast zu einem gemeinsamen Kirchenvater geworden.“ Papst Benedikt XVI. sagte bei seinem Besuch im Augustinerkloster in Erfurt am 23. September 2011: ´Was Luther umtrieb war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft und Triebfeder seines Lebens und seines ganzen Weges gewesen ist. Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Diese Frage hat ihn ins Herz getroffen und stand hinter all seinem theologischen Suchen und Ringen. Theologie war für Luther keine akademische Angelegenheit, sondern das Ringen um sich selbst und das wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott.“

Ich hoffe, dass die Ausstellung im Lutherhaus in Eisenach vielen Besucherinnen und Besuchern den Wandel im Lutherbild der Katholiken vor Augen führt und danke für die Verwirklichung dieser Ausstellung.


12.04.2017



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