Ein Jahr nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland

Erklärung der Erzbischöfe von Berlin und Freiburg und des Bischofs von Erfurt


Präses Schneider und Papst Benedikt XVI. im Erfurter Augustinerkloster


Anlässlich der Apostolischen Reise von Papst Benedikt XVI. vom 22. bis 25. September 2011 erklären der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der Erzbischof von Berlin, Kardinal Rainer Maria Woelki, und der Bischof von Erfurt, Bischof Dr. Joachim Wanke:

„Vor einem Jahr hat Papst Benedikt XVI. Deutschland besucht. Noch immer blicken wir dankbar auf die Tage mit dem Heiligen Vater in unserem Land zurück. Die Apostolische Reise stand unter dem Leitwort ‚Wo Gott ist, da ist Zukunft’. Der Heilige Vater hat uns als katholische Kirche in Deutschland in vielfältiger Weise ermutigt. Seine Ansprachen, die zahlreichen Begegnungen und die herzliche Atmosphäre in Berlin, Erfurt, dem Eichsfeld und Freiburg sind nach wie vor lebendig.

Die Reise des Heiligen Vaters war vor allem ein geistliches Ereignis. Mehrere hunderttausend Gläubige konnten mit Benedikt XVI. die Eucharistie feiern und gemeinsam beten. Unvergessen ist der Gottesdienst im Olympiastadion in Berlin, als der Heilige Vater den Menschen zurief: ‚Gott will nicht das Dürre, das Tote, das Gemachte, das am Ende weggeworfen wird, sondern das Fruchtbare und das Lebendige, das Leben in Fülle und er gibt uns Leben in Fülle.’ In Etzelsbach im Eichsfeld erinnerte uns der Heilige Vater an die jahrzehntelange Teilung Deutschlands und würdigte den Einsatz der Christen, in einer Diktatur trotz aller Drangsal den Glauben wachzuhalten. Auf dem Erfurter Domplatz ermutigte uns der Heilige Vater mit dem Wort: ‚Glaube ist immer auch wesentlich ein Mitglauben. Niemand kann allein glauben.’ Während der Vesper mit Jugendlichen in Freiburg rief der Papst  der jungen Generation zu: ‚Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft wir im Leben straucheln, sondern wie oft wir mit seiner Hilfe wieder aufstehen. Er fordert keine Glanzleistungen, sondern möchte, dass Sein Licht in euch scheint.’ In seiner Predigt am Sonntag in Freiburg forderte der Papst uns auf, ein wachsames Herz zu haben, das die Nöte des Anderen erkennt. Ausdrücklich würdigte der Heilige Vater das ehrenamtliche Engagement so vieler Menschen in unserer Kirche.

Ein Jahr nach der Reise von Papst Benedikt XVI. in sein Vaterland denken wir an alle Stationen zurück. Dazu gehören auch die zahlreichen politischen Begegnungen, die Rede des Heiligen Vaters vor dem Deutschen Bundestag und im Freiburger Konzerthaus, ebenso die Gespräche mit den Vertretern von Judentum und Muslimen und das Treffen mit Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Einen kräftigen Impuls für das ökumenische Gespräch hat die Begegnung Benedikt XVI. mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland im Erfurter Augustinerkloster und später mit den orthodoxen Kirchen in Freiburg gegeben. Der Heilige Vater hat uns vor Augen geführt, welche Bedeutung Martin Luther auch heute für die Frage nach Gott haben kann.

Die Kirche in Deutschland hat ihre Verbundenheit mit Papst Benedikt und der Weltkirche gespürt. Und umgekehrt: In einer kurzen, spontanen Ansprache an die deutschen Bischöfe äußerte Papst Benedikt, er wisse sich von uns getragen und gestützt. Wer dem Papst während der Tage in Deutschland nahe war, konnte erleben, wie sehr ihn die Offenheit und Begeisterung der Menschen bewegt und gestärkt haben. Diese Verbundenheit ist entscheidend, gerade in Zeiten der Herausforderung durch Zukunftsfragen in der Kirche. Die Reise des Heiligen Vaters hat uns in die Pflicht genommen, Gott und den Glauben wieder verstärkt in den Mittelpunkt unseres Tuns zu stellen. Die Kirche lebt aus dem Glauben an Jesus Christus, nicht aus der Nützlichkeit für die Gesellschaft. Sie ist nicht gegründet als Agentur der Sinnstiftung und Wertevermittlung, sondern als Ort der Begegnung von Gott und Mensch.

Der Erfolg einer Papstreise lässt sich nicht ‚messen’. Und doch spüren wir in unseren Gemeinden und Diözesen, dass der Heilige Vater mit seinen Botschaften Vieles angestoßen und uns zahlreiche Impulse gegeben hat. Er hat uns in einem großen Fest des Glaubens ermutigt und eine Orientierung geschenkt, wie wir den Weg der Kirche in die Zukunft gestalten können.

Als ein sichtbares Zeichen für die Unterstützung der Anliegen des Papstes haben wir im Vorfeld der Papstreise und während der Tage der Begegnung mit dem Heiligen Vater zu Spenden für Ostafrika aufgerufen. Die Spendeneingänge in den Ostafrikafonds sind nun abgeschlossen. Wir können für die kirchliche Ostafrikahilfe 3 Millionen Euro zur Verfügung stellen und danken allen, die zu diesem Spendenergebnis beigetragen haben.“


Hinweis: Diese Erklärung wurde von den Pressestellen der Erzbistümer Berlin und Freiburg, des Bistums Erfurt und der Deutschen Bischofskonferenz zeitgleich verschickt.



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